Was macht eigentlich Florian Gerster?

Bekannt wurde Florian Gerster als Chef der heutigen Bundesagentur für Arbeit. Nach seiner Entlassung im Jahre 2004 wurde es relativ ruhig um ihn. Dabei hat der 57-Jährige durchaus ein Leben nach der BA, über das es sich zu reden lohnt.

Für das Intermezzo von Florian Gerster an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit (BA) gibt es heute im Wesentlichen zwei Interpretationen. Die eine geht so: Einer der profiliertesten Reformpolitiker Deutschlands gibt dem Drängen von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach und macht sich daran, den Nürnberger Augiasstall auszumisten. Doch eine Koalition des Mittelmaßes bringt Gerster zu Fall. Eine Zweckallianz aus sensationshungrigen Journalisten, ewiggestrigen Gewerkschaftern und veränderungsresistenten BA-Funktionären.

Die andere Version: Gerster fehlt das diplomatische Geschick zum Umbau der Mammutbehörde. Mit nassforschen Ankündigungen bringt der Oberstleutnant der Reserve Belegschaft und Verwaltungsrat gegen sich auf. Als dann noch ein Beratervertrag auftaucht, den Gerster ohne Ausschreibung vergeben hat, ist der Mann nicht mehr zu halten.

Version eins wird im Wesentlichen von Florian Gerster selbst vertreten, Version zwei vom Rest der Republik. Das führt verständlicherweise zu gewissen Spannungen zwischen Gerster und der Außenwelt. Unter anderem dazu, dass Gerster nach einigem Hin und Her doch nicht als Gesprächspartner für diesen Artikel zur Verfügung stehen möchte.

Schade, denn es gibt für den 57-Jährigen durchaus ein Leben nach der BA, über das es sich zu reden lohnt. So ist Gerster in seinen angestammten Beruf als Personalberater zurückgekehrt und kümmert sich beim Headhunter Ray & Berndtson um die Besetzung von Führungspositionen, vor allem im öffentlichen Sektor und im Gesundheitswesen.

Jazztöne und klangvolle Titel

Zudem steht Gerster dem US-amerikanischen Private-Equity-Unternehmen Fortress als "Vorsitzender des Investitionsbeirats" zur Verfügung. Hinter dem eindrucksvollen Titel verbirgt sich ein Lobbyistenjob: Sozialdemokrat Gerster nutzt alte Kontakte, um der deutschen Politik die Interessen von Fortress näher zu bringen. Zu diesen Interessen gehört vor allem, dass in Deutschland börsennotierte Immobilienfirmen eingeführt werden. Ein Instrument, mit dessen Hilfe Fortress seinen großen Wohnungsbestand am Kapitalmarkt platzieren könnte.

Eigene politische Ambitionen hat Gerster nicht mehr. Was aber keineswegs heißt, dass er in gesellschaftliche Apathie verfällt. An der Universität Mannheim sitzt er im Vorstand des Alumni-Vereins, in seiner Heimatstadt Worms stiftete er einen Jazzpreis. Beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), einem Think-Tank, den die Deutsche Post finanziert, organisiert Gerster Treffen von Arbeitsmarktforschern mit Personalvorständen und anderen Praxisvertretern.

Auf einen klangvollen Titel muss Gerster auch beim IZA nicht verzichten: Er firmiert als "Direktor Policy Fellows".


Zur Person

Florian Gerster wurde vor allem als Chef der Bundesanstalt (heute: Bundesagentur) für Arbeit bekannt. Der Psychologe gelangte mit 28 Jahren in den rheinlandpfälzischen Landtag, zehn Jahre später in den Bundestag. Parallel zu seinem Abgeordnetenmandat arbeitete er als Personalberater.

1991 wechselte Gerster als Landesminister zurück nach Mainz, zunächst für Bundes- und Europaangelegenheiten, später für Arbeit und Soziales.

2002 rückte Gerster an die Spitze der Bundesanstalt für Arbeit. Seine Amtsführung geriet rasch in die Kritik. Anfang 2004 musste er gehen.

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