Donnerstag, 22. August 2019

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

5. Teil: Zwischen Spielwiese und Sparsamkeit

Der Fall Delton oder: Die Spielwiese

Die Geschwister Susanne und Stefan schwimmen im Geld, und dennoch üben sie sich in ungewöhnlicher Bescheidenheit. Klar, beide besitzen ein Haus in Kitzbühel, aber während sich die Society-Gemeinde zum Après-Ski verabredet, geht Susanne mit Mutter Johanna in die Dorfkirche zur Christmette.

Fehlgriff: Delton-Besitzer Stefan Quandt (mit Mutter Johanna) hat sich in der Logistik Millionenverluste eingehandelt
Meist schlicht gekleidet und spärlich geschmückt, ist Susanne Klatten der Gegenentwurf zur schrillen Hotelerbin Paris Hilton. Sie lebt zurückgezogen in ihrer Schwabinger Gründerzeitvilla, das Schwimmbad hinter dem Haus. Klatten steuert ihren BMW X 5 selbst, fliegt Lufthansa statt Privatjet.

Auch Bruder Stefan liebt den geräuschlosen Auftritt. Er wohnt im obersten Stockwerk eines Frankfurter Apartmenthauses auf rund 200 Quadratmetern, mit Balkon und Galerie. Seine Hochzeit im vergangenen Herbst feierte er mit nur ein paar Dutzend Gästen im spießbürgerlich-gediegenen Restaurant "Erbprinz" in Ettlingen.

Was sonst die Boulevardblätter füllen würde, blieb diesmal unbemerkt: Seine erste Tochter mit der Softwareingenieurin Katharina kam Silvester zur Welt.

Den fast manischen Wunsch nach Schutz des Privaten und den Hang zur Sparsamkeit hat Mutter Johanna (79) den Geschwistern vermittelt. Die alte Dame versucht bis heute, ihre Einkäufe selbst zu erledigen, und sie freut sich diebisch, wenn es ihr gelingt, bei Karstadt Bad Homburg ein paar Schnäppchen zu ergattern.

Und noch eines hat die gestrenge Mutter ihrem Nachwuchs eingebläut: Der ererbte Reichtum ist kein Freibrief für Müßiggang. "Mit preußischer Disziplin und Strenge gegen sich selbst", so ein Wegbegleiter der Quandts, seien die Kinder erzogen worden.

Der Sohn, der erst 16 Jahre alt war, als der Vater starb, nahm sich die Ermahnung besonders zu Herzen. Gehorsam bereitete sich Stefan auf seine Rolle als Industrieller vor: Nach Wehrdienst und Wirtschaftsingenieur-Diplom verdingte er sich als angestellter Manager.

Zunächst arbeitete er ein Jahr als Berater bei der Boston Consulting Group (BCG) in München. Dann zog es ihn zum familieneigenen Chipkartenkonzern Datacard, erst in die USA, später nach Hongkong, wo er die Marketingverantwortung für den Asien-Pazifik-Raum trug.

Nach drei Jahren Auslandsaufenthalt kehrte Quandt zurück in seine Heimatstadt Bad Homburg. Jetzt endlich, so erinnert sich ein Gefährte, "wollte sich Stefan als Unternehmer beweisen" - in seiner eigenen Delton AG. Doch es dauerte noch eine Zeit lang, bis Quandt den Befreiungsschlag wagte.

© manager magazin 4/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung