Donnerstag, 27. Juni 2019

Uhren Zeit-Zauberer

3. Teil: Herz aus Titan

Und das Publikum ist - trotz Preisen, die bislang zumeist noch immer im sechsstelligen Bereich liegen - nachhaltig begeistert. "Mein absolutes Lieblingsstück", ließ etwa Boris Becker unlängst gegenüber "Bild" verlauten, am Handgelenk eine "Portugieser Tourbillon" von IWC. "Bin vier Jahre um sie rumgeschlichen."

Herz aus Titan: Der Schweizer Eric Coudray (40) aus der Manufaktur Jaeger-LeCoultre in Le Sentier erwarb Ruhm ...
Pierre-Antoine Grisoni
Herz aus Titan: Der Schweizer Eric Coudray (40) aus der Manufaktur Jaeger-LeCoultre in Le Sentier erwarb Ruhm ...
"Wie viele Tourbillons braucht die Menschheit noch?", fragt ketzerisch bereits Marktkenner Brunner.

Die Antwort weiß ein anderer exzellenter Kenner des Marktes, Stéphane Belmont, Marketingdirektor bei Jaeger-LeCoultre im Vallée-de-Joux-Flecken Le Sentier im Schweizer Jura, der Kernlandschaft der Uhrmacherei.

"Viele", sagt er, "es gab letztes Jahr zwar schon 140 Tourbillons auf der Messe. Aber dennoch bleibt es weiterhin ein sehr interessanter Mechanismus." Und so soll es denn auch im Herbst ein neues Jaeger-LeCoultre-Tourbillon geben, für den Spottpreis von 35.000 Schweizer Franken.

Belmont weiß aber auch, dass es viele Show-Tourbillons am Markt gibt, die einzig dem Imponiergehabe abends an der Bartheke dienen. Am Ende des Tages entscheiden feinmechanischer Schliff und Funktion über die Qualität.

... mit dem "Gyrotourbillon 1", in dem ein Titanherz schlägt
Pierre-Antoine Grisoni
... mit dem "Gyrotourbillon 1", in dem ein Titanherz schlägt
Nicht von ungefähr beschäftigt der Edeluhrenhersteller in Le Sentier einen ausgefuchsten Uhrenbauer wie Eric Coudray. Der 40-jährige Meistermechanikus, wallendes Haupthaar, wilder Rauschebart, trägt am Arm eine Billig-Quarzuhr und arbeitet mit ein paar Kollegen in einem Entwicklungsatelier abseits der feinen Manufaktur. Hier wurde das "Gyrotourbillon 1" erdacht, das in der Fachwelt höchstes Lob erfuhr.

Das sphärisch gelagerte Drehgestell mit zwei Käfigen, der Hemmung und der Unruh auf zwei Achsen, erklärt Belmont, war eine Revolution in der Welt der Feinmechanik - ein Wunderwerk aus rund 90 Einzelteilen mit einem Gewicht von gerade mal 0,33 Gramm. Angeboten wird es für 280.000 Euro.

© manager magazin 6/2006
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