Dienstag, 20. August 2019

Uhren Zeit-Zauberer

4. Teil: Reich an Ideen

Nicht weit entfernt vom Coudray-Laboratorium liegt die Manufaktur, die den Namen des Mannes trägt, auf den der ganze neuzeitliche Wirbel zurückgeht, Abraham-Louis Breguet. Der entwickelte den Mechanismus im Paris der Revolution.

Reich an Ideen: Der Italo-Schweizer Giulio Papi (41) entwickelt für eine Tochter von Audemars Piguet geniale Drehgangwerke ...
1801 erhielt Breguet, der Uhren für Marie Antoinette und für Napoleon lieferte, das Patent für den winzigen Käfig mit Unruh und Hemmung, der durch die Drehbewegung um die eigene Achse je nach Lage die Beschleunigung oder Verlangsamung des Zeittaktes ausglich - Tourbillon geheißen.

Über das Breguet-Reich herrscht heute Nicolas Hayek, Präsident der Swatch Group. In die Entwicklung gewährt er keinen Einblick, zumal gerade umgebaut wird.

In Genf aber lässt er es sich nicht nehmen, zur Einweihung einer neuen Breguet-Boutique unter dem Applaus tief dekolletierter Damen ein aufwändiges neues Modell mit Doppel-Drehgestell vorzustellen. An jedem Unterarm vier Uhren, gibt der rundliche 78-Jährige den Sonnenkönig der Branche: Le tourbillon, c'est moi.

Denn Hayek profitiert von der Drehgestellnachfrage auf doppelte Weise - zum Ersten als Eigner des Erfindernamens, zum Zweiten über seine kleine Firma Nivarox-Far. Der Teilehersteller im Jura-Flecken Le Locle hält nicht nur das Monopol für das Herzstück einer jeden mechanischen Uhr, die Unruhspirale. Er liefert auch fertige Tourbillons an Dritte, so etwa für die Marke Zenith.

... wie zum Beispiel für das Modell "Royal Oak"
Tatsächlich sind nur wenige Spitzenanbieter in der Lage, die komplizierte Feinmechanik auch selbst herzustellen.

Etliche bedienen sich deshalb der Unterstützung von Zulieferern. Wie etwa des Spezialisten Jean-Paul Journe aus Genf oder der Firma Renaud & Papi, einer Tourbillon-Tochter der Manufaktur Audemars Piguet, die den Motor für die Bentley-Breitling bereitstellt. Getreu der Regel: Es ist nicht immer die Marke drin, die auf dem Zifferblatt draufsteht.

Und das muss nicht mal Schlechtes bedeuten, im Gegenteil.

© manager magazin 6/2006
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