Donnerstag, 20. Juni 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

4. Teil: Uhses Hollandisierung

Die Hollandisierung von Beate Uhse und die damit einhergehenden Machtkämpfe im Management waren dem Unternehmen nicht zuträglich. Zum Beispiel brach das Geschäft mit Filmen und Internetpornos nach diversen Führungswechseln regelrecht ein. Im Jahr 2000 schrieb der Bereich Entertainment einen Umsatz von 39 Millionen Euro. 2005 waren es noch 19,3 Millionen Euro.

Männerbünde: Die Schlüsselfiguren im Beate-Uhse-Konzern
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Männerbünde: Die Schlüsselfiguren im Beate-Uhse-Konzern
Das Abdriften der Entertainmentsparte, die einst als Hoffnungsträger von Beate Uhse galt, hat Cok viel Ärger mit dem Aufsichtsrat eingebracht - leitet er doch im zweiköpfigen Vorstand das gesamte operative Geschäft. Lindemann verantwortet nur die Finanzen und die Kommunikation. "Das ist der teuerste PR-Sprecher der Branche", höhnt ein Konkurrent.

Teuer? Na ja, alles ist relativ. Bis vor drei Jahren steckten gerade mal 180.000 Euro in Lindemanns Lohntüte. Das Sümmchen erregte sogar das Mitleid von Dieter Wroblewski. Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte während einer Hauptversammlung, das Gehalt des Beate-Uhse-Chefs zu erhöhen. Sein ungewöhnlicher Vorstoß hatte Erfolg. 2003 nahm Lindemann 233.000 Euro mit nach Hause.

Die bescheidene Bezahlung des Vorstands (Cok bezieht überhaupt kein Gehalt, sondern lediglich ein Beraterhonorar) wirft auch ein Licht auf die Wertschätzung der Anteilseigner gegenüber ihren Sachwaltern.

Richard Orthmann (53), ehemaliger Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender von Beate Uhse, hält mit seiner Unzufriedenheit über das Spitzenpersonal nicht hinter dem Berg. Es seien permanent Projekte angekündigt und dann von den beiden Vorständen nicht richtig umgesetzt worden, klagt Orthmann.

Wenn er nur an den misslungenen Auftritt von Mae B. denke: Eigentlich war eine Kette von eleganten Läden mit reizender Unterwäsche und erotischem Spielzeug geplant. "Stattdessen", echauffiert sich Orthmann, "sind die Shops in die Pornoecke abgerutscht, was die Frauen nur anwidert."

Er redet sich richtig in Rage, wenn er an die Zeit von 1999 bis 2005 zurückdenkt, in der er dem Kontrollgremium angehörte: "Ich habe jahrelang versucht, dem Management einzubläuen, dass man die Marke Beate Uhse auf Lifestyle trimmen muss. Und auch den Filmbereich hätten wir ausbauen müssen. Aber die haben alles verschlafen."

© manager magazin 12/2006
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