Dienstag, 24. September 2019

WAZ Los, Kohle her!

4. Teil: Die Sado-Maso-Bombenkerle

Statt aufeinander lenkten sie ihre Angriffslust nach außen: Lebensmüde Wettbewerber schafften sie sich im Revier nicht selten vom Hals, indem sie diese so lange in Preiskriege verwickelten, bis sie mürbe waren. Dann zupften sie sie hoch wie eine Baggerschaufel ein Säckchen Blumenerde.

Guter Dritter: Die WAZ-Gruppe machte zuletzt rund zwei Milliarden Euro Umsatz
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Guter Dritter: Die WAZ-Gruppe machte zuletzt rund zwei Milliarden Euro Umsatz
Die Essener fuhrwerkten im Markt, aber fast noch lieber gern vor Gericht herum: Niemand beherrscht die schönen Künste des Wettbewerbsrechts so gut wie die Bombenkerle von der WAZ.

Ende 1999 quittierte Grotkamp den Dienst und entfaltet seither im Gesellschafterkreis eine schwächer werdende, aber immer noch kräftige Wirkung, die mit dem Attribut wohlgefällig allerdings nur unzureichend beschrieben wäre.

Unvergessen bleibt, wie gern sich das zuletzt unternehmungslustige Brost-Lager am Springer-Verlag Börsen-Chart zeigen, an der "Süddeutschen Zeitung" und an ProSiebenSat.1  Börsen-Chart zeigen beteiligt hätte.

Ebenso unvergessen bleibt auch, wie die Funke Familiengesellschaft FFG, in der sich die Funke-Töchter Gisela Holthoff (78), Renate Schubries (69) und Petra Grotkamp (62) samt Anhang organisiert haben, dagegen Einspruch erhob.

Namentlich Chefstratege Grotkamp, Gatte der Funke-Filia Petra und ein Skeptiker wie Schopenhauer, hatte gegen die Brost-Pläne wiederholt Bedenken angemeldet. Und weil nicht nur bei der WAZ, sondern auch bei der FFG das Einstimmigkeitsprinzip gilt oder doch zumindest angewandt wurde, kamen allerlei Geschäfte nicht zu Stande, gute sowohl wie schlechte.

Die Verbindung der Funkes mit den Brosts ähnelt psychologisch gesehen mithin einer Sado-Maso-Beziehung, wobei der quälende Part häufig wechselt, sodass man nie sicher sein kann, ob sie eigentlich befriedigend ist oder nicht.

Unverzüglich einer Meinung waren und sind die aneinander Geketteten nur in ihrer Passion für das Sparen, woran sie sich mangels anderer Gemeinsamkeiten berauschen können und von teuflischem Einfallsreichtum sind.

Wirtschaftlich steht die WAZ, die in den 80er Jahren viele Profitabilitätsrekorde aufgestellt hat, nicht mehr ganz so glänzend, aber immer noch gut da. Deshalb konnte sie sich einigen Firlefanz erlauben. Doch mit der Medienkrise kam ihr Wachstum zum Stillstand, die Umsätze blieben wie angewurzelt stehen.

Je mühsamer sich der Geschäftsgang gestaltete, desto gefährlicher wurde die Laune der Gesellschafter, die regelmäßig bis an die Grenze des Erlaubten gegangen waren und sich mit 80 Prozent der Unternehmensgewinne haben zuschütten lassen.

© manager magazin 4/2006
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