Samstag, 21. September 2019

Geldanlage Das Beste aus aller Welt

2. Teil: Drei Risiko-Szenarien

Der Ausfall der Konjunkturlokomotive USA: Es war vor allem der durch nichts zu erschütternde Kaufrausch der US-Bürger, der die Weltwirtschaft nach dem Absturz der Kapitalmärkte zur Jahrtausendwende vor dem Abgleiten in die Depression bewahrt hat. Verleitet durch die extrem niedrigen Zinsen, begannen die Amerikaner, Immobilienkredite gegen geringer verzinste Hypothekendarlehen umzuschulden.

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Jede neue Zinssenkung wirkte wie eine riesige Einkommenserhöhung, das zusätzliche Geld wurde mit vollen Händen ausgegeben. Profitiert haben davon vor allem die Konsumgüterproduzenten Asiens, aber auch viele europäische Exportunternehmen.

Damit könnte es nun vorbei sein. Seit Sommer 2004 hat die amerikanische Notenbank die Leitzinsen 17-mal erhöht - das billige Geld versiegt, die Konjunktur verliert an Fahrt, und Leute wie Bill Gross, legendärer Anleihefondsmanager der US-Vermögensverwaltungstochter der Allianz Börsen-Chart zeigen, fürchten, dass die US-Wirtschaft demnächst in schweres Fahrwasser geraten könnte.

Gefahren in den Schwellenländern: Die niedrigen Renditen auf Staatspapiere und Unternehmensanleihen in Europa und den USA waren so etwas wie eine hoch dosierte Finanzspritze für die aufstrebenden Schwellenländer Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas. Auf der Suche nach höher verzinslichen Papieren kauften Fondsmanager für gewaltige Summen den Markt für Anleihen der Emerging-Markets-Länder leer.

Auf Grund der massiven Kursanstiege an den Aktienbörsen und Anleihemärkten warnt beispielsweise das renommierte Institute of International Finance bereits vor einer neuen Blase. Der massive Kapitalzufluss, so die Befürchtung der Finanzexperten, könnte vor allem Regierungen in Lateinamerika zu einer leichtsinnigen Finanzpolitik verführen und für eine ähnlich instabile Situation sorgen wie im Frühjahr 1997 kurz vor dem Ausbruch der Asienkrise.

Steigende Energiepreise: Seit 1999 hat sich das Fass Rohöl um den Faktor sechs auf zwischenzeitlich mehr als 78 Euro verteuert. Sinkende Notierungen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, weil der Ausbau der Förder- und Raffineriekapazitäten mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt hält. Das treibt den Kurs der Ölgesellschaften, doch es verteuert die Produktion in vielen Branchen und belastet den Verbraucher. Insbesondere deutschen Unternehmen, die von der gerade erst wieder steigenden Kauflaune profitieren, könnte dies auf die Gewinne und den Kurs drücken.

Überwiegen derzeit nun die Chancen oder die Risiken? Sollen private Anleger euphorisch gestimmt sein wie Edouard Carmignac, oder müssen sie eine anhaltende Talfahrt an den Börsen fürchten? Und wie können sie trotz aller Unsicherheiten von den Chancen profitieren, die ihnen die Kapitalmärkte bieten?

manager magazin hat diese Fragen einigen der erfolgreichsten Finanzprofis der Welt gestellt. Wir sprachen mit Geldmanagern wie dem New Yorker Mark Mobius, der mit seinen Schwellenländerfonds der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Milliarden verwaltet, und mit Elisabeth Weisenhorn, die seit dem Jahr 2000 mit ihrer eigenen Investmentfirma in den Hitlisten der Fondsmanager rangiert. Wir konsultierten Legenden wie den amerikanischen Rohstoffexperten Jim Rogers und den New Yorker US-Bluechip-Spezialisten Edwin Walczak.

Jeder der Stars beobachtet die Finanzwelt aus seinem persönlichen Blickwinkel. Einige wählen als Anlageuniversum nur einen Ausschnitt der Weltkarte, andere investieren global. Der eine sucht nach Wachstumsunternehmen, der andere setzt nur auf Firmen, deren Geschäftsmodell kontinuierlich verlässliche Umsätze und Gewinne abwirft. Eines ist allen gemeinsam: Sie bleiben einmal gefundenen Anlagegrundsätzen treu - auch in schwierigen Zeiten.

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