Nachlassplanung Vererbungslehre

Der Krach ums Erbe lässt sich vermeiden. Eine ausgeklügelte Nachlassplanung senkt die Steuerlast und rettet den Familienfrieden.
Von Eva Buchhorn und Jonas Hetzer

Felix Fleischer* wollte einfach mal weg, ausspannen, raus aus der stickigen Sommerhitze Stuttgarts, damals im August 2000. Mit seiner Frau Marianne machte er sich auf den Weg an den Starnberger See. Es sollte sein letzter Urlaub sein: Der 80-Jährige erlitt einen Herzinfarkt, an dem er kurz darauf starb.

Der jähe Tod des Architekten war nicht das einzige Drama, das seine Familie zu verkraften hatte. Nach der Beerdigung des Seniors begann ein Krieg um Fleischers Erbe, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

Der Clan hatte mit einem millionenschweren Nachlass gerechnet. Schließlich gehörten dem Familienoberhaupt eine Baufirma mit über 20 Angestellten, Gewerbe- und Wohnimmobilien im gesamten Bundesgebiet, zig Beteiligungen an kleineren Unternehmen, eine Stadtvilla in Stuttgart-Killesberg und das prachtvolle Ferienhaus am Starnberger See. Tatsächlich hinterließ Fleischer vor allem eines: jede Menge Ärger.

Sein Testament, in dem er seiner zweiten Ehefrau Marianne fast alles vererbte, erwies sich als ungültig. Beim Amtsgericht lag schon seit Jahrzehnten eine andere, rechtlich noch immer bindende Nachlassregelung, die Fleischer gemeinsam mit seiner ersten Frau Beate abgefasst und die er nach deren Tod 1960 offenbar schlicht vergessen hatte.

So fanden sich statt Ehefrau Nummer zwei unversehens Fleischers Kinder aus erster Ehe, Thomas und Anne, in der Rolle der Erben wieder. Doch auch denen bereitete der Nachlass kein Vergnügen: Denn das vermeintliche Großvermögen entpuppte sich als wertlos. Auf den Liegenschaften lasten Millionenschulden, zudem stand Felix Fleischer beim Finanzamt noch mit 4,5 Millionen Euro Einkommensteuer in der Kreide - Geld, das sich der Fiskus nun von den Erben holen will.

Alptraum Erbschaft: Thomas Fleischer, der auch das Erbe seiner Schwester antrat, musste inzwischen einen Offenbarungseid leisten. Und als ob dies alles nicht schon genug wäre, liegt er nun auch noch mit seiner Stiefmutter Marianne im Clinch: Der Sohn hegt den Verdacht, dass diese unberechtigt die Schweizer Konten leer geräumt hat, auf denen Vater Fleischer heimlich Millionen gebunkert haben soll - und für die auch Marianne eine Vollmacht besaß.

Böse Überraschungen, miese Tricks und nicht enden wollende Streitereien - was nach dem Ableben des Firmenpatriarchen im Hause Fleischer geschah, trägt sich so oder ähnlich jedes Jahr tausendfach in Deutschland zu. Nicht immer kämpfen Erben derart unbarmherzig gegeneinander wie im Fall des Stuttgarter Unternehmers. Doch der Eintritt des Erbfalls provoziert in vielen Familien handfeste Konflikte.

Immobilien-Privileg vor dem Fall

Der Grund für die Dramen im Verwandtenkreis sei meist derselbe, sagt der Hamburger Erb- und Steuerrechtler Ulrich Gerken: "Das Familienoberhaupt hat entweder keine, nur unzureichende oder missverständlich formulierte Regelungen getroffen, wie das Vermögen später einmal aufgeteilt werden soll."

69 Prozent der Deutschen machen kein Testament, aus Bequemlichkeit oder weil ihnen der Gedanke an den eigenen Tod unangenehm ist. Dieses im Einzelfall verständliche Unbehagen jedoch beschert Erbrechtsprofis gedeihliche Geschäfte.

Denn das heikle Thema Erbschaft beschäftigt derzeit mehr Familien als jemals zuvor in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wie das Marktforschungsinstitut Empirica berechnet hat, reichen im laufenden Jahrzehnt acht Millionen Haushalte ihr seit den Wirtschaftswunderjahren aufgebautes Vermögen in Höhe von insgesamt zwei Billionen Euro im Familienkreis weiter. Von 2010 bis 2015 sollen noch einmal Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Billionen Euro vererbt werden.

Hinzu kommen die wachsenden Begehrlichkeiten der Finanzbehörden: Bisher bittet das Finanzamt Erben von Häusern und Wohnungen - die laut Empirica in rund 36 Prozent der Nachlässe eine Rolle spielen - nur in moderatem Umfang an die Erbschaftsteuer-Kasse. Dieses Privileg könnte noch in diesem Jahr fallen, wenn das Bundesverfassungsgericht die Bevorzugung der Immobilien gegenüber anderen Vermögenswerten als Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes wertet. Käme es so, würden die Steuervorschriften für Immobilien wohl verschärft.

Wer seinen Erben all diese Scherereien ersparen möchte, sollte frühzeitig und sorgfältig planen. manager magazin weist den Weg zur gelungenen Nachlassplanung.

Der Münchener Anwalt und Wissenschaftler Klaus Michael Groll, der sechs Bücher und rund 100 Aufsätze über das deutsche Erbrecht verfasst hat, nennt vor allem zwei Grundregeln: Erstens muss ein Testament her, und zwar handschriftlich verfasst und in mindestens zwei Ausführungen, denn, so der Anwalt, "unangenehme Testamente haben die Eigenschaft zu verschwinden". Eine Kopie sollte der Erblasser zu Hause aufbewahren, die andere beim Anwalt oder dem Amtsgericht deponieren.

Tückisches Berliner Testament

Und zweitens: Eine der beliebtesten Formen des letzten Willens, das so genannte Berliner Testament, ist zugleich eine der tückischsten. Wenn Ehegatten sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen und ihre Kinder erst nach dem Tod beider Eltern ans Vermögen lassen wollen, überwiegen meist die unerwünschten Risiken und Nebenwirkungen:

  • Wird das Vermögen zweimal vererbt - zum Beispiel zunächst an den Gatten und dann an die Kinder - muss es zweimal komplett versteuert werden. Klüger handeln Ehegatten, die bereits im ersten Erbfall einen Teil des Vermögens an die Kinder weitergeben und damit die Steuerlast im zweiten Todesfall verringern.
  • Der überlebende Ehepartner ist an den gemeinschaftlichen Willen gebunden. Dies ist extrem hinderlich, wenn er sein Vermögen anders verteilen möchte - etwa weil sich die Beziehungen zu den im Testament bedachten Kindern verschlechtert haben oder er erneut heiraten will. Die Bindungswirkung sollte daher durch einen Vorbehalt abgeschwächt werden, mit dem sich das Testament im Zweifel nachbessern lässt.

Ein weiterer Fehler: allzu vage Formulierungen. Geht aus der Urkunde nicht unmissverständlich hervor, welches Familienmitglied welche Vermögenswerte bekommen soll, sondern werden lediglich Quoten für einzelne Erben festgelegt, hat das einen ähnlichen Effekt, als gäbe es überhaupt kein Testament. Was in einem solchen Fall passiert, zeigt der Zwist um den Nachlass des Kaufmanns Bernd Teuer*.

Die kleine Handelsfirma für Spezialwerkzeug des zum zweiten Mal verheirateten Mannes hatte im Laufe der Jahre ein ansehnliches Vermögen abgeworfen - ein großes Haus in der Nähe Hamburgs, eine Ferienwohnung auf Sylt und ein stattliches Wertpapierdepot.

Als Teuer mit 57 Jahren starb, wurde die Lage schnell unübersichtlich und konfus. Weil es kein Testament gab, musste der Nachlass nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches abgewickelt werden. Das hatte zur Folge, dass seine Ehefrau und die Töchter aus erster Ehe, die sich nie sonderlich grün waren, zu einer Erbengemeinschaft zusammengezwungen wurden und nur gemeinsam über das Vermögen verfügen konnten.

Die Fehler naiver Erblasser

Obwohl grundsätzlich klar war, dass die Ehefrau die Hälfte und die beiden Töchter jeweils ein Viertel des Vermögens beanspruchen konnten, zerstritt sich das Trio heillos über Details - mit fatalen Folgen für den Wert des Unternehmens. Da sich die Erbinnen nicht zu den kleinsten Kompromissen durchringen konnten, blieben wichtige Entscheidungen liegen, die frustrierte Kundschaft sprang ab, am Ende musste die Firma zu einem Bruchteil des ursprünglichen Wertes verschleudert werden.

Was der Fall lehrt: Die Erben müssen die Fehler der Erblasser ausbaden. Der Ärger beginnt meist damit, dass Väter oder Mütter einfach davon ausgehen, dass sich die Familie bei der Verteilung des Erbes schon irgendwie einigen wird. Eine Annahme, die sich gerade bei Patchworkfamilien häufig als naiv erweist.

Die beste Möglichkeit, Konflikte von vornherein auszuschließen, ist eine Reihe klärender Gespräche unter den Familienmitgliedern, und zwar bevor der Erbfall eintritt. "So lässt sich vielleicht doch noch eine Lösung finden und im Testament festhalten, mit der alle leben können", sagt die Hamburger Fachanwältin für Erbrecht Ursel Etzel.

Ohne Reibungsverluste geht es dabei vor allem bei weit verzweigten Sippen kaum ab. Anwälte wie die Münchener Juristin und Mediatorin Gisela Mähler sind Anlaufstellen, damit keine Fehden ausbrechen. Mähler bietet Familien, die vor einer komplizierten Nachlassplanung stehen, Vermittlung an: "Manchmal müssen erst alte Enttäuschungen und persönliche Verletzungen aus dem Weg geräumt werden, damit eine friedliche Einigung möglich wird."

Als weitere Vorsichtsmaßnahme empfiehlt es sich, eine Vertrauensperson als Testamentsvollstrecker einzusetzen und mit den notwendigen Vollmachten auszustatten. So ist zum einen sichergestellt, dass die Firma nicht lahm gelegt ist. Zum anderen beschleunigt der Nachlassverwalter die Abwicklung der Erbschaft, weil er den gesamten Papierkrieg vom Nachlassverzeichnis bis hin zur Zuteilung der einzelnen Erbteile übernimmt. Und nicht zuletzt kann auch der Testamentsvollstrecker als unabhängige Instanz helfen, schwelende Streitigkeiten frühzeitig zu beenden.

Ferienimmobilie als Kartenhaus

Das reichlich komplexe deutsche Erbrecht erfordert genau durchdachte und penibel durchgerechnete Lösungen. Doch selbst der ausgeklügeltste Plan fällt in sich zusammen, sobald ein Teil des Nachlasses außerhalb der deutschen Grenzen liegt - ganz gleich ob es um das Ferienhaus auf Mallorca oder das Depot in Zürich geht.

"Wenn sich Vermögen im Ausland befindet, aber nur ein Testament nach deutschem Recht existiert, ist dieses Dokument oft nichts wert", warnt der Münchener Erbrechtler Michael Hans. Viele Länder behalten sich vor, das Vermögen von Ausländern nach eigenem Recht an die Erben weiterzureichen.

Über mehrere Hürden springen muss der Erbe auch, wenn im Nachlass Schwarzgeld auftaucht. Im österreichischen Kleinwalsertal, im liechtensteinischen Vaduz und natürlich am Steuer-Fluchtpunkt Nummer eins, in Zürich, haben Deutsche Milliarden gebunkert. Manches Konto oder Depot ist so geheim, dass die Erben der Steuerflüchtlinge sich äußerst schwer tun, das Vermögen überhaupt zu finden.

"Oft sind die einzigen Hinweise ein Kennwort im Terminkalender oder eine Schweizer Telefonnummer", sagt Herbert Notz. Der in Zürich lebende Bayer hat sich mit seiner Firma Scopras darauf spezialisiert, verschwundene Familienvermögen aufzuspüren.

Ist das Schweizer Konto gefunden, händigen die Banker das Geld in der Regel erst aus, wenn ihnen der deutsche Erbschein vorgelegt wird. Doch damit ist die Sache noch längst nicht abgeschlossen. Wenn die Erben nicht selbst ins Visier der Steuerfahndung geraten wollen, müssen sie das Schwarzgeld beim Finanzamt melden und die Steuern auf die Zinserträge der vergangenen zehn Jahre zuzüglich Säumniszuschlag nachzahlen - für den Rest ist danach eine Erbschaftsteuererklärung fällig.

Die Freude am Steuernsparen

Nicht nur beim heiklen Thema Schwarzgeld spielen Steuerfragen eine entscheidende Rolle. Für viele Gutverdiener und Vermögende ist die Freude am Steuernsparen der Hauptanreiz, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. "Die meisten wollen das Finanzamt ausbremsen", sagt der Münchener Finanzplaner und Mitinhaber des VZ Vermögenszentrums, Tom Friess.

Minimalziel ist die Ausnutzung sämtlicher Steuerfreibeträge. Dafür bieten sich vor allem Schenkungen zu Lebzeiten an. Diese Form der Vermögensübertragung wird zwar mit den gleichen Sätzen besteuert wie der Erbfall - es gelten aber auch dieselben Freibeträge, die alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden können. Wer also bereits zu Lebzeiten Teile seines Vermögens abgibt, kann die Steuerlast seines Nachlasses möglicherweise drastisch senken.

Rasches Handeln scheint vor allem beim Verschenken von Häusern und Grundstücken angezeigt. Noch ist das in Beton gegossene Vermögen als Erbmasse besonders attraktiv, weil das Finanzamt bei der Berechnung von Schenkung- und Erbschaftsteuern nicht den Verkaufswert als Grundlage verwendet. Stattdessen wird ein Steuerwert ermittelt, der oft nur gut die Hälfte des Verkaufswerts beträgt. So können Immobiliengeschenke an die Kinder schon mal bis zu einem Verkaufswert von knapp 400.000 Euro steuerfrei bleiben, obwohl die Grenze, ab der Töchter und Söhne Geschenke versteuern müssen, bei 205.000 Euro liegt.

Ein Privileg, das kippen könnte, wenn das Bundesverfassungsgericht im Laufe dieses Jahres entscheidet, dass Immobilien nicht anders bewertet werden dürfen als etwa Schmuck oder Aktien.

Ganz gleich wie Karlsruhe nun entscheidet: Bevor Haus- und Grundstücksbesitzer ihre Immobilien vorzeitig vererben, sollten sie sicherstellen, dass Miet- oder Pachteinnahmen weiterhin auf ihr Konto fließen, wenn sie das Geld womöglich noch benötigen. Die Schenker können sich vertraglich ein unbefristetes Nießbrauchsrecht an den Erträgen festschreiben lassen. Dann geht das Eigentum am Haus auf den Beschenkten über, doch die Erträge, also die Mieten, bleiben beim Schenker.

Querelen bei den Finck-Erben

Wer will, kann nach diesem Muster auch die Schenkung seines Eigenheims organisieren. Die Eltern lassen sich zu diesem Zweck ein Wohnrecht bis zum Tode zusichern und können so weiter über ihre vier Wände verfügen, obwohl sie ihnen nicht mehr gehören.

Trotz der für Laien verwirrenden Unübersichtlichkeit des deutschen Erbrechts lassen sich bei vorausschauender Planung die meisten Probleme beizeiten aus dem Weg räumen, und der Zugriff des Fiskus kann auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Wenn sich die Parteien allerdings weigern, nach den vereinbarten Regeln zu spielen, reichen auch ganze Heerscharen von Anwälten nicht, um den heraufziehenden Familienstreit unter der Decke zu halten.

So beschäftigen sich heute, 26 Jahre nach dem Tod des Milliardärs August von Finck senior, wieder Anwälte mit dem Nachlass des einstigen Mitinhabers des Münchener Bankhauses Merck Finck & Co. August senior hat in seinem Testament weit vorausgedacht: Er verfügte, dass der für seinen Sohn Helmut bestimmte Erbteil nach Helmuts Tod auf dessen "männliche, blutsmäßige, eheliche Kinder" übergehen soll.

Helmut mochte sich um die Betreuung des Erbes - geschätzte drei Milliarden Euro - nicht kümmern und übertrug die Verwaltung seinen Halbbrüdern August junior, genannt Gustl, und Wilhelm.

Als nun Helmuts inzwischen 20 Jahre alter Sohn Nino Einblick in sein künftiges Erbe nehmen wollte, begannen die Querelen. Die gewünschten Auskünfte will er bis heute nicht erhalten haben, auch zu einem Treffen soll es noch nicht gekommen sein. Zurzeit korrespondieren die Verwandten vor allem über ihre Anwälte.

Weil Nino es ziemlich beunruhigend findet, was er über die Investments seines Onkels Gustl in der Zeitung lesen kann, möchte er nun sichergehen, dass sein Erbteil ordnungsgemäß verwaltet wird - und wenn er dafür vor Gericht ziehen muss.

Dann hätte sich auch Nino in die lange Reihe jener Erben eingegliedert, die ihre Pfründen mit Hilfe der Justiz erstreiten müssen. In langem, zähem Kampf.

*Namen und Orte von der Redaktion geändert.

Neuregelungen beachten

Neuregelungen beachten
Wo der Fiskus kassiert - und wie man ihm entgeht

Unternehmen: Insbesondere Familienunternehmer beobachten die aktuelle Diskussion um eine Reform des Erbschaftsteuerrechts mit Sorge. Sie fürchten drastische Verschärfungen, sollte das Bundesverfassungsgericht 2006 die geltende Besteuerung des Betriebsvermögens als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verwerfen. Derzeit wird das Betriebsvermögen nicht börsennotierter Gesellschaften mit im Verhältnis zum Verkehrswert meist deutlich niedrigeren Werten besteuert. Wird diese Regelung in Karlsruhe gestrichen, muss dies aber nicht in jedem Fall höhere Erbschaftsteuern bedeuten. Es gibt Initiativen, Betriebsvermögen bis zu einem Wert von 100 Millionen Euro im Erbfall ganz steuerfrei zu stellen, wenn der Erwerber den Betrieb mindestens zehn Jahre fortführt. Fachleute wie Dietmar Gegusch, Steuerexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie, raten Familienunternehmern, abzuwarten: "Die Gefahr einer steuerlichen Mehrbelastung des Betriebsvermögens durch neue Gesetze würde ich als eher gering einschätzen."

Immobilien: Das Erben von Häusern, Wohnungen und Grundstücken ist ebenfalls steuerlich privilegiert. Der Fiskus setzt meist nicht mehr als 50 bis 60 Prozent des Verkehrswerts an. Streicht das Bundesverfassungsgericht auch diese Regelung, wird es teuer. Abhilfe schaffen Übertragungen zu Lebzeiten. Über ein so genanntes Nießbrauchsrecht können die Schenker, etwa die Eltern, ihr Haus weiter bewohnen oder die Mieterträge kassieren.

Lebensversicherungen: Bei Lebensversicherungen ist im Todesfall die komplette Auszahlung erbschaftsteuerpflichtig. Im Falle hoher Versicherungssummen werden beinahe zwangsläufig die persönlichen Freibeträge der Erben überschritten. Ehegatten sollten daher jeder eine eigene Versicherung auf das Leben des Ehepartners abschließen und auch selbst die Beiträge zahlen. Dann erwerben sie den Auszahlungsanspruch nicht per Erbe, sondern per Vertrag - ohne Erbschaftsteuer.

Liquides Vermögen: Sparbücher und Kontoguthaben werden auf Basis ihres Kurses oder Nennwertes am Todestag besteuert. Deshalb sollte der Anleger schon zu Lebzeiten Teile seines Depots auf Verwandte übertragen. Deren Freibeträge können alle zehn Jahre neu genutzt werden.

Freibeträge voll ausschöpfen

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Wie das richtige Testament Vermögen für die Familie rettet

Der Fall: Ein 50-jähriger Jurist ist Vorstandsmitglied eines mittelständischen Maschinenbauers. Seine Frau (48) hat nach der Geburt ihrer Zwillinge vor 22 Jahren ihren Job als Apothekerin aufgegeben. Das Ehepaar wohnt in seinem Einfamilienhaus am Stadtrand von München im Wert von einer Million Euro, das ihnen gemeinsam gehört.

Die Kapitalanlagen laufen alle auf den Namen des Mannes: eine vermietete Eigentumswohnung (500.000 Euro) und ein Wertpapierdepot (800.000 Euro). Zudem hat der Manager eine Risikolebensversicherung über 300.000 Euro zu Gunsten seiner Frau abgeschlossen.

Das Paar lebt in einer Zugewinngemeinschaft. Weil die Ehefrau deshalb Anspruch auf einen Teil des während der Ehe von ihrem Mann aufgebauten Vermögens hat, erhält sie nach dem Tod des Gatten 600.000 Euro steuerfrei aus dem Nachlass als so genannten Zugewinnausgleich.

Altes Testament: Das Paar hat ein so genanntes Berliner Testament. Stirbt einer der Eheleute, fällt das gesamte Vermögen zunächst an den überlebenden Partner. Erst wenn beide Eltern tot sind, erben die Kinder. Marc Jülicher, Fachanwalt für Steuerrecht in der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg: "Der Fiskus greift hier zweimal voll zu. Die Steuerbelastung ist daher unnötig hoch."

Neues Testament: Der Mann schenkt seiner Frau seine Hälfte des Hauses und sichert sich gleichzeitig ein lebenslanges Wohnrecht sowie Rückforderungsrechte, etwa für den Fall einer Scheidung. Auf diese Weise werden weder der steuerfreie Zugewinnausgleich noch der Steuerfreibetrag der Frau geschmälert.

Zudem erhalten die Kinder beim Tod des Mannes bereits die Wohnung sowie die Hälfte des Wertpapierdepots. Jurist Jülicher fasst die Vorteile zusammen: "Weil ein Teil des Vermögens vorab verschenkt wurde und die Freibeträge der Kinder bereits beim Tod des Vaters ausgenutzt werden, reduziert sich die Steuerlast erheblich."

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