E-Commerce Gemeinsame Sprache

Wie sich Kunden und Lieferanten besser verstehen
Von Benedikt Fehr

Ein mittelgroßes Unternehmen wie die Flughafen Frankfurt AG arbeitet mit 2500 Lieferanten zusammen. Der Siemens-Konzern hat sogar 220.000 Zulieferer. Und jeder von ihnen preist seine Waren in umfangreichen Katalogen an.

Für den elektronischen Einkauf müssen diese Kataloge digitalisiert werden. Dies tun viele Zulieferer bereits aber jeder auf seine Weise. Ein allgemein akzeptierter Standard für elektronische Artikelkataloge fehlt bislang.

Das Online-Zusammenspiel von Lieferanten und Einkäufern kann mithin nur funktionieren, wenn sie sich über das Datenformat einigen: Entweder muss der Lieferant seine Datensätze an die Bedürfnisse des Abnehmers anpassen. Oder der Kunde stellt sein System auf jeden einzelnen Zulieferer neu ein. Beides verursacht Kosten.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in Frankfurt will diesem Miss-Stand abhelfen. Er hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), der Universität Essen und zahlreichen Großkonzernen einen Standard für den Austausch elektronischer Produktkataloge entwickelt. Mit von der Partie sind unter anderen DaimlerChrysler, Siemens, Deutsche Telekom, Veba, Bayer, Mannesmann, Lufthansa und die Deutsche Bahn.

"BMEcat" nennt der Verband den neuen Standard, der in diesem Herbst veröffentlicht werden soll. Mehrere große Unternehmen haben bereits zugesagt, ihn zu übernehmen. Sie wollen ihre Lieferanten verpflichten, die elektronischen Kataloge im neuen Einheitsformat aufzubereiten.

Angesichts dieser schlagkräftigen Unterstützung sieht BME-Hauptgeschäftsführer Ludwig Veltmann gute Chancen, dass sich der Standard rasch etabliert - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa, vielleicht sogar weltweit.

Der BMEcat lässt Spielraum für vielfältige Varianten. Zwingend vorgeschrieben ist nur die Grundstruktur. Zum Beispiel muss zu jedem Artikel zumindest ein Preis genannt werden. Doch lässt der Standard auch zu, nach Belieben mehrere Preise je Artikel anzugeben, etwa Brutto- und Nettopreise. Ähnlich kann der Lieferant die Preise nur in Mark oder in mehreren Währungen auszeichnen.

Diese offene Struktur bietet zudem die Option, dröge Kataloge in Multimedia-Ereignisse zu verwandeln. Zum Beispiel lassen sich alle Artikel als Foto abbilden. Und gegebenenfalls können die Objekte auf dem Bildschirm sogar per Mausklick gedreht werden. Der Betrachter kann sie dann von allen Seiten sehen.

Das System wird immer weiter ausgebaut. Die E-pro solutions GmbH in Stuttgart entwickelt Software-Tools, die es den Lieferanten ermöglichen, ihre bereits digitalisierten Produktdaten in den BME-Standard zu überführen. Parallel dazu arbeitet das Fraunhofer-Institut mit mehreren Softwarehäusern daran, deren E-Commerce-Programme auf den BMEcat abzustimmen. Interessierte Unternehmen berät das Fraunhofer-Institut bei der Umstellung auf den elektronischen Einkauf.

Bevor der neue Standard seinen Siegeszug rund um den Globus antreten kann, müssen BME, Fraunhofer-Institut und die übrigen Entwicklungspartner allerdings noch eine Frage klären: Soll der BMEcat frei verfügbar sein? Oder dürfen einige - oder alle - Partner Lizenzgebühren erheben?

Alle Beteiligten versichern aber: Am Streit ums Geld wird der BMEcat nicht scheitern.

Chat-Bericht: DV-Experte Konhäuser über E-Procurement


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