Mittwoch, 26. Juni 2019

SEB Mit eiserner Hand

3. Teil: Öffentliches Ultimatum

Doch sie will den Spitzenjob unbedingt. Spätestens im Laufe des Jahres 2004 wird klar: Annika Falkengren, mittlerweile doch noch frisch verheiratet und Mutter einer Tochter, wird SEB-Vormann Lars Thunell (58), der Ende 2005 zur Washingtoner Weltbank wechselt, an der Spitze ablösen. Thunell hatte die Leitung der Bank 1997 übernommen und die SEB zu einem der führenden Geldhäuser Nordeuropas ausgebaut. Der eigenwillige Frontmann verhöhnt das konservative Mittelmanagement der Wallenberg-Bank in Anspielung auf den dauergefrorenen Boden der Tundra als "Permafrost" und sucht Manager mit neuen Ideen. Er wird zu Falkengrens wichtigstem Mentor.

Gute Gewinne
Die SEB-Gruppe im Profil

Profit: Mit einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von 20 Prozent ist die schwedische Großbank auch im weltweiten Vergleich blendend aufgestellt. Bankchefin Falkengren will die Profitabilität der nach Bilanzsumme drittgrößten skandinavischen Bank weiter verbessern.

Prunkstück: Kern der Wallenberg-Bank ist das internationale Firmenkunden- und Investmentbanking-Segment. Zum operativen Gewinn 2006 (im ersten Halbjahr rund 800 Millionen Euro) trug diese Sparte etwa die Hälfte bei.

Sorgenkind: Das deutsche Privatkundengeschäft der SEB ist ertragsschwach. Ab dem 1. Januar 2007 wird es zusammen mit den Retail-Aktivitäten in Schweden, Estland, Lettland und Litauen zentral von Stockholm aus geführt.
Einige Monate teilt sich die designierte Chefin schließlich sogar das Büro mit dem Vorgänger - gemeinsam residieren sie im Vorstandszimmer, von dem aus Generationen von Wallenbergs die Geschicke der Bank lenkten.

Inzwischen hat sie den Raum wieder für sich. Die Stühle haben frische, knallrote Bezüge bekommen, Fotos ihrer Tochter stehen auf dem Regal. Ansonsten ist scheinbar alles geblieben, wie es war. Der große Kachelofen, die Windjammer-Parade in Öl an den holzgetäfelten Wänden, das Ticken der Wanduhr.

Sehr beschaulich, fast museal - und damit das Gegenteil ihres Führungsstils. Wie sie wirklich arbeitet, hat als Erster der deutsche SEB-Ableger zu spüren bekommen.

Im Jahr 2000 hatte sich Falkenbergs Vorgänger Lars Thunell entschieden, die damalige BfG Bank zu kaufen. Eine Investition, mit der die Schweden nie glücklich wurden, "etwas, was sie nicht wiederholen würden", wie ein ehemaliger SEB-Manager sagt. Zu klein ist der Marktanteil der ehemaligen Gewerkschaftsbank, zu hart umkämpft das Privatkundengeschäft in Deutschland. In Schweden fährt die SEB eine glänzende Eigenkapitalrendite von bis zu 20 Prozent - nach Steuern - ein. In Deutschland sind es lange Zeit deutlich unter 10 Prozent.

Die designierte Chefin entschließt sich zu handeln. Noch bevor sie offiziell CEO wird, muss der für das siechende Retailgeschäft zuständige Deutschland-Chef Thomas Altenhain (50) gehen. "Sie glaubte nicht an ihn", sagt ein ehemaliger SEB-Manager. Mit Altenhain verlässt auch Finanzchef Jan Lindberg Anfang 2005 den deutschen SEB-Ableger.

Als neuen Vormann in Frankfurt installiert Annika Falkengren den Schweden Fredrik Boheman (50); kurz darauf holt sie den Citibank-Manager Peter Buschbeck (44) für das Filialgeschäft. "Ich bin sicher, dass dieses neue Team viel bewegen wird", gibt sie ihrer Truppe Vorschusslorbeeren. Doch gleichzeitig erhöht sie den Druck: Anfang 2006, nach ihrem offiziellen Antritt, stellt Annika Falkengren der deutschen Tochter öffentlich ein Ultimatum. Zwei Jahre hätten die neuen Manager Zeit, um das Filialgeschäft nachhaltig profitabel zu machen.

© manager magazin 9/2006
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