Gates-Stiftung Bills Programm

Bill Gates und seine Frau Melinda wollen die ungleiche Verteilung der Lebenschancen in der Welt bekämpfen, und zwar mit dem gleichen Unternehmergeist, mit dem Gates einst Microsoft zum Beinahemonopolisten emporprügelte. Ein Blick auf die Arbeitsweise der Gates Foundation.

Im Grenzland zwischen Mosambik und Malawi, unter einem dunkelgrauen Regenzeithimmel, hat sich Limbiri ihren kleinen Sohn auf den Rücken gebunden und ist mit ihm anderthalb Stunden durch den Nieselregen gelaufen, bis nach Koche, eine Ansammlung von Hütten auf der malawischen Seite der Grenze. Dort gibt es eine Krankenstation, in der der zweijährige Kazembe gewogen und gemessen wird. 75 Zentimeter und acht Kilo, damit ist er unterernährt genug, um sich für eine Wochenration "Ready-to-use Therapeutic Food" (RUTF) zu qualifizieren: eine extrem kalorienreiche Mischung aus Zucker, Milchpulver, Pflanzenöl und Erdnussbutter, angereichert mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Mit Bewegungen, viel zu müde für ihre 25 Jahre, stopft Limbiri die sechs 250-Gramm-Becher RUTF in eine kleine schwarze Abendhandtasche, die auf rätselhafte Weise ihren Weg von Europa nach Zentralafrika gefunden haben muss. Sechs Plastikbecher zum Einkaufspreis von je 50 Cent, die Kazembe für eine weitere Woche am Leben erhalten werden.

Becher und Inhalt hat Bill Gates bezahlt. Ein Name, den Limbiri noch nie gehört hat, aber das macht nichts. Schließlich dürfte auch Bill Gates noch nie von Limbiri gehört haben oder von Kazembe. Die 6 mal 50 Cent haben einen zu langen Weg hinter sich, um Raum zu lassen für persönliche Dankbarkeit.

Am Anfang standen vielleicht einige Bit eines Computerprogramms wie Word oder Windows. Millionenfach verkauft, machten diese Programme Microsoft-Gründer Bill Gates zum reichsten Mann der Welt. Zu einem Menschen, der sich bereits mit 51 Jahren dem Geldausgeben widmen kann statt dem Geldverdienen. Bis 2008 will Gates sein letztes operatives Amt als Entwicklungschef bei Microsoft  niederlegen. Dann soll der Vorsitz der Bill and Melinda Gates Foundation zu seiner Hauptbeschäftigung werden.

Bill Gates und seine Frau Melinda wollen die ungleiche Verteilung der Lebenschancen in der Welt bekämpfen, und zwar mit dem gleichen Unternehmergeist, mit dem Gates einst Microsoft zum Beinahemonopolisten emporprügelte. Ein Blick auf die Arbeitsweise der Gates Foundation gleicht einem Blick in ein Entwicklungslabor, in dem mit Milliardenmitteln und innovativen Managementmethoden nach Rezepten gegen Armut und Krankheit gesucht wird.

Geld ausgegeben

Aus Mitteln der Gates Foundation werden heute Notrationen in Malawi finanziert und Obdachlosenasyle in Oregon, wird nach Impfstoffen gegen Aids, Malaria und Tuberkulose gesucht, werden farbige Studenten mit Stipendien gefördert und demnächst auch Kleinunternehmer mit Mikrokrediten.

Dass Gates die Ressourcen für all diese Projekte hat, steht spätestens seit dem 25. Juni 2006 fest. An diesem Tag gab Warren Buffett, der zweitreichste Mann der Welt, Folgendes bekannt: Er werde einen Großteil seines Vermögens an die Stiftung des reichsten Mannes der Welt weiterreichen. Das Kapital der Gates Foundation wird sich dadurch von rund 30 auf 60 Milliarden Dollar verdoppeln. Keine andere Stiftung verfügt über annähernd so viel Kapital. Die jährlichen Ausschüttungen der Gates-Stiftung werden dann bei mindestens drei Milliarden Dollar liegen.

Drei Milliarden, richtig eingesetzt, sind sehr viel Geld: mehr als der Jahresetat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und etwa so viel wie der gesamte bilaterale Entwicklungshilfe-Etat der Bundesrepublik. Einerseits.

Andererseits: Drei Milliarden, falsch eingesetzt, sind verschwindend wenig. Die Entwicklungshilfe-Branche ist berüchtigt für ihre Ineffizienz. Außenpolitische Rücksichtnahme, Apparate, die sich vor allem mit sich selbst beschäftigen, Projekte, denen auf halber Strecke das Geld ausgeht, und unzählige falsche Annahmen über die Wurzeln von Wachstum und Wohlstand haben schon weit größere Summen nutzlos in den Wüsten, Slums und Dschungeln dieser Erde versickern lassen.

Die Gates Foundation will es besser machen. Am deutlichsten hat diesen Anspruch Warren Buffett formuliert, als er der Stiftung sein Vermögen vermachte: "Wenn man sein Geld vermehren will, dann ist es normal, es einem Investmentmanager anzuvertrauen, der darin besser ist als andere. Für viele war ich das. Jetzt will ich, dass mein Geld ausgegeben wird, und vertraue es jenen an, von denen ich glaube, dass sie es besser ausgeben können als ich." So wie Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway  das Geld ihrer Aktionäre effizienter vermehrte als die meisten Wettbewerber, so soll die Gates Foundation das Geld effizienter ausgeben als andere gemeinnützige Organisationen.

Gutes Personal

Effizienz - in der Krankenstation von Koche klingt das Wort wie von einem anderen Stern. Vor dem Wiegen muss Limbiri ihrem leise vor sich hin hustenden Sohn Kazembe sein zerschlissenes weinrotes Trikot ausziehen, das vorn ein Wappen des FC Barcelona ziert und hinten in goldenen Lettern der Name "Ronaldinho". Es stammt vermutlich aus irgendeiner europäischen Altkleidersammlung.

Den Namen Ronaldinho kennt Limbiri ebenso wenig wie jenen von Bill Gates, aber auch das macht nichts. Kazembe wird wahrscheinlich tot sein, bevor er ins Bolzplatz-Alter kommt, und wenn er Glück hat, stirbt er vor seiner Mutter.

Kazembe hat Aids, ebenso wie Limbiri. Wären die Lebenschancen auf dieser Welt gerecht verteilt, dann würde Kazembe nicht mit Erdnussbutter abgespeist, sondern bekäme all jene Medikamente, mit denen Aids-Kranke in Deutschland jahrzehntelang überleben.

Aber die Chancen sind nicht gerecht verteilt, besonders nicht im Süden Malawis. Schätzungen zufolge hat sich hier jeder Vierte mit dem HI-Virus infiziert, im Landesschnitt dürfte es mindestens jeder Siebte sein.

In Malawi erscheint der Kampf gegen Aids besonders aussichtslos. Und doch hat Gates die Immunschwäche zum wichtigsten Thema seiner Stiftung gemacht. An den Strategien, mit denen er Aids besiegen will, zeigen sich am deutlichsten die fünf Unterschiede zwischen der Gates-Stiftung und anderen gemeinnützigen Organisationen.

1. Gutes Personal: Die Gates Foundation beschäftigt statt Funktionären der Wohltätigkeit Manager mit Wirtschaftserfahrung. Zum Beispiel Patty Stonesifer, Ex-Microsoft-Managerin. Ihre Aktienoptionen machten sie so wohlhabend, dass sie heute als CEO der Stiftung auf ein Gehalt verzichtet. Tachi Yamada, der die wichtige Gesundheitssparte der Stiftung leitet, war zuvor Forschungschef beim Pharmariesen GlaxoSmithKline .

Den vielleicht interessantesten Berufsweg hat Ashok Alexander hinter sich: Der 52-Jährige baute für die Unternehmensberatung McKinsey das Indien-Geschäft auf - und wurde 2002 von der Gates Foundation abgeworben. Mit dem gleichen Elan, mit dem er zuvor Beratungsaufträge akquirierte, machte er sich nun daran, für Gates ein indienweites Netzwerk von Aids-Präventionszentren für Prostituierte zu knüpfen. "Ich arbeite heute härter als früher und verdiene weniger", sagt Alexander, "aber die ideelle Belohnung lässt sich durch nichts aufwiegen."

Die Mentalität des McKinsey-Mannes hat sich Alexander bewahrt. Die Kranken nennt er "Kunden", die Präventionszentren "Filialen". Und wenn die einheimischen Hilfsorganisationen, mit denen er kooperiert, nicht wie gewünscht performen, wirft Alexander sie kurzerhand aus dem Projekt.

Kontrolliertes Risiko

2. Kontrolliertes Risiko: Mit dem wirtschaftsnahen Personal hielten auch wirtschaftsnahe Methoden Einzug bei der Gates Foundation. Wie ein Pharmakonzern oder ein Wagniskapitalgeber verfolgt die Stiftung einen Trial-and-Error-Ansatz. Man setzt große Summen auf riskante Vorhaben, in der Hoffnung, dass eines davon zum Erfolg führen und Fehlschläge mehr als wettmachen wird.

Die Gates-Stiftung verteilt daher nicht nur Kondome an indische Prostituierte, sondern finanziert gleichzeitig ein Projekt, an dem bereits viele Wissenschaftler gescheitert sind: die Suche nach einem Impfstoff gegen Aids.

Weltweit arbeiten gleich elf Konsortien in Gates' Auftrag an verschiedenen Substanzen, die vor Aids schützen könnten - das erhöht die Chancen auf einen Treffer. Jede dieser Gruppen besteht aus rund einem halben Dutzend Universitäten oder Forschungsinstituten. Fünf weitere Institute kümmern sich um die zentrale Erfassung und Aufbereitung aller Forschungsergebnisse.

Einer dieser Sammelpunkte befindet sich in einem Gewerbegebiet im saarländischen Sulzbach: Bei minus 196 Grad soll das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik hier alle bisher gefundenen Varianten des Aids-Virus einlagern und alle zur Erprobung anstehenden Impfstoffe.

3. Optimale Vernetzung: Wissen vermehrt sich am schnellsten, wenn man es teilt - diesen Grundsatz hat die Gates Foundation tief verinnerlicht. "Ich habe selten einen Geldgeber erlebt, der sich so intensiv und systematisch um den Austausch zwischen seinen Zuwendungsempfängern kümmert", sagt Hagen von Briesen, der in St. Ingbert den Aufbau des Virus-Archivs leitet.

Bei der Aids-Impfstoffsuche kümmert sich mit James Kublin ein eigener Alliance Manager um nichts anderes als um die Vernetzung der über 160 beteiligten Wissenschaftler. Zum Kick-off-Meeting wurden alle nach Seattle eingeladen: Business Class, Unterkunft im "Grand Hyatt", Keynote von Bill Gates persönlich - und ein Programm so straff, dass in keinem Moment der Eindruck aufkam, es könnte sich um eine als Kongress getarnte Vergnügungsfahrt handeln.

Schlanke Strukturen

4. Schlanke Strukturen: Das Geld, das die Gates-Stiftung in die Vernetzung ihrer Grantees genannten Zuwendungsempfänger investiert, spart sie in der Verwaltung wieder ein. Gerade mal 300 Stiftungsmitarbeiter vergeben pro Jahr 1,5 Milliarden Dollar, aufgesplittert in unzählige Einzelprojekte. Zum Vergleich: Die Ford Foundation, die pro Jahr 570 Millionen Dollar vergibt, beschäftigt 600 Mitarbeiter.

Möglich werden die schlanken Strukturen durch extremes Outsourcing: Wie bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift beurteilen zunächst externe anonyme Experten die Projektvorschläge. Nur wenn deren Votum positiv ausfällt, entscheidet die Stiftung über den Zuschlag. Ab zehn Millionen Dollar müssen Bill und Melinda persönlich ihr Okay geben.

Projekte werden grundsätzlich nicht selbst durchgeführt, sondern von den Grantees. Die Ernährungssicherung in Malawi betreibt zum Beispiel die Hilfsorganisation Save the Children zusammen mit regionalen malawischen Behörden (weitere Informationen: www.savethechildren.de/malawi/ ). In Indien verwaltet Ex-McKinsey-Mann Alexander mit gerade mal 13 Mitarbeitern ein Fünf-Jahres-Budget von 260 Millionen Dollar. Das Geld fließt zunächst an 15 sogenannte Mother-NGOs, große gemeinnützige Organisationen, die es wiederum an 150 Grass-root-NGOs weiterleiten. Die betreiben jene 550 Präventationszentren, in denen 7000 Prostituierte als Teilzeit-Sozialarbeiter beschäftigt werden.

Solch eine Vielzahl von Projektpartnern lässt sich nur kontrollieren, weil die Stiftung bereits bei der Auswahl genau hinschaut: Die Seriosität potenzieller Grantees wird tief durchleuchtet, meist durch Wirtschaftsprüfer von KPMG. Bei der Fraunhofer-Gesellschaft fuhren die Prüfer eigens nach München und ließen sich die Original-Gründungsurkunde von 1949 zeigen.

5. Weniger Papierkrieg: Der Aufwand, den die Prüfer im Vorhinein treiben, macht sich anschließend bezahlt durch ein hohes Maß an Vertrauen, das die Stiftung in ihre Grantees setzen kann: Bei der Gates Foundation will niemand langatmige Rechenschaftsberichte lesen. Einmal im Jahr eine Zusammenfassung der Ergebnisse, das reicht.

Und wenn die Stiftungsmittel für eine Laborkraft statt für ein neues Mikroskop ausgegeben werden sollen, ist auch das kein großes Problem. Ungemütlich wird es jedoch, wenn die Grantees ihre bei Projektbeginn vereinbarten "Milestones" verfehlen. Für Fraunhofer-Forscher von Briesen heißt das zum Beispiel: Bis Mitte 2007 muss das Tiefkühl-Archiv bereit sein für die Einlagerung der ersten Virusproben.

Der lange Atem

Die Suche nach einem Aids-Impfstoff lässt sich wahrscheinlich kaum effizienter organisieren, als es die Gates-Stiftung vollbracht hat, und kaum eine andere Stiftung hätte die dazu nötigen Mittel und den langen Atem - über fünf Jahre investiert Gates immerhin knapp 300 Millionen Dollar.

Aber ist die Suche insgesamt eine effiziente Form der Hilfe - zumal Gates gleichzeitig auch noch nach Impfstoffen gegen Tuberkulose und Malaria fahnden lässt? Wäre es womöglich besser, würde Gates sein Geld stärker in Projekte zur Aids-Vorsorge und zur allgemeinen Verbesserung der Lebensumstände in den Entwicklungsländern investieren? Ja, meint die Gesundheitswissenschaftlerin Anne-Emanuelle Birn von der Universität Toronto: "Ich habe nichts gegen Impfstoffe, aber ich habe etwas gegen technische Lösungen in einem politischen und ökonomischen Vakuum."

Gates' Geld könnte nach Ansicht vieler Gesundheitsexperten mehr und vor allem berechenbarer Gutes bewirken, wenn es statt in die teure Impfstoffsuche in weniger spektakuläre, aber dafür erfolgversprechendere Projekte investiert würde. In Projekte, die auf die Lebenswirklichkeit der Dritten Welt abgestimmt sind. So wie in Lubomelo.

In dem Dorf im Norden Malawis, zehn Jeep-Stunden von Koche entfernt, hocken im Halbdunkel einer Hütte an die 50 Zuschauer, die Dorfältesten zur linken, die Großmütter in der Mitte, die Kinder versuchen von draußen durch die leeren Fensterhöhlen zu spähen.

Theaterzeit, eine willkommene Abwechslung in den ereignisarmen Regenmonaten. Die jungen Männer und Frauen aus dem Dorf spielen Sketche, die von Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft und dem richtigen Umgang mit Neugeborenen handeln. Die Laiendarsteller machen das sperrige Sujet rasch vergessen, sie chargieren und grimassieren, bis die ganze Hütte bebt vor Lachen. Eddie Murphy würde weiß vor Neid.

Geld bekommen die Schauspieler nicht, Stücke und Kostüme haben sie sich selbst ausgedacht. Das medizinische Wissen hat ihnen in Workshops ein weiteres Projekt von Save the Children nahe gebracht, ebenfalls finanziert von der Gates Foundation.

Ziel war es, die extrem hohe Sterblichkeit von Neugeborenen in Malawi durch die Vermittlung simpler Regeln zu senken: dass die Mutter zum Beispiel nach der Geburt ihr Baby an der Brust tragen sollte, anstatt es in eine Kiste zu legen; oder dass bei Komplikationen während der Schwangerschaft der Gang ins nahe Missionsspital mehr bringt als der übliche Besuch in der Hütte der Geistheilerin.

Board of Trustees

Die Theatergruppen sollen solche Botschaften in Dörfer wie Lubomelo tragen, in denen kaum jemand lesen kann und es weder Radio noch Fernsehen gibt. "Seit wir mehr über Schwangerschaft und Geburt erfahren haben, sind bei uns über 100 Kinder zur Welt gekommen", sagt stolz der beinahe zahnlose Dorfälteste Othaniel Tembo. "Von denen ist keines mehr gestorben." Kosten der Aufklärungskampagne im Norden Malawis: bescheidene 400.000 Dollar pro Jahr.

Jetzt überlegt Save the Children, ob sich auf demselben Weg auch vermitteln lässt, mit welchen verhältnismäßig einfachen Regeln aidsinfizierte Mütter verhindern können, dass sich ihre Kinder bei ihnen anstecken. Ein Projekt, das womöglich auch den kleinen Kazembe vor der Immunschwäche bewahrt hätte.

Es gibt einen simplen Grund dafür, dass die Gates Foundation so viel Geld in die Impfstoffsuche steckt und relativ wenig in die Vorsorge: Bill Gates will es so. "Wir glauben, dass Forschung und Technologie einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme dieser Welt leisten können", lautet einer seiner Glaubenssätze, und er bekennt: Die Impfstoffsuche sei für ihn so spannend wie die Entwicklung von Software. In der Welt des Bill Gates heißt das: sehr spannend.

Gates' Vorlieben und die Förderschwerpunkte seiner Stiftung liegen zwangsläufig nahe beieinander, denn die Gates Foundation ist etwa so basisdemokratisch wie der Generalstab von Nordkorea. Im höchsten Aufsichtsgremium, dem Board of Trustees, haben neben Bill lediglich seine Frau Melinda und sein Vater William Sitz und Stimme. Wahrscheinlich wird auch Warren Buffett ins Board of Trustees aufrücken - nachdem er sein milliardenschweres Eintrittsgeld gezahlt hat. Unabhängige Experten indes, wie sie in anderen Stiftungen die Aufsichtsgremien bestücken, dürfen die Gates Foundation lediglich auf unteren Ebenen beraten.

Einzig seine Frau akzeptiert Bill Gates als gleichberechtigten Partner. Neue Projektvorschläge werden den beiden meist in einem Konferenzraum im schmucklosen Stiftungshauptsitz in Seattle vorgetragen. Die beiden stellen dann Fragen, die von viel Detailwissen zeugen, doch entschieden wird nichts. Erst nach der Sitzung diskutieren Bill und Melinda Gates die Vorschläge untereinander. Die Entscheidung folgt einige Tage später per E-Mail.

Die Gates Foundation ist ein Abbild von Microsoft, nicht nur was die Effizienz im Management angeht, sondern auch in ihrer Fixierung auf den Gründer und seine Marotten. Wenn Gates wirklich einen Impfstoff gegen Aids, Malaria oder Tuberkulose findet, dann wird es sein wie bei jedem erfolgreichen Unternehmer: Niemand wird danach fragen, mit wie viel oder wie wenig innerer Demokratie er seinen Triumph erzielt hat.

Aber wenn Gates' Hightech-Strategie fehlschlägt, dann könnte es bald zu einer Debatte kommen, ob die größte Stiftung der Welt im Gegenzug zu ihrer Steuerbefreiung nicht stärkerer öffentlicher Kontrolle unterworfen werden müsste - so wie einst die Marktmacht von Microsoft.

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