Dienstag, 23. Juli 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

5. Teil: "Strategische Differenzen"

Unumwunden gibt der langjährige Oberkontrolleur zu: "Ich hätte gern den Vorstand ausgewechselt." Ein Insider präzisiert: "Mit Lindemann kam Orthmann einigermaßen zurecht, denn der hat ja nicht viel zu sagen. Aber zwischen Cok und Orthmann gab es ein ständiges Hauen und Stechen."

Wird geschützt: Gerard Cok, Chief Operating Officer und Großaktionär von Beate Uhse
Dass Cok noch immer im Amt ist, hat er Ulrich Rotermund (57) zu verdanken. Der Sohn der Sexpionierin hielt laut Orthmann aufgrund interner Vereinbarungen den weitaus größeren Bestand an Beate-Uhse-Anteilen. Daher konnte Orthmann gegen seinen Kompagnon wenig ausrichten. "Herrn Coks Verbleib im Unternehmen und strategische Differenzen mit Herrn Rotermund sind die Gründe für mein Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat von Beate Uhse", sagt Orthmann. Seine Nachfolge trat im April 2005 Rotermund an, der bis dahin stellvertretender Vorsitzender des obersten Kontrollgremiums war.

Schützt Rotermund den Chief Operating Officer Cok, weil der über die mehrheitlich seiner Familie gehörende Firma Consipio Zugriff auf rund 20 Prozent der Beate-Uhse-Aktien hat und befürchtet werden muss, dass er bei einem Rauswurf seine Papiere verkauft? Orthmann wollte sich gegenüber manager magazin nicht erklären, und Rotermund stand für ein Gespräch nicht zur Verfügung.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, weshalb Rotermund und Orthmann ihren Stimmenpool auflösten. Über Jahre hatten sie ihre Anteile an Beate Uhse in der Orthmann AG gemeinsam verwaltet. Im Januar 2006 separierten sie ihren Besitz und brachten ihn in eigenständige Gesellschaften ein.

Einst bildeten die beiden sowohl privat als auch geschäftlich ein Team. Orthmann hatte der Familie Rotermund in den 90er Jahren vor allem mit steuerbegünstigten Immobilien ein auskömmliches Zubrot beschert. Die Anlagekünste seines Freundes beeindruckten Rotermund. Bereitwillig folgte er dessen Spuren und kaufte sich in ein ganzes Geflecht von Firmen ein - mal gemeinsam mit Orthmann, mal getrennt.

Viele der mannigfaltigen Geschäftsbeziehungen ließen sich von außen nur schwer durchschauen. Es gibt indes auch Fälle, die sauber dokumentiert waren - wie etwa dieser: Rotermund, Orthmann und Cok waren über Zwischengesellschaften bei einer niederländischen Immobilienfirma engagiert, die das Logistikzentrum in Almere an eine Tochter von Beate Uhse vermietete und damit gutes Geld verdiente.

© manager magazin 12/2006
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