Managerehen Family Business

Unverheiratete Manager waren einst chancenlos. Heute scheinen Singles und kinderlose Paare einen Startvorteil zu haben. Bremst die Familie die Karriere?

Zehn Jahre lang haben sie diskutiert. Zehn lange Jahre, die ihm heute wie ein einziges endloses, fruchtloses Streitgespräch erscheinen. Sie stritten über Partnerschaft und berufliche Träume, über seine Karriere und ihren Haushalt, über Fairness und Enttäuschungen und darüber, dass sie doch eigentlich alles ganz anders geplant hatten - damals, 1980.

Beide studierten Maschinenbau in Aachen, und er bewunderte sie heimlich: als eine von nur fünf Frauen im Jahrgang, technisch ebenso glänzend begabt wie er und nicht minder ehrgeizig.

Als sie ihr Diplom in der Tasche hatten, spielten zu Hause schon Tochter und Sohn, die Kinderbetreuung an der Uni war vorbildlich gewesen. Planmäßig ging es weiter: Er trat seinen ersten Job in einem Münchener Konzern an, sie wollte sich mit spätestens 30 ebenfalls eine Stelle suchen.

Mit diesem Ziel war es aus, als sich 1990 ungeplant das dritte Kind einstellte. Ein Jahr später erhielt er ein verlockendes Jobangebot aus Niedersachsen. Diese Chance auszuschlagen, so sahen sie es damals beide, wäre idiotisch gewesen. Die Familie zog aufs Dorf bei Hannover, er arbeitete fortan rund um die Uhr, um sich als jüngster Bereichsleiter im neuen Umfeld Respekt zu verschaffen. Sie saß zu Hause mit dem Baby. Und die Streitereien begannen.

Vorwerfen möchte Klaus H. seiner Frau die anstrengenden Auseinandersetzungen nicht: "Ich hatte unseren gemeinsamen Traum verlassen und machte mein Ding, sie fühlte sich ausgebremst." Doch mit Schrecken denkt er an all die Jahre zurück, in denen er versuchte, beiden Seiten gerecht zu werden: der Karriere und seiner Familie.

Wie er sich abhetzte, um wenigstens zweimal pro Woche zum Abendessen zu Hause zu sein und die Kinder ins Bett zu bringen. Wie er sich um das im Unternehmen gern gesehene Wochenendprogramm - Sport mit Kollegen, gegenseitige Einladungen und Stadionbesuche mit wichtigen Kunden - herumzudrücken versuchte, damit seine Frau sich auch einmal ausruhen konnte.

Das ständige Taktieren zerrte an seinen Nerven, laugte ihn regelrecht aus. Seine Ambitionen auf einen Geschäftsführerposten begrub er stillschweigend.

Kompromisse und endloser Streit

Umso glücklicher war H., als sich Ende der 90er Jahre eine Lösung für den familiären Dauerzwist anzukündigen schien: Nach einem Aufbaustudium nahm seine Frau tatsächlich ihren ersten Job an.

Ein Jahr später stellte sie ihm ihren neuen Freund vor: einen bärtigen Professor, der "mir einfach mal zuhört".

So wurde der Schlussstrich unter eine Ehe gezogen, die anfangs schön gewesen war und später schwer, nur eines ganz und gar nicht: untypisch.

Die Geschichte des Klaus H. trägt sich so oder ähnlich in ungezählten Managerhaushalten zu. Es ist die Geschichte von gebrochenen Versprechen, faulen Kompromissen und endlosem Streit. Es geht um den Partisanenkrieg zwischen Mann und Frau, der irgendwann ausbricht, wenn das Ideal einer modernen, gleichberechtigten Partnerschaft mit den Ansprüchen der Berufswelt kollidiert.

Viele junge, ambitionierte Führungskräfte fühlen sich wie in einer Falle, aus der es kaum ein Entkommen gibt. Sie sind mit Frauen verheiratet, die ihre Lebensaufgabe nicht mehr ausschließlich darin sehen, "ihm den Rücken frei zu halten". Sie wissen, dass Partnerschaft und Familie nur dann funktionieren, wenn sie mit Zeit und Engagement gepflegt werden - einerseits. Andererseits sind die Gesetze der Managerwelt so, dass beruflicher Aufstieg nur für den zu haben ist, der sich total in den Dienst der Firma stellt.

Bremst die Familie also die Karriere, nachdem sie jahrhundertelang die Voraussetzung des Aufstiegs war? Hat gar der Eigentümer des Londoner Edelkaufhauses Harrods, Mohamed al Fayed, recht, wenn er sagt: "Familie und Beruf sind nicht vereinbar, sie schließen sich gegenseitig aus."

Fest steht zumindest, dass es Singles oder kinderlose Paare einfacher haben. Schließlich konkurrieren familiäre und berufliche Ambitionen um die knappste aller Ressourcen eines Managers: Zeit. Dabei verschieben sich inzwischen traditionell karriereorientierte Wertesysteme massiv.

Nur noch weniger als 60 Prozent der deutschen Manager räumen heute nach einer repräsentativen Umfrage des Bielefelder TNS Emnid Instituts unter männlichen Führungskräften dem beruflichen Vorankommen Vorrang gegenüber der Familie ein. 42 Prozent sagen, dass sie aus Rücksicht auf Frau und Kinder bereits auf Karrierechancen verzichtet hätten.

Die Scheidung ist fast der Regelfall

Allerdings wollen viele Führungskräfte diesen Preis nicht auf Dauer bezahlen.

Die Flucht aus der empfundenen familiären Enge verläuft dann meist in sehr klassischen Bahnen. Status und Macht innerhalb eines Unternehmens verschaffen Topmanagern schon seit jeher genügend Möglichkeiten, Ehefrau Nummer eins durch Ehefrau Nummer zwei zu ersetzen. Hilmar Kopper (71) und Jürgen Schrempp (62), die als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank beziehungsweise als Chef des Daimler-Konzerns ihre derzeitigen Frauen kennen und lieben lernten, sind nur zwei der prominentesten Beispiele.

Auch Klaus H., heute 47, ist inzwischen neu verheiratet. Gattin Nummer zwei ist "ein ganz anderer Typ: lieb, anschmiegsam, beruflich wenig ambitioniert, aber sehr künstlerisch". Eigentlich, sagt H. nicht ohne Ironie, gehe es ihm heute besser als je zuvor. Sein Leben sei einfacher geworden, beruflich könne er wieder durchstarten. Und fast scheint es ihm, als habe alles zwangsläufig so kommen müssen.

Vor der Erfüllung kommt die Scheidung - fast schon der Regelfall auch in der Generation zwischen 35 und 50. Thomas Krenz (47), Deutschland-Chef der Private-Equity-Gesellschaft Permira - geschieden. Stefan und Renate Krümmer (beide 50), er ist Managing Director beim Investmenthaus 3i, sie vertritt die deutschen Interessen des US-Investors J. C. Flowers - geschieden.

Mathias Krahl (45), einer der Hoffnungsträger bei der Boston Consulting Group, einst verheiratet mit einer Jil-Sander-Managerin - geschieden und neu verliebt in Fernsehstarlet Barbara Schöneberger (32). Peter (40) und Loretta (34) Würtenberger, das einstige Powerpaar der New Economy - mit weniger karriereorientierten Partnern jeweils neu gebunden, in beiden Beziehungen sind Kinder unterwegs Anwälte, Investmentbanker, Berater - das mobile Dienstleistungspersonal der globalen Wirtschaft scheint am anfälligsten für das Scheidungsvirus.

Doch folgt man den Beobachtungen von Familienrechtsanwälten und Paartherapeuten, so steuern auch die Ehen angestellter Manager in Richtung Endstation.

Der Alltag vieler Führungskräfte ist durch einen schier unlösbaren Zielkonflikt geprägt: Das Privatleben steht gegen die beruflichen Ambitionen - Karriere kontra Ehe, Vertriebstagung versus Fußballturnier des Sohnes, Bilanzdeadline kontra Skiurlaub, Aufsichtsratssitzung gegen Hochzeitstag. Von Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter (53) wird berichtet, dass er es zur Taufe eines seiner Kinder gerade noch rechtzeitig in die Kirche schaffte. Das anschließende Festessen fand dann allerdings ohne ihn statt.

Die Konkurrenz schläft nicht

In der Firma unersetzbar, zu Hause unerreichbar - so lautet das Mantra des Managers. Zugute kam ihm dabei jahrzehntelang das klassische Ehemodell, wie es Nicola Sievers, Personalberaterin bei Board Consultants International in Hamburg, beschreibt: "Er zieht hinaus ins feindliche Leben, sie managt die Familie und zieht ihr Selbstbewusstsein aus seinen Erfolgen." Seine Karriere garantiert ihr Wohlstand und Status, ihre Aufopferung im Hintergrund sichert seine Leistungskraft.

Das war einmal. Spätestens seit Frauen die Hälfte aller Uniabsolventen stellen, melden sie massiv Ansprüche an: nach partnerschaftlicher Aufteilung der Hausarbeit, nach Mithilfe bei der Erziehung und immer öfter auch nach einem eigenen Job, einer eigenen Karriere.

All das würde der Manager ja gern unterstützen; er weiß selbst, dass sein ständig abwesender Vater kein gutes Vorbild war, ihm ist klar, dass Kinder beide Eltern brauchen, auch einen Beruf gönnt er ihr - doch er findet auch, dass seine Arbeit ein intensives Engagement zu Hause nicht zulässt. Mehr als samstags der wöchentliche Großeinkauf, ab und zu ein Abend im Kino oder Theater, ein gemeinsames Glas Wein, mehr ist nicht drin, vor allem keine anstrengenden Diskussionen.

Gegen das Murren seiner Frau bringt er allerlei Argumente vor, die sein schlechtes Gewissen beruhigen sollen: Sieht sie denn nicht ein, wie viel Stress es bedeutet, über Handy und Blackberry selbst beim Sonntagsfrühstück und im Urlaub stets erreichbar zu sein?

Versteht sie denn nicht, dass er mit Männern konkurriert, die auf die Belange einer Familie keine Rücksicht zu nehmen brauchen, weil sie Singles sind, kinderlos leben oder schlicht zu einer Generation gehören, die bedingungslos sich aufopfernde Gattinnen hat?

Sie antwortet mit dem spitzen Hinweis, dass zumindest seine Golfrunden und Rennstreckenbesuche am Wochenende wohl eher zerstreuenden Charakter hätten. "Akquise, Schätzchen", gibt er dann zurück. "Die Kunden stehen nun mal drauf."

Wobei er genauso gut weiß wie sie, dass sie in vielen Punkten recht hat.

Den Ehrenkodex der Managerwelt, dass nur derjenige ein guter Manager ist, der sich rund um die Uhr für das Unternehmen plagt, findet er selbst fragwürdig.

Kämpfen auf verlorenem Posten

Es gibt Kollegen, die scheinen geradezu darauf zu hoffen, dass man sie aus dem Urlaub zurückruft, um einen wichtigen "Deal" zu stemmen. Doch soll er aus diesem Wettkampf ausscheren? Der Job ist halt so - und sichert am Ende beiden ein komfortables Leben.

Und insgeheim macht es ihm ja wirklich mehr Spaß, mit anderen Männern übers Grün zu ziehen, als zu Hause die Waschmaschine zu bedienen. Auch der abendliche Wettbewerb, wer wohl heute als Letzter das Büro verlässt, ist keineswegs nur dem hohen Arbeitsaufkommen geschuldet - die Chancen auf einen entspannenden Abend bei einem guten Glas Rotwein stehen eben deutlich besser, wenn die Kinder schon im Bett sind.

Er muss schließlich seine Batterien irgendwann wieder auftanken. Vom Topmanager einer großen deutschen Bank etwa ist überliefert, dass er ins Hotel zog, als seine Frau mit dem Neugeborenen aus der Klinik kam - Managerschlaf ist heilig.

So kommt es, dass auch in jüngeren Managerfamilien das Ideal der partnerschaftlichen Ehe kaum gelebt wird. Eine Längsschnittstudie des Bamberger Soziologen Hans-Peter Blossfeld, der 30.000 Paare aus zwölf Ländern zu ihrer privaten Arbeitsteilung befragte, belegt, wie fest die traditionellen Geschlechterrollen noch in den Köpfen stecken: "Je höher der Mann auf der Karriereleiter klettert, desto mehr wächst der Druck auf die Frau, ihren Alltag nach seinen Bedürfnissen auszurichten."

Wobei mancher Manager grundsätzlich nichts dagegen hätte, wenn auch seine Frau ein eigenes Leben neben der Familie führen könnte, zum Beispiel einen Job annehmen, sobald die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind. Nur auf seine Unterstützung darf sie dabei nicht zählen, will sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen, seinen Erfolg zu riskieren.

Oder wie es eine mit einem viel beschäftigten Consultant verheiratete Frankfurter Ärztin beschreibt: "Wenn er am Wochenende nach Hause kommt, verhält er sich wie ein typischer Unternehmensberater. Er fliegt ein, macht ein paar Verbesserungsvorschläge und reist am Sonntagabend dem nächsten Auftrag hinterher."

In diesem Punkt machen es sich Managerfrauen allerdings auch selbst schwer. Der deutsche Muttermythos schränkt ihre Freiheit stärker ein, als es eigentlich nötig wäre: "Das Paradigma der privaten Kindheit, das in erster Linie der Familie - und innerhalb der Familie im Besonderen der Mutter - die Hauptaufgaben der Kinderbetreuung zuschreibt", dominiere in Deutschland noch immer die Erziehungsvorstellungen, stellen die Familienforscher Tanja Mühling und Harald Rost im jüngsten Familienreport des Landes Bayern fest.

Sie beginnt ein eigenes Leben

Karl Bosshard, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner der Kienbaum Executive Consultants, fasst Beobachtungen im eigenen Klientenkreis so zusammen: "Je höher die Schicht, desto grotesker der Tanz um die Kinder."

In Zeiten, in denen Mandarin-Sprachunterricht schon für Dreijährige in Mode kommt, seien gerade in Managerfamilien die Ansprüche an die Hege des eigenen Nachwuchses immens gestiegen, so Bosshard. Also muss Mutti persönlich ran, um das Vollwertmittagessen zu kochen und die Fortschritte beim Flötenunterricht zu überwachen.

Gerät die Ehe erst einmal in diese verhängnisvollen Bahnen, kann es nicht weiter verwundern, wenn die im Stillen gezogene Zwischenbilanz der gemeinsam verbrachten Jahre aus der Perspektive der Ehefrau ernüchternd ausfällt.

Er heimst in der Firma Erfolg um Erfolg ein, was sein Selbstbewusstsein spürbar steigen lässt. Sein Prestige auch im Freundeskreis wächst, bei den Kindern hat er leichtes Spiel, solange er sich als verständnisvoller und kreativer Sonntagsvater inszeniert. Sie dagegen räumt die Alltagsprobleme aus dem Weg, kämpft stets auf verlorenem Posten und kann immer weniger verstehen, was er sich auf seine Leistungen einbildet.

Und so kommt es, dass sie irgendwann seine Aufstiegspläne zu boykottieren beginnt - vor allem, wenn sie mit einem Umzug verbunden seien, sagt der Münchener Personalberater Frank Beyer: "Wir erleben immer häufiger, dass Manager Karrierechancen nicht wahrnehmen, weil die Familie Druck macht".

Zur Jobbeschreibung des Headhunters gehört es inzwischen, den inoffiziellen Dritten im System zu befrieden: die Ehefrau Karrierefalle: "Die Gattin spielt nicht mit". So versucht Beyer, Tretminen früh aufzuspüren, indem er während des Auswahlprozesses auch mal zu Hause anruft und die Stimmung der Gattin testet: "Frauen sagen oft recht deutlich, was sie von der Option halten."

Wie sehr die Männer innerlich unter Druck stehen, spürt er an Versuchen, die Modalitäten des Jobs zu ihren Gunsten zu wenden. "Da heißt es dann: Als Vertriebler bin ich doch eh immer unterwegs, da ist es doch egal, wo ich wohne.'"

Manchmal merkt das Umfeld mehr

So wächst der Frust, Streitereien nehmen zu, und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem die Sache zu eskalieren beginnt.

Sie lässt ihn bei abendlichen Repräsentationsterminen im Stich, will sich nicht mehr - auf seine Anweisung hin - jede halbe Stunde auf die Damentoilette zurückziehen, um brav aufzuschreiben, was ihr der unvorsichtige Tischnachbar eben anvertraut hat. Zu dienstlichen Empfängen und privaten Einladungen unter Kollegen muss er jetzt häufiger allein gehen.

Sie fängt an, ihr eigenes Leben zu leben. Irgendwann ist der Vorrat an Gemeinsamkeiten endgültig aufgebraucht, und einer der beiden zieht die Reißleine. Immer häufiger beendet sie die Beziehung, die längst keine mehr ist, hält ihm, wie es die Frau eines Dax-Vorstandschefs kürzlich tat, vor, dass er nicht mehr der Mann sei, den sie geheiratet habe, und trennt sich von ihm.

Meist hat der Manager nicht einmal mitbekommen, dass seine Partnerschaft längst dahinsiecht.

Der Psychologe Rainer Niermeyer, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner bei Kienbaum Management Consultants, trifft sie immer wieder in seinen Seminaren, jene Führungskräfte, die "nach einem langen Schlaf ein böses Erwachen erleben" und überrascht feststellen, dass ihr emotionales Zuhause in rauchenden Trümmern liegt.

Manager lernten nun einmal im Job, sehr fokussiert zu denken, und gäben der Lösung aktueller beruflicher Herausforderungen im Zweifel den Vorzug vor schwelenden Dauerkonflikten an der Heimatfront: "Die sagen sich, es ist momentan gar nicht sinnvoll, dass ich mir Gedanken über meine Beziehung mache - bis es zu spät ist."

Manchmal merkt das Umfeld schneller als der Manager selbst, was los ist. Da bleiben private Gespräche in unangenehmer Erinnerung, wie etwa nach einem Opernabend in Salzburg.

Eine Runde von Wirtschaftsgrößen sitzt nach der Vorstellung im Restaurant zusammen, anwesend ist unter anderem auch der Chef einer bedeutenden deutschen Bank. Die Stimmung ist locker, man lacht und irgendwann beginnt die Frau des Bankers mit ihrem Nebenmann zu flüstern.

Als er wissen will, worum es geht, platzt sie heraus: "Wir reden über Sex. Du kannst weghören. Von dem Thema verstehst du ja eh nichts." Peinliches Schweigen, das Paar ist inzwischen geschieden.

Mancher Leistungsträger entscheidet sich nach dem Ausbruch aus den privaten Kalamitäten für einen Neuanfang der traditionellen Art: Plötzlich ist die junge, hübsche und pflegeleichte Gefährtin angesagt, die ihn maßlos bewundert und ihm garantiert nicht im Wege steht.

Gibt es wirklich keine Chance?

Öffentlich wird dies vor allem in der Politik: CDU-Mann Friedbert Pflüger (51) will nach seiner ersten Ehe mit der Politikprofessorin Margarita Mathiopoulos (49) seine 29-jährige Sekretärin heiraten; Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47) startet mit einer Mitarbeiterin der Pressestelle von Continental (33) ins zweite Glück.

Der einstige Bundesbankpräsident Ernst Welteke (64) vermählte sich schon vor sieben Jahren mit einer 20 Jahre jüngeren Mitarbeiterin - und trennte sich von ihr zwischenzeitlich bereits wieder. Von einem prominenten Düsseldorfer M&A-Anwalt wird erzählt, dass er seit der Trennung von seiner Ehefrau zu gesellschaftlichen Anlässen mit einem polnischen Modell aus einer Escort-Agentur auftauche.

Der Extremfall war vor kurzer Zeit vor einem Münchener Familiengericht zu beobachten. Otto Eckart (70), ehemaliger Patriarch des Knödelproduzenten Pfanni, verabschiedete sich von Gattin Nummer zwei, einst als Sekretärin für ihn tätig. Grund für die Scheidung: Die derzeitige Lebensgefährtin Eckarts, 22 Jahre jünger als er und wie ihre Vorgängerin die Sekretärin des Unternehmers.

Beruflicher Erfolg nur zum Preis des persönlichen Bankrotts? Gibt es wirklich keine Chance, Karriere zu machen, ohne das private Glück aufs Spiel zu setzen? Muss, wer die Liebe retten will, seine beruflichen Ambitionen zwingend einschränken?

Er muss es nicht, wenn sich im Laufe der Beziehung die Prioritäten seiner Gattin ändern. Das gemeinsame Prosperieren, der gesellschaftliche Status und das Glück des Zusammenlebens mit Kindern söhnt auch heute noch viele Managergattinnen aus.

Gefährlich wird es nur, wenn sie sich über Gebühr zurückgesetzt und zum reinen Dienstleistungsbetrieb für seinen Aufstieg degradiert fühlt.

Das Mindeste, was er dagegen tun kann, ist, ihre im Privaten erbrachten Leistungen anzuerkennen. An diesem Punkt scheiterten viele Langzeitehen, warnt der bekannte Paartherapeut und Führungskräfte-Coach Hans Jellouschek.

Mit der Dauer der Ehe wachse die Gefahr, den Partner und seine Rolle in der Beziehung für selbstverständlich zu halten: "Der gegenseitige Respekt nimmt ab, das Bemühen umeinander lässt nach." Das Paar bringe sich zu wenig "positive Resonanz" entgegen, die eine Ehe aber dringend brauche.

Der Wunsch, den Helden zu geben

"Männer lernen von Kind an, dass es verdienstvoll ist, Spitzenleistungen zu bringen und sich ohne Rücksicht auf Verluste beruflich zu etablieren." Deshalb ist es für Manager schwierig, allein aus Rücksicht auf die Familie auf weitere Karriereschritte zu verzichten Karrierefalle: "Die Gattin spielt nicht mit".

Der Wunsch des Mannes, den Helden zu geben, kann denn auch in der Ehekrise das Einfallstor für die neue Partnerin sein. Die 20 Jahre jüngere Sekretärin lauscht noch hingebungsvoll den Geschichten aus dem entsagungsvollen Leben des Managers, die seine Gattin schon in tausendfacher Variation kennt - inklusive des Preises, den sie für sein Heldenleben zu zahlen hat.

Jedem Manager, der seine Familie erhalten will, bleibt kein anderer Weg, als die Prioritäten wenigstens manchmal in Richtung Familie zu verschieben. Zeit für die Geburtstagsfeier des Sohnes im Terminkalender genauso unverrückbar einzuplanen wie die Abteilungsleiterbesprechung, der Ehefrau und sich selbst ab und zu mal einen gediegenen Kurzurlaub ohne Kinder zu gönnen - kleine, aber wichtige Gesten.

Andrea Leifeld (44) und ihr Mann etwa sind sogar ein paar Schritte weiter gegangen. Eigentlich könnten Leifelds rund um die Uhr arbeiten, sie und ihr Gatte sind Partner bei der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group. Doch als sich vor neun Jahren Zwillinge einstellten, merkten die jungen Eltern: Kinder zu bekommen und sie dann komplett an Dienstleister outzusourcen, das ist nicht unser Weg.

Ein Jahr nach der Geburt reduzierte Andrea Leifeld ihre Arbeitszeit; ihr Mann zog nach. Seither kämpfen beide vor allem gegen die "Schere im Kopf", sagt die Beraterin: "Wenn man viele Jahre lang so intensiv gearbeitet hat wie wir, muss man erst einmal lernen, loszulassen und tatsächlich Zeit für die Familie zu reservieren."

Für ihre Kunden sind die beiden nach wie vor immer erreichbar, aus der Verantwortung für interne Abläufe haben sie sich allerdings weitgehend zurückgezogen. Die Firma legte ihren Pionieren in Sachen Work-Life-Balance offenbar keine Steine in den Weg, im Gegenteil: Einige weitere Berater und Partner haben im Interesse ihrer Familien ähnliche Arrangements getroffen.

So gut läuft es in den meisten Unternehmen nicht. Manager, die die Spielregeln ihres Unternehmens verändern wollen, sollten nicht auf den Beifall aus dem Kollegen- und Vorgesetztenkreis hoffen - das alte Denkmuster, familienorientierter Mann ist gleich Weichei, ist noch zu präsent. Aus-der-Reihe-Tänzer brauchen jede Menge Mut und großes Durchhaltevermögen, um ihre Pläne immer wieder gegen Kritiker und Hindernisse zu verteidigen. Eine erfüllte Existenz jenseits von Geld und Macht ist nicht umsonst zu haben.

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