Freitag, 15. November 2019

SEB Mit eiserner Hand

4. Teil: Deutschland-Feldzug

Dann geht alles doch viel schneller. Ende August wird bekannt, dass Boheman als Leiter des Vermögensmanagements in die Konzernleitung nach Schweden zurückkehrt. Sein Nachfolger als Vorstandschef der deutschen SEB AG ist seit dem 1. Oktober Ex-Citibanker Buschbeck.

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Ab 1. Januar 2007 wird im Zuge einer Straffung der gesamten Konzernstruktur dann das hiesige Privatkundengeschäft zusammen mit den Retail-Aktivitäten in Schweden, Estland, Lettland und Litauen unter Leitung von Bo Magnusson (44) von Stockholm aus geführt. Auch bei den Verwaltungs- und Querschnittseinheiten wird die Zentrale gestärkt.

Spätestens seit ihrem Deutschland-Feldzug wissen die SEB-Manager, wie Falkengren arbeitet. Sie studiert intensiv die Zahlen, sie fordert schnelle Ergebnisse, und wer die nicht liefern kann, ist draußen. So leicht die Konzernchefin von jedem der rund 20.000 SEB-Mitarbeiter per Mail und oft auch direkt per Telefon zu erreichen ist, so knallhart entscheidet sie ab einem gewissen Punkt allein. "Ich halte viel von Teamarbeit", sagt sie, "aber ich glaube nicht an kollektive Verantwortung und Entscheidung."

Strategische Fehler einzugestehen und notfalls durch tiefe Einschnitte zu korrigieren bereitet Annika Falkengren keine Probleme. Nichts stört sie mehr als unterdurchschnittliche Renditen. Sie denkt ergebnisorientiert. Für die SEB-Mitarbeiter heißt das vor allem eines: Kosten schrubben. Energischer als ihr Vorgänger drängt die neue Chefin auf höhere Profite: "Wir generieren solch einen fantastischen Umsatz. Warum bleibt unter dem Strich so wenig übrig?"

Kritiker halten diese Fixierung auf Kennzahlen wie die Eigenkapitalrendite für Falkengrens größtes Manko. "Sie schaut zu sehr auf die Kosten und zögert bei Investitionen, selbst wenn sie nötig sind", nörgelt ein ehemaliger SEB-Mann. So sei die Konzernchefin in Deutschland erst nach langem Zaudern bereit gewesen, Geld für den Ausbau des Privatkundengeschäfts zu bewilligen - und es sei immer noch viel zu wenig, meinen Marktkenner.

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Tatsächlich entschuldigt sich Annika Falkengren vor Analysten regelrecht dafür, dass die Ausgaben der Bank dieses Jahr leicht gestiegen sind - obwohl das vor allem auf steigende Boni der Mitarbeiter wegen des brummenden Investmentbankings zurückzuführen ist.

Doch sie steht zu ihrer vorsichtigen Haltung. "Die Bank ist in den letzten Jahren stark gewachsen, vor allem durch Zukäufe. Jetzt müssen wir sie zu einer profitablen Einheit schmieden." Wer Visionen hören will, bekommt Bodenständiges geliefert: Die "profitabelste Bank" in Nordeuropa wolle sie schaffen, mit den "zufriedensten Kunden".

Aufsichtsratschef Marcus Wallenberg (50) weiß sie auf jeden Fall an ihrer Seite. Der gelernte Investmentbanker, ein Wallenberg der fünften Generation, hat sein Büro direkt neben dem der Bankchefin. Die enge Verbindung zur SEB hat Tradition bei Schwedens einflussreichster Familie - der Stammsitz der Wallenberg-Holding Investor Börsen-Chart zeigen in der Arsenalsgatan ist nur wenige Meter vom Bankhaus entfernt und über einen unterirdischen Gang mit der SEB-Zentrale verbunden.

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