Innovationen Schwächen im System

Technologieexperte Gerd Neumann analysiert in "Hiobs gute Botschaft" schonungslos, warum Deutschland als Standort für Hochtechnologie unter Druck steht. Zum Glück beschränkt er sich nicht auf das Schwarzmalen.

Erkenntniswert: Als selbstständiger Berater analysiert Gerd Neumann seit vielen Jahren die technologischen Entwicklungen am Standort D. Zu seinen Kunden gehören Ministerien, Parlamentsausschüsse und Parteien. Nun hat er seine Erkenntnisse über Ursachen und Auswirkungen der Strukturkrise der deutschen Wirtschaft zwischen zwei Buchdeckeln zusammengefasst.

Das deutsche Problem, macht Neumann klar, liegt so tief, dass es auch durch Konjunkturaufschwünge wie jetzt nicht verkleinert wird - was den ernsten Unterton des Buchs rechtfertigt. Neumann erklärt nicht nur, warum die Investitionen in Forschung und Entwicklung, in Erfindungen und Patente in Deutschland seit Jahren zurückgehen - und inzwischen den Fortbestand des Wirtschaftsstandortes Deutschland als Hochtechnologie-Nation dauerhaft gefährden. Er beschreibt auch, welche Rolle die Politik, die Finanzmärkte und die Medien in diesem unheilvollen Prozess spielen.

Zum Glück beschränkt sich Neumann nicht aufs Schwarzmalen. Seine Vorschläge zur Überwindung der Krise, wie die bessere Vernetzung innovativer Unternehmen auf regionaler Ebene, machen die ursprüngliche Hiobsbotschaft mit einem dialektischen Kniff zum Ansatzpunkt für Verbesserungsvorschläge.

Stil: Das Buch beginnt nüchtern, fast lehrbuchhaft mit einer Bestandsaufnahme der Grundelemente Technologie, Unternehmen, Kapital, Politik und Medien. Farbige Schaubilder und Infografiken veranschaulichen komplizierte Zusammenhänge. Gegen Ende erlaubt sich der Autor auch ironische Zuspitzungen - leider nicht immer mit der nötigen Trennschärfe zur sachlichen Kritik.

Nutzwert: Das Buch ist einerseits so paradox wie sein Titel: Es hat seine Stärken, wo es die Schwächen im gegenwärtigen System der Technologieentwicklung, des Einsatzes und der Vermarktung von Technologien benennt und analysiert. Es bietet an vielen Stellen überraschende Thesen und pfiffige Formulierungen. Etwas wirklichkeitsfremd wirkt Neumann hingegen, wenn er die Finanzmärkte dafür geißelt, dass sie hohe Renditen von den Unternehmen verlangten und damit Investitionen verhinderten.

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