Was macht eigentlich Klaus Luft?

Seine Liebe zur Technik hat Klaus Luft auch in den Jahren nach Nixdorf nicht verloren. In seinem Versandhaus für edle Geschenkartikel bringt der einstige Topmanager schon mal die bockigsten Rechner zur Räson.

Die Manschettenknöpfe fallen als Erstes ins Auge. Die Ärmelzier von Klaus Luft (65) besteht aus gefassten Indianerpennys aus den USA.

Ausgefallenen, exklusiven Dingen aus aller Welt gilt heute die Leidenschaft des ehemaligen Vorstandschefs von Nixdorf. Der einstige Topmanager betreibt in Gut Keferloh bei München einen Internetversand für edle Geschenkartikel. Seine Firma Artedona beglückt Wohlhabende mit Manufakturporzellan, handgeschliffenem Glas, feinsten Kaschmirdecken oder ledergebundenen Notizbüchern.

Seiner alten Technikliebe bleibt Luft dennoch treu. In seinem Versandhaus bringt er schon mal eigenhändig bockige Rechner zur Räson. Und am meisten interessiert ihn am Kataloggeschäft, wie sich "Technik für außergewöhnlichen Service nutzen lässt".

Mit Verve verteidigt Luft deshalb auch den PC-Direktverkäufer Dell , dessen Aufsichtsrat er angehört. "Weil Dell all seine Kunden kennt, ging der Austausch der schadhaften Batterien reibunglos über die Bühne", verkehrt er elegant den größten Flop in der Geschichte der Texaner zum Vorteil.

Immer das Positive sehen - das scheint überhaupt Lufts Devise zu sein. Keine andere Kommission habe das Reformdenken in Deutschland so angeregt wie die Hartz-Truppe, der er 2002 angehörte.

Richtig in Rage kann sich der gepflegte Gentleman reden, wenn er über die Eigenschaft der Deutschen schimpft, "alles bis ins letzte Schräubchen zu regeln und nichts Neues, Unkonventionelles zu wagen".

Wachstum statt Verteilungskampf

Leidenschaftlich plädiert der Unternehmer für Wachstum statt Verteilungskampf. "Warum kann eine Familie die Kinderfrau nicht ganz von der Steuer absetzen?", fragt er. Durch solch schlechte Gesetze gingen doch gleich zwei Jobs verloren - der der Mutter, die zu Hause bleibt, und der der Haushaltshilfe.

Politisch engagiert sich Luft nach der Hartz-Erfahrung dennoch nicht mehr. Lieber unterstützt er mit seiner Klaus Luft Stiftung Studenten, derzeit 40 junge Leute überwiegend aus dem Ausland. Eine Ausstellung von Künstlern aus Estland förderte die Stiftung auch schon, Luft fungiert als estnischer Honorarkonsul.

Fast wie nebenbei erwähnt Luft noch seinen Job bei der Investmentbank Goldman Sachs , die er etwa bei der Privatisierung der Telekom unterstützte. Seit Mai dieses Jahres dient er zudem der französischen Versicherung AGF als Aufsichtsrat. Beim Mittelständler ASB Grünland aus Ludwigsburg interessiert er sich als Beirat für Blumenerde und Torf.

Dem üblichen Wahn ehemaligen Führungspersonals, sich überzubeschäftigen, hängt Luft nach eigener Einschätzung jedoch nicht an. Ihm bleibe genügend Zeit zum Wandern und Skifahren rund um seine Ferienwohnung im schweizerischen Klosters.


Zur Person

Bekannt wurde Klaus Luft (65) durch seine Karriere beim Computerhersteller Nixdorf, wo er 1967 als Vertriebschef für Süddeutschland begann.

Im März 1986 übernahm er die Nachfolge des Hightech-Pioniers Heinz Nixdorf, der kurz vor seinem 61. Geburtstag an Herzversagen gestorben war.

Unter der Führung des Vertriebsprofis wuchs der Rechnerproduzent Nixdorf zunächst noch kräftig, stürzte dann aber 1989 tief in die roten Zahlen. Im November trat Luft zurück. Der Konzern wurde 1990 von Siemens  übernommen.

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