Donnerstag, 20. Juni 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

Seltsame Transaktionen der Großaktionäre und Fehler im Management führten bei dem Erotikkonzern Beate Uhse zu einer gigantischen Kapitalvernichtung.

Das Schaufenster eröffnet den Blick auf eine schlüpfrige Welt: Strapse, Netzstrümpfe und Bodys, die mehr enthüllen als sie bedecken. Alles in Samt, Seide und Spitze, alles glamourös präsentiert - selbst der blaue Vibrator glänzt wie von Hand poliert.

Schlüpfrige Angelegenheit: Auslage eines Beate-Uhse-Geschäfts in Hamburg
Zwei junge Frauen drücken sich vor der Auslage herum, schließlich siegt die Neugier. Sie gehen hinein in die hell erleuchtete Boutique und bestaunen das frivole Angebot: Büstenhalter und Strings aus Bonbons, "Poppbier" für das süffige Davor, Nudeln in Penisform für das hungrige Danach. Dazwischen ein Gläschen mit "Chocolate Body Painting", für den Galan als Nutella-Ersatz.

Je tiefer die Ladys in den Laden vordringen, desto eindeutiger die Ware: plüschummantelte Fesseln, Masken, Liebeskugeln und immer wieder Dildos, mit Tigermuster oder in schlichtem Schwarz, groß oder riesengroß, mit oder ohne Motor - überall reckt sich der pralle Mannesersatz.

Verlegene Blicke, ein Kichern hinter vorgehaltener Hand, dann huschen die beiden zur Tür hinaus.

Schade, wieder keinen Umsatz gemacht. Der Flagshipstore an Hamburgs Bleichenbrücke, eine der besten Adressen der Stadt, kommt nicht in Fahrt.

Und das, obwohl die Beate Uhse AG Börsen-Chart zeigen (1500 Mitarbeiter, 285 Millionen Euro Umsatz) mit ihrer verruchten Tochter "Mae B." - ausgesprochen "maybe" - eine schlüssige Idee verfolgt: Das Softpornoangebot von Mae B. soll jene Frauen anziehen, die sich in einen normalen Sexshop nicht hineinwagen würden.

Bis zu 50 Mae-B.-Shops wollte Beate-Uhse-Chef Otto Christian Lindemann (48) eröffnen. Doch aus der vollmundigen Ankündigung von 2004 wurde nicht. 2005 gab es gerade mal vier Läden, heute sind es nur noch drei, und alle machen Verluste.

© manager magazin 12/2006
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