Mittwoch, 24. Juli 2019

Andere machen es besser Katze schlägt Goldbären

Ausgerechnet Haribos Erzrivale Katjes hat die Nachfolge erfolgreich gemanagt.

Baby: Als Katjes-Mitarbeiter lohnt es sich, Kinder in die Welt zu setzen. Junge Eltern erhalten von dem Zuckerwarenhersteller pro Neugeborenes einen "Baby-Scheck" über 1500 Euro als Starthilfe.

Leckermäulchen: Heidi Klum kostet ein Katjes-Produkt
Die Familie wird bei Katjes seit jeher großgeschrieben. Das gilt für Mitarbeiter ebenso wie für das Management. So hat Firmengründer Klaus Fassin jenes Kunststück vollbracht, das seinem Erzrivalen Hans Riegel von Haribo nicht gelingen will: die erfolgreiche Stabübergabe innerhalb des Clans.

Ausgerechnet Katjes: Ständig liegen die Bonbonkocher aus Emmerich am Niederrhein im Clinch mit dem großen Rivalen aus Bonn. Mal zanken sich die Unternehmen um die Marke Yoghurt-Gums, mal ringen sie um die Angabe von Marktanteilen bei Lakritzen.

Dabei ist Katjes mit einem Umsatz von 189,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr viel kleiner als Haribo (1,4 Milliarden Euro). Doch bei der Nachfolgeregelung triumphiert die Katze über den sonst so starken Goldbären.

Grundsteinlegung: (v.l.n.r.) Geschäftsführer Tobias Bachmüller, Gründer Klaus Fassin und Erbe Bastian Fassin stoßen im März 2006 mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) auf ein neues Katjes-Bonbonwerk in Potsdam an
Student: Firmengründer Fassin hatte sich selbst eine Altersgrenze von 65 Jahren gesetzt. Als die 1996 erreicht war, gab es ein Problem: Sohn Bastian hatte gerade das BWL-Studium begonnen. "Zu jung", entschied sein Vater.

Und so machte sich der Senior auf die Suche nach einem externen Manager. Das war dringend nötig, denn Fassin selbst konnte die Probleme nicht mehr allein lösen. Er brauchte unbedingt einen erfahrenen Markenmann, der Katjes neuen Schwung verleihen konnte.

Den fand er in Tobias Bachmüller (48), der damals bei Kraft Jacobs Suchard die Schokoprodukte von Milka verantwortete. Fassin warb Bachmüller ab, beteiligte ihn mit 10 Prozent an Katjes und überließ ihm die Führung. Ein riskantes Manöver. Sohn Bastian hätte beleidigt reagieren können. Doch Fassins Plan ging auf. Während der neue Fremdchef Katjes auf Wachstum trimmte, sammelte der Junior Berufserfahrung bei Roland Berger und Kraft Foods.

Manager: 2004 schließlich rückte Bastian Fassin in die Geschäftsführung auf. Seither lenkt er das Unternehmen gemeinsam mit Bachmüller und kümmert sich um den Export. Zuvor musste sich der heute 33-Jährige allerdings einer Prüfung durch den Beirat stellen. Klaus Fassin hat unterdessen nicht nur im operativen Geschäft die Kontrolle abgegeben. Der Sohn hat von ihm auch die Mehrheit der Anteile übernommen. Die Richtung ist daher klar: Katjes ist und bleibt ein Familienunternehmen.

© manager magazin 9/2006
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