Donnerstag, 27. Juni 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

6. Teil: Ausbleibende Kundschaft

Allerdings brachten die Geschäfte des Duos nicht immer nur Freude. So ermittelte die Hamburger Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Kapitalvernichtung bei der Beteiligungsgesellschaft Capital Stage Börsen-Chart zeigen unter anderem gegen Orthmann und Rotermund wegen des Verdachts auf Betrug. Beide Verfahren wurden 2005 eingestellt, weil es keinerlei Anhaltspunkte für ein Vergehen gab. Gleichwohl trugen die jahrelangen Nachforschungen vermutlich nicht zu einer Verbesserung des Images von Beate Uhse und deren Aktienkurs bei.

"Nicht viel zu sagen": Beate-Uhse-Vorsteher Lindemann
Richtig Ärger verursachten schließlich die Vorgänge um den Schweizer Filmrechtehändler Erotic Media Börsen-Chart zeigen. 38 Prozent der Aktien des Unternehmens hielt Anfang 2004 die Orthmann AG von Rotermund und Orthmann. Weitere 27 Prozent der Erotic-Media-Papiere lagen bei Beate Uhse. Im Sommer 2004 übernahmen die Flensburger zusätzliche Erotic-Media-Aktien und verkündeten bald darauf, dass sie das gesamte Paket an die Schweizer Firma Almira abtreten würden.

Der Kurs von Beate Uhse zog nach der Ad-hoc-Meldung an. Doch die Anleger hatten sich zu früh gefreut. Im März 2005 hieß es, der Deal komme doch nicht zustande. Angeblich konnte Almira das Geschäft nicht finanzieren.

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Woran der Verkauf der Erotic-Media-Papiere tatsächlich gescheitert ist, bleibt im Dunkeln. Orthmann sagt, er wisse nicht, warum der Deal geplatzt sei. Lindemann verriet während der Hauptversammlung 2005 nur so viel: "Herr Orthmann hat sich maßgeblich mit um die Angelegenheit gekümmert." Und er räumt ein, dass die Sache "unter Corporate-Governance-Aspekten nicht optimal gelaufen ist". Eine Einschätzung, die viele Beobachter teilen, zumal Rotermund in Personalunion Großaktionär von Beate Uhse und Verwaltungsratschef von Erotic Media ist.

Durch das Erotic-Media-Debakel hat Beate Uhse erneut an Vertrauen verloren; der Kurs stürzte im Frühjahr 2005 ein weiteres Mal ab. Obendrein war Lindemann gekniffen, denn er hätte den erhofften Buchgewinn von 70 Millionen Euro für den Ausbau der operativen Einheiten gebrauchen können.

Zu allem Unglück bleibt nun auch noch die Kundschaft aus. Im ersten Halbjahr 2006 schrumpften die Erlöse von Beate Uhse um 4,5 Prozent, das Vorsteuerergebnis sank um 36 Prozent. Für die schlechten Zahlen macht Lindemann "den heißen Sommer" und das in der Branche generell schwache zweite Quartal verantwortlich.

© manager magazin 12/2006
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