Dienstag, 18. Juni 2019

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

8. Teil: Des Pudels Kern

Der Fall BMW oder: Des Pudels Kern

Varta zerschlagen, Altana gespalten, Delton vor dem Ausverkauf - was bleibt vom Milliardenimperium der Quandts?

Prunkstück BMW: Seit das Rover-Debakel beendet ist, entwickelt sich der 47-Milliarden-Euro-Konzern blendend
Vor allem: BMW.

Anno 1959 hatte Herbert Quandt knapp die Hälfte der BMW-Aktien übernommen und so die sieche Firma vor der Pleite bewahrt. Mit einem untrüglichen Gespür für unternehmerische Talente setzte er Eberhard v. Kuenheim (77) ans BMW-Lenkrad. Innerhalb von knapp drei Jahrzehnten chauffierte v. Kuenheim den Autohersteller in die internationale Spitzengruppe.

Doch dann patzte der Wundermanager. Der Kauf des britischen Rover-Konzerns - v. Kuenheim stand zu jener Zeit dem BMW-Aufsichtsrat vor -, mündete in ein Desaster. 1999 gefährdeten die milliardenhohen Rover-Verluste die Existenz der gesamten BMW-Gruppe.

Die Familie beschloss in enger Abstimmung mit v. Kuenheim die Abberufung von BMW-Chef Bernd Pischetsrieder (58) und Entwicklungsvorstand Wolfgang Reitzle (57). Ein Jahr später wurde das Rover-Abenteuer beendet.

Die schmerzhafte BMW-Episode belegt eine Stärke der Quandts: Wenn es darauf ankommt, hält die Familie zusammen, dafür sorgt schon "Königin Mutter", wie Johanna Quandt in ihrem Umfeld gern tituliert wird.

Aus dem Aufsichtsrat von BMW ist Johanna im Mai 1997 ausgeschieden. Die Familie wird heute in dem Gremium von den beiden Kindern vertreten, wobei Susanne Klatten zwar an allen Sitzungen teilnimmt, sich aber nicht sonderlich einbringt. Bruder Stefan hingegen ist als stellvertretender Vorsitzender und Präsidiumsmitglied recht aktiv.

Die geschlossen auftretenden Hauptaktionäre sind für das Autohaus von unschätzbarem Wert. Sie sorgen für Stabilität. Und auch die Familie zieht einen hohen Nutzen aus ihrem Autoengagement. Seit das Rover-Debakel beendet ist, entwickelt sich der 47-Milliarden-Euro-Konzern blendend.

Der geschäftliche Erfolg erleichtert vieles. So müssen sich die Kinder nicht um die Steuerlast sorgen, die beim Tod der Mutter anfiele. Rund eine halbe Milliarde Euro würde die Staatskasse im Erbfall einziehen, schätzt ein Experte. Für den Durchschnittsbürger viel Geld - für die Quandts nicht: Allein für 2005 flossen an Johanna, Susanne und Stefan mehr als 180 Millionen Euro BMW-Dividenden.

© manager magazin 4/2006
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