Daimler Super Eight Jaguars fette Katze

Mit dem Topmodell Daimler Super Eight begeisterte Jaguar mm-Tester Thomas Schaefer. Bis der René-Lezard-Chef auf der Autobahn Gas gab.

Entscheidende Details erkennt Thomas Schaefer schon von Weitem. Etwa die üppigen geriffelten Chromleisten am Kühler und an der Kofferraumklappe der lang gestreckten Jaguar-Limousine - seit eh und je Kennzeichen der so genannten Daimler-Ausführung.

Schaefer, geschäftsführender Gesellschafter der Modemarke René Lezard aus dem fränkischen Schwarzach, weiß Bescheid über die Modellpolitik des englischen Herstellers: Seine erste Chefkarosse, die er sich 1978 nach der Gründung seines Unternehmens kaufte, war ein Jaguar XJ6 Coupé - damals ein Exot, heute eine gesuchte Rarität.

Nur über die Herkunft des Namens Daimler braucht auch er Aufklärung: Die Bezeichnung geht tatsächlich auf Gottlieb Daimler zurück, den Pionier des Automobilbaus und Mitgründer des Stuttgarter Konzerns. Der hatte sich 1896 an einer britischen Maschinenfabrik beteiligt und ihr gestattet, alle Produkte unter seinem Familiennamen zu vertreiben.

So wurde 1897 das erste Automobil der britischen Daimler Motor Company verkauft. Die emanzipierte sich bald von ihrem deutschen Gründervater; im Jahr 1960 erwarb Jaguar die Firma. Seither heißen die Topmodelle der Raubkatzen-Marke Daimler.

In den vergangenen drei Jahren baute Jaguar kein Daimler-Modell. Nun gibt es einen Neustart mit einer verlängerten Ausführung der XJ-Limousine, versehen mit den Daimler-typischen Insignien einer Edelausstattung.

Der Wagen hat, anders als seine Vorgänger, keine Zwölf-Zylinder-Maschine, sondern den gleichen kompressorgeladenen Acht-Zylinder unter der Haube wie der Range Rover Sport. Thomas Schaefer ist sofort begeistert. "Der Motor hat Biss", freut er sich gleich zu Beginn der Testfahrt, "da muss man den Tacho sorgfältig im Auge behalten."

Tatsächlich beschleunigt der Daimler in nur 5,3 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. "Er ist damit sehr viel agiler und temperamentvoller, als man bei einem so gesetzt-gediegenen Äußeren erwarten würde", bemerkt Schaefer. Dank seiner Alukarosserie wiegt der große Jaguar relativ wenig: nur 1,7 Tonnen.

Pfeifkonzert bei Tempo 220

Die Probefahrt führt auf Landstraßen den Main aufwärts an die Vogelsburg und nach Nordheim. Thomas Schaefer fällt auf, wie gut das beheizbare Lenkrad aus edlem Walnusswurzelholz in der Hand liegt, wie präzise es die Steuerbewegung an die Räder weitergibt. Auch die Sitze des Daimlers finden seine volle Zustimmung: "Wunderbar bequem, zugleich mit festem Seitenhalt. Sehr viel besser als bei meinem alten Jaguar."

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Agil und temperamentvoll: Der Daimler rauscht in nur 5,3 Sekunden auf 100 Stundenkilometer

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Relatives Leichtgewicht: Dank seiner Alu-Karosserie bringt der Super Eight nur 1,7 Tonnen auf die Waage

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Edles Interieur: "Entspricht den Premiumansprüchen, die Jaguars Daimler heute haben muss"

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Unverkennbar: Üppige geriffelte Chromleisten an Kühler und Kofferraumklappe sind das Markenzeichen der Daimler-Modelle

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Die Intarsien aus Buchsbaum, das duftende Leder, die tiefen Lammfellteppiche - die gesamte Innenausstattung, findet Schaefer, "entspricht den Premiumansprüchen, die Jaguars Daimler heute haben muss, wenn er etwa Bentley herausfordern will".

Ungemach lauert erst, als der Textilmanager auf die Autobahn einbiegt und in Richtung Höchstgeschwindigkeit beschleunigt. Zunächst irritieren hektische Lichtreflexe auf der Motorhaube. Dann, jenseits von Tempo 220, tritt ein hässlich lautes Pfeifen rechts vorn auf.

Ein Antriebsriemen? Oder doch ein Windgeräusch? "Ist doch egal", sagt Thomas Schaefer. "Solche Störungen muss Jaguar beseitigen, bevor ich den Kauf eines Daimlers erwägen könnte."


Steckbrief

mm-Kritik: Der Daimler Super Eight vereint höchsten Luxus mit einem Konzept technischer Spitzenleistungen. Der Testwagen hatte jedoch elektrische und elektronische Mängel, deren Ursache die konsultierte Fachwerkstatt nicht herausfinden konnte.

Zweimal entleerte sich die Batterie, zum Starten musste der Pannendienst anrücken. Nach Neuinstallation der Steuerungssoftware wechselte das Radio eigenständig die Wellenbereiche.

Technik: Kompressorgeladener V-8-Zylinder-Motor mit 291 kW/395 PS aus 4196 ccm; Spitze 250 km/h (abgeregelt).

Preis: ab 112.500 Euro.

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