Freitag, 15. November 2019

SEB Mit eiserner Hand

2. Teil: Direkt und nicht konfliktscheu

Offen, direkt und überhaupt nicht konfliktscheu - so hat sie es zur wohl einflussreichsten Frau der schwedischen Wirtschaft gebracht. Zu einer der erfolgreichsten Bankerinnen Europas, zur einzigen Frau, die es ohne familiäre Verbindungen an die Spitze eines renommierten Instituts geschafft hat. Denn anders als Ana Botin, Chefin der spanischen Bank Banesto und Tochter des mächtigen Banco-Santander-Chefs Emilio Botin, musste sich Annika Falkengren von ganz unten hocharbeiten. Ihr Beispiel zeigt, unter welchen Bedingungen eine Frau in Europa bei einem Konzern ganz nach oben kommen kann.

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Als Annika Falkengren 1987 als Trainee bei der SEB anfängt, ist sie 25 Jahre alt. Die studierte Volkswirtin heißt damals Bolin und ist, anders als viele ihrer Kollegen in der blaublütigen Wallenberg-Bank, kein Mitglied der schwedischen High Society, sondern stammt aus der bürgerlichen Mittelschicht. Aber sie ist bereits damals extrem ehrgeizig, dazu unverheiratet und kinderlos. Für die nächsten Jahre sollte das so bleiben. "Weil ich keine Familie hatte, bis ich 40 war, konnte ich mich voll auf die Arbeit konzentieren", sagt sie heute.

Von einem Topmanager der Bank erhält sie den Rat, eine Position mit Ergebnisverantwortung anzustreben. Annika entscheidet sich für die Handelsabteilung. Der Milliardenpoker an den Börsen fasziniert sie. Jeden Tag trifft sie Entscheidungen, die sofort Auswirkungen auf den Firmengewinn haben.

Verantwortung zu übernehmen liegt ihr. Bald ist sie Leiterin des Rentenhandels, dann der gesamten Handelsabteilung. Die Vorgesetzten erkennen ihr Potenzial. Ende der 90er schickt die Bank Annika Bolin zur "Ruter Dam"-Organisation, einer Art Eliteausbildung für weibliche Topmanager. Ihr dortiger Mentor Lars Westerberg (58), Vorstandschef des schwedischen Autozulieferers Autoliv Börsen-Chart zeigen, ist noch heute beeindruckt von den Fähigkeiten seines Schützlings: "Sie denkt genauso schnell, wie sie redet. Es war schon damals absehbar, dass sie ganz nach oben kommen würde."

Tatsächlich übernimmt Annika Bolin 2000 das komplette Firmenkundengeschäft der SEB, inklusive des prestigeträchtigen Investmentbankings. Diese Abteilung, "Merchant Banking" genannt, ist das Herz der Wallenberg-Bank. Hier entsteht rund die Hälfte des gesamten Gewinns. Wer diese Division führt, hat Macht.

Und wird blendend bezahlt. Dank üppiger Bonuszahlungen liegt ihr Gehalt als Bereichschefin deutlich über ihren heutigen Bezügen. Als CEO und öffentliches Aushängeschild der Bank verdient sie im egalitären Schweden nur noch rund eine Million Euro im Jahr.

© manager magazin 9/2006
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