Mittwoch, 20. November 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

7. Teil: Die Vielfalt begrenzen

Verwunderlich nur, dass der Vorstandschef gerade auf das zweite Quartal so große Hoffnungen gesetzt hatte. Damit das Geschäft zur Fußballweltmeisterschaft im Juni und Juli richtig flutschte, legte er mit den Vibratoren "Olli K.", "Michael B." und "Lattenknaller" ein sportliches Sortiment auf. "Das Megaturnier wird unseren Umsatz in Deutschland deutlich beflügeln", schwärmte Lindemann im Mai. "Eine Fehleinschätzung", sagt er heute.

Dralle Plastikwelt: Eine Imagekampagne soll noch in diesem Jahr für Schwung sorgen - eine längst überfällige Maßnahme.
Zwangsläufig muss Lindemann seine Prognosen für 2006 zurücknehmen: "Das angekündigte Plus beim Umsatz von 5 Prozent und beim Gewinn von 4 Prozent werden wir nicht schaffen". Ein defekter Sprinkler, der das Auslieferungszentrum in Walsoorden (Holland) unter Wasser setzte, beeinträchtigte zu allem Überfluss das Weihnachtsgeschäft. Ende Dezember sah sich der Konzern zu einer Gewinn- und Umsatzwarnung veranlasst.

Für neuen Schwung soll eine Imagekampagne in diesem Jahr sorgen - eine Maßnahme, die längst überfällig ist. Zwei Drittel der Erlöse kommen aus dem Ausland, doch außerhalb Deutschlands kennt kaum jemand Beate Uhse. Wie auch? Weniger als 20 Prozent seiner mehr als 20.000 Produkte bietet der Konzern, der selbst nichts herstellt, sondern alle Waren zukauft, unter dem Namen Beate Uhse an. Der Rest läuft unter Tochtermarken wie Pabo, Dr. Müller, Christine le Duc oder Mae B.

Lindemann will die Vielfalt der Labels künftig begrenzen, er will den Bereich Entertainment stärken und gleichzeitig die Präsenz von Beate Uhse in Europa deutlich ausbauen. Noch im Januar 2007 soll ein Flagshipstore im Herzen Münchens eröffnet werden, weitere Sexshops sind in Polen, Ungarn und Italien geplant.

Schöne Konzepte. Aber wird Lindemanns Kompagnon Cok, der von Holland aus die Gruppe weitgehend steuert, auch wirklich bei der Umsetzung helfen?

Und wie verhält sich der Aufsichtsratsvorsitzende und Großaktionär Rotermund? Will er seine Beate-Uhse-Anteile halten oder sie - wie kolportiert wird - doch an institutionelle Investoren abgeben?

Seit dem Börsengang 1999 hat Rotermund mehrfach seine Anteile hin- und hergeschoben. Gewonnen hat er mit seinem Monopoly-Spiel nichts. Im Gegenteil, er hat nur verloren - und mit ihm alle anderen Aktionäre: Einst lag der Marktwert von Beate Uhse bei mehr als einer Milliarde Euro. Heute sind es noch rund 220 Millionen.

© manager magazin 12/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung