Freitag, 21. Juni 2019

Uhren Zeit-Zauberer

5. Teil: Geniales Doppel

Auch die Firma CompliTime in La Chaux-de-Fonds etwa gehört zu den Lieferanten, an ihrer Spitze die begnadeten Uhrmacher Robert Greubel und Stephen Forsey. Der 39-jährige Elsässer, hoch gewachsen, stoppelbärtig, und der 46-jährige Engländer, Rotschopf, breite Hosenträger, sind sich bei Renaud & Papi über den Weg gelaufen. Seit 1999 gehen sie mit der Manufaktur Greubel Forsey eigene Wege, in einer 1855 errichteten Reitmanege im Zentrum der Uhrenstadt, jetzt zu einem prächtigen Büro- und Manufakturhaus mit zierlich bemaltem Atrium hergerichtet.

Geniales Doppel: Der Elsässer Robert Greubel (links, 39) und der Brite Stephen Forsey (46) genießen ...
Ralf Baumgarten
Geniales Doppel: Der Elsässer Robert Greubel (links, 39) und der Brite Stephen Forsey (46) genießen ...
"Wir haben festgestellt", sagt Greubel, "dass das Normaltourbillon kein vollendeter technischer Mechanismus im Sinne von Breguet ist." Weil der ja nur die relativ ruhig gelagerte Taschenuhr und nicht die viel häufiger bewegte Armbanduhr kannte, die schwerkrafttechnisch ganz anders beansprucht ist.

Also entwickelten sie ein Tourbillon, bei dem die Achse um 30 Grad geneigt ist - und erhielten einen Zeitmesser, der die Gangabweichung von zwölf Sekunden täglich deutlich einschränkt. "Wir wollen schließlich die Leistung des Laufwerks messen können", sagt Greubel, "nicht einfach nur eine Animation entwerfen, die schön aussieht."

Fünf Modelle gibt es davon, vier in Gold, zu je 380.000 Schweizer Franken, eines in Platin zu 425.000. 20 bis 30 Stück fertigt die zwölfköpfige Manufakturmannschaft pro Jahr. Die Käufer: Fürstenhäuser, Dirigenten großer Konzerne, sagt Greubel. Namen nennt er nicht.

... dank ihres Doppel- Tourbillons in der Schweiz den Ruf als Innovatoren
Ralf Baumgarten
... dank ihres Doppel- Tourbillons in der Schweiz den Ruf als Innovatoren
"Es gibt eine Menge Leute, die sich so eine Uhr zum Frühstück kaufen könnten", weiß Kollege Thomas Prescher über die eigenen Tourbillons, "obwohl es doch eine ungeheure Menge Geld ist."

Der Mann aus Twann, dessen Karriere mit einem Kapitänspatent der Bundesmarine begann und über Lehr- und Wanderjahre in den Manufakturen von IWC, Audemars Piguet, Blancpain in die Selbstständigkeit führte, hat viele Kunden kennen gelernt, obwohl häufig auch über Mittelsleute gekauft wird.

"Die lassen sich nur ungern in die Karten gucken", sagt er. Aber oftmals sind es, neben Royals, Leute aus der Bankenszene. In seiner Gesellenzeit bei Gübelin, erinnert sich Prescher, "hatte ich das Glück, eine unglaubliche Sammlung restaurieren zu dürfen, 365 Uhren, allein 40 Tourbillons, 20 Grandes Complications, eine Schande, dass die irgendwo in einem Tresor liegen."

Der Besitzer? Chef eines Bankhauses. In welchem Land: keine Antwort. Schweizer Uhrmacher sind so diskret wie ihre Bankiers.

Prescher selbst trägt gar keine Uhr. Das ist der Luxus, den ich mir erlaube", sagt der Luxusuhrenmeister, "Leben ohne Uhr und ohne Wecker." Alttestamentarisch schlicht fügt er an: "Ich stehe auf, wenn ich aufwache, ich esse, wenn ich hungrig bin, ich gehe schlafen, wenn ich müde bin."

Ein Leben wie im Paradies.

© manager magazin 6/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung