Sonntag, 8. Dezember 2019

Elterngeld Baby statt Business

Eine Exklusivumfrage von manager magazin zeigt, wie Deutschlands Konzerne auf die neuen Vaterpflichten ihrer Topmanager reagieren wollen.

Immanuel will nicht schlafen. Munter glucksend blickt der 15 Monate alte Sohn von Daniel Dietzfelbinger (38) zu seinem Papa hoch und kaut dabei glücklich auf einer halben Brezel. "Am besten gehen wir ein Stück durch den Park, dann schläft er bestimmt bald ein", meint der ehemalige MAN-Manager.

Seltene Spezies: Daniel Dietzfelbinger von MAN (l.), Siemens-Ingenieur Oliver Plett (M.) und IBM-Berater Peter Schirmanski kümmern sich zu Hause um ihre Söhne
David Steets, Lilian Hengelein
Seltene Spezies: Daniel Dietzfelbinger von MAN (l.), Siemens-Ingenieur Oliver Plett (M.) und IBM-Berater Peter Schirmanski kümmern sich zu Hause um ihre Söhne
München, morgens um halb elf, eine Führungskraft in einer ungewohnten Rolle. Der Mann am Kinderwagen, Doktor der Evangelischen Theologie und bis September 2005 Leiter der internen Kommunikation bei MAN, ist einer der wenigen Väter, die sich komplett aus dem Unternehmen verabschiedeten, um Zeit für ihre Kinder zu haben. Geht es nach dem Willen von Familienministerin Ursula von der Leyen, sind Führungskräfte wie Dietzfelbinger nur die Vorreiter.

Mit der Einführung des Elterngeldes sollen ab 2007 vor allem Akademiker dazu bewegt werden, für mehr Nachwuchs in Deutschland zu sorgen. Als Anreiz sollen nach der Geburt 67 Prozent des bisherigen Nettogehalts, maximal 1800 Euro monatlich, aus der Staatskasse fließen, und zwar bis zu 14 Monate - vorausgesetzt, der Vater nimmt sich mindestens zwei Monate lang für das Baby frei. Reicht das aus, um männliche Führungskräfte stärker in die Familienpflicht zu nehmen? Und wie werden die Unternehmen damit zurechtkommen?

manager magazin befragte die Personalverantwortlichen der hundert größten börsennotierten deutschen Firmen zu den Auswirkungen des geplanten Gesetzes und wollte mehr über ihre grundsätzliche Einstellung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfahren.

Die Resonanz war groß, 36 Prozent der befragten Unternehmen antworteten. Die Ergebnisse lassen erwarten, dass die Initiative der Familienministerin bei jungen Führungskräften und deren Arbeitgebern verpuffen wird.

Mehr als die Hälfte der Personalverantwortlichen glaubt nicht, dass männliche Führungskräfte allein aufgrund des Elterngeldgesetzes verstärkt die Möglichkeit einer Auszeit in Anspruch nehmen werden. Fast jeder zweite Personalchef ist der Meinung, dass finanzielle Anreize und die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit aus Unternehmenssicht ungeeignete Maßnahmen sind, um den Führungskräften eine Babypause zu ermöglichen. Anders gesagt: Geld spielt aus Sicht der Firmen offenbar kaum eine Rolle bei der Entscheidung für die Elternzeit.

© manager magazin 7/2006
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