Freitag, 13. Dezember 2019

Macht Fiese Spiele

3. Teil: Rolex-Uhren und Patriarchen

"Macht an sich ist aber ambivalent, sie ist weder gut noch böse", sagt Soziologe Wolfgang Scholl, "es kommt nur darauf an, wie sie eingesetzt wird."

Auf Kommando: Sind Sie "situationsabhängig autoritär"?
manager magazin
Auf Kommando: Sind Sie "situationsabhängig autoritär"?
In kaum einem anderen Land gilt dieser Satz weniger als in Deutschland; offenes Machtgehabe oder zur Schau gestellte Machtsymbole sind hier verpönt. Die Abneigung geht so weit, dass gar die Rolex von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auf Fotos wegretuschiert wurde.

"Wenn in Deutschland über Macht gesprochen wird, schwingt immer der Zusatz ,Missbrauch' mit", meint Scholl. Firmenpatriarchen wie der langjährige WestLB-Chef Friedel Neuber, die ihr Reich über ein so undurchschaubares wie effizientes Netzwerk kontrollieren, bekommen schnell den wenig schmeichelhaften Titel eines "Paten" verpasst.

Der niederländische Kulturanthropologe Geert Hofstede hat eine Skala von 0 bis 112 Punkte für den hierarchischen Abstand im Verhältnis von Vorgesetzten und Mitarbeitern entwickelt und die Firmenkultur in verschiedenen Ländern untersucht.

"Deutsche Unternehmen wiesen mit 35 Punkten einen außerordentlich niedrigen ,Machtdistanzindex' auf, Malaysia mit 104 Punkten das größte Machtgefälle zwischen Führungspersonal und Untergebenen", sagt Peter Steinbach, der mit seinem "Wissenschaftsdienst für Manager" psychologische Erkenntnisse für das Geschäftsleben aufbereitet.

Dabei seien Machtstrukturen in Unternehmen eine existenzielle Notwendigkeit, sagt die Hamburger Professorin Sonja Bischoff: "Es muss in den Firmen Leute geben, die Verantwortung für Entscheidungen übernehmen. Wer aber verantwortlich ist, muss auch die Macht haben, das Notwendige durchzusetzen."

Das gilt besonders in Umstrukturierungsphasen: Die Betriebswirtin hat in Studien über Mittelmanager zwischen 1998 und 2003 eine starke Verschiebung vom kooperativen hin zum "situationsabhängig autoritären Führungsstil" festgestellt. Und: "Je höher die Position, desto deutlicher die Veränderung."

© manager magazin 6/2006
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