Montag, 21. Oktober 2019

Schlagwörter 2.0 Von Blog bis Tag

Das Glossar zum Web-Boom

Blog: Kurzform für Weblog. Ein im Internet geführtes Tagebuch, dessen Einträge von anderen Nutzern gelesen und kommentiert werden können. Weltweit gibt es über 50 Millionen Blogs. Sie werden meist von mitteilungsbedürftigen Amateuren geführt, den Bloggern. Populärstes Angebot in Deutschland: Bildblog.de, das Fehler in den aktuellen Ausgaben der "Bild"-Zeitung aufdeckt.

Unter der Lupe: Fünf Schlagwörter zum Web-Boom
[M]: DPA; mm.de
Unter der Lupe: Fünf Schlagwörter zum Web-Boom
Communities: Vor allem Jugendliche tummeln sich inzwischen stundenlang in Online-Gemeinschaften wie MySpace.com oder Facebook.com. Weil sich die Jugend gleichzeitig durch klassische Werbung immer schwerer erreichen lässt, gelten solche Communities als begehrte Werbeträger.

RSS: Softwarestandard, mit dessen Hilfe sich Inhalte anderer Internetangebote unkompliziert in die eigene Website integrieren lassen. RSS bildet die technische Grundlage für die blühende Blog- und Community-Kultur. Dort ist es üblich, selbst erstellte Inhalte mit fremden Texten, Bildern, Audio- oder Videoclips zu mischen.

Tag: Wichtigste Navigationshilfe im Web 2.0. In Blogs und Communities werden Inhalte vom Urheber mit selbst gewählten Schlagwörtern versehen, den Tags. So können andere Nutzer zum Beispiel in der Foto-Community Flickr nach Fotos mit einem bestimmten Motiv suchen.

Web 2.0: Oberbegriff für eine neue Generation von Internetangeboten, die nicht zentral erstellt werden, sondern dezentral von den Nutzern selbst - etwa in Form von Communities. Ebay wird häufig als erstes Web-2.0-Angebot bezeichnet.

Web 2.0 International: Die Mitmach-Plattformen
MySpace.com ist die populärste unter den Community-Plattformen, mit über 90 Millionen registrierten Nutzern. Wie auch Facebook.com, Xanga.com oder Friendster.com bietet MySpace den Nutzern die Möglichkeit, Profilseiten anzulegen und mit Bildern und Videos zu dekorieren, Musik und Text auf die Seite zu stellen und ihre persönliche Profilseite mit der von Freunden und Bekannten zu verknüpfen. MySpace ist sehr beliebt bei Nachwuchsmusikern und verhalf auch den britischen Arctic Monkeys zu ungeahntem Erfolg. In die Kritik geriet das Angebot, weil es von Pädophilen genutzt wurde, um Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen.
Flickr.com ist eine Foto-Community. Nutzer können Bilder einstellen, mit Schlagworten ("Tags") versehen und Pools für bestimmte Themen einrichten. Im Zusammenhang mit Ereignissen wie den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn oder dem Hurrikan "Katrina" wurde Flickr auch zu einem Paradebeispiel für den sogenannten Citizen Journalism: Schnell entstanden Bildersammlungen von Privatleuten, die das Geschehen dokumentierten.
YouTube.com lässt Nutzer Videos online stellen. Wie bei Flickr und ähnlichen Angeboten können andere Eingestelltes kommentieren und bewerten. Mit einem speziellen Werkzeug kann man YouTube-Videos auch auf seiner eigenen Webseite einbinden. Vergleichbare Dienste gibt es inzwischen zuhauf, Beispiele sind Metacafe.com, Vimeo.com und ClipShack.com. Auch Googles Videodienst funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Putfile.com ist ein genereller Upload-Service für Videos, Audio- und Bilddateien. Weiter gehen Angebote wie Eyespot.com und Jumpcut.com - dort können die Nutzer eingestellte Videos auch bearbeiten, zusammenschneiden und nachvertonen.
Eine Art Online-Bookmark-Sammlung mit Community-Eigenschaften. Bei Del.icio.us kann jeder angemeldete Nutzer Webadressen speichern, sie mit Schlagworten ("Tags") versehen und so anderen Benutzern zugänglich machen. Verwandte Sites lassen sich so gruppieren, User mit ähnlichen Interessen können einander auf Interessantes hinweisen. Für Firefox-Benutzer gibt es sogar ein Browser-Plug-in, das den Zugriff auf die Onlinelinksammlung in die Navigationsleiste integriert.

Speziell auf Technologienachrichten spezialisiert ist digg.com. Die Selbstbeschreibung des Angebots spricht von "nicht-hierarchischer redaktioneller Kontrolle": Indem Nutzer eingestellte Nachrichten bewerten, entscheiden sie mit über die Platzierung einer bei digg.com verlinkten Meldung auf der Seite.
Technorati.com ist die Mutter aller Blog-Suchmaschinen. Sie katalogisiert Weblogs, Blogeinträge können wiederum mit Schlagworten ("Tags") versehen und so zusammengefasst oder effektiver durchsucht werden. Technorati beurteilt Blogs auch nach Bedeutsamkeit und Glaubwürdigkeit - Suchergebnisse können entweder danach oder nach dem Erscheinungsdatum sortiert werden. Durch die Hitliste der häufigsten Suchbegriffe ist Technorati auch zu einer Art Seismograf für die heiß debattierten Themen der Blogosphäre geworden. Eine Blog-Suche bietet auch Google an (Google Blog Search) - mit weniger aufwendiger Funktionalität, aber teilweise anderen Ergebnissen.
MashUps sind Internetseiten, die durch das Vermischen, Verknüpfen oder neu Konfigurieren vorhandener Inhalte entstehen. Häufig werden beispielsweise Ortsinformationen aus Google Maps mit anderen Inhalten, etwa Lexikon- oder Branchenbucheinträgen verknüpft. Auch Flickr und del.icio.us sind beliebte MashUp-Zutaten. Viele Web-Unternehmen stellen Hobbyentwicklern für solche Projekte sogar ihre "application programming interfaces" (APIs) zur Verfügung.
Blogs oder Weblogs sind Internettagebücher. Sie basieren auf einer Software, die es erlaubt, Texte mit wenig Aufwand online zu stellen und Leser Artikel kommentieren zu lassen. Weblogs sind teilweise schlicht private Aufzeichnungen für den Freundeskreis, zum Teil aber durchaus ambitionierte Publikationsprojekte, die von den Betreibern als alternative journalistische oder literarische Form verstanden werden. Besonders themenspezifische Blogs können durch eingeblendete Werbung durchaus lukrativ sein. Es gibt auch organisierte Blogger-Verbände, die Zuliefererverträge mit Zeitungen und Nachrichtenagenturen haben.

© manager magazin 7/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung