Freitag, 23. August 2019

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

4. Teil: Geld statt Gesellinnenstück

Fest steht: Auf die Rolle der Unternehmerin hat sich Klatten nur theoretisch vorbereitet. Sie machte eine Lehre als Werbekauffrau, studierte Betriebswirtschaft und absolvierte Praktika bei zwei Banken, bei McKinsey und im Regensburger Werk von BMW.

Ausstieg: Altana-Aktionärin Susanne Klatten sucht für die Pharma-Sparte einen Partner oder Käufer
1989 heuerte die 27-Jährige als Assistentin der Geschäftsführung im Verlagshaus Burda an, doch noch ehe sie wirklich Berufserfahrung sammeln konnte, zog sie sich ins Private zurück: Die Milliardärin heiratete im Mai 1990 den damaligen BMW-Ingenieur Jan Klatten (51) und widmete sich fürderhin den drei Kindern, die in den 90ern zur Welt kamen.

Um das anvertraute Erbe kümmert sich die Altana-Mehrheitsaktionärin nur als Aufsichtsrätin; ab 1993 als einfaches Mitglied, seit 1996 ist sie stellvertretende Leiterin des Gremiums. Sie erscheint regelmäßig zu den Sitzungen, packt ihre Aktentasche mit den Unterlagen aus und mischt sich ansonsten nicht groß in die Debatte ein. "Meist stellt sie Verständnisfragen", berichtet ein Aufsichtsrat, "die wichtigen Dinge hat sie schon vorher mit Schweickart geklärt."

Ohne den Altana-Patriarchen Schweickart läuft wenig in der stilvoll eingerichteten neuen Zentrale in Bad Homburg. Bei den Mittagessen nach Aufsichtsratssitzungen thront er in der Mitte des lang gezogenen Tisches, seine Großaktionärin sitzt ihm gegenüber, ihr zur Seite Aufsichtsratschef Justus Mische (68). Per Knopfdruck dirigiert Schweickart die Speisenfolge; hat er es eilig, fällt schon mal das Dessert aus.

Nur langsam emanzipiert sich Klatten von Mr. Altana, im Großen wie im Kleinen. Beim Bau der neuen Zentrale intervenierte sie, weil ihr das pilzförmige Vordach zu weit in die Landschaft ragte.

Als im Aufsichtsrat der Vertreter der leitenden Angestellten anmerkte, warnende Stimmen über die Schwäche der Pharmasparte habe es intern schon früher gegeben, bohrte sie nach. Schweickart wollte die Chemiezentrale nach Bad Homburg holen - die Abteilung bleibt in Wesel.

Die Befreiung vom Übervater kommt jedoch zu spät. Vor einigen Monaten mussten Schweickart und Klatten eingestehen, dass Altana in seiner jetzigen Form nicht bestehen könne. Noch im laufenden Jahr wandelt sich die Chemiesparte in ein börsennotiertes Unternehmen; für den Pharmabereich sucht Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen zunächst einen Partner, am Ende steht wohl der Verkauf.

Ein schwieriger Job für die Investmentbanker. Nach den Forschungsfehlschlägen und angesichts des näher rückenden Patent-Endes von Panto verliert Altana zusehends an Attraktivität. Viele potenzielle Interessenten haben schon abgewinkt.

Mag sein, dass der Pillenriese Novartis Börsen-Chart zeigen den deutschen Pharmamittelständler für ein paar Milliarden Euro übernimmt. Möglich auch, dass der Name Altana erhalten bleibt, weil die neue Chemiefirma in den Mantel der Holding schlüpft.

So oder so: Das Herzstück der Altana geht verloren. Susanne Klatten hat mit dem Konzern jede Menge Geld verdient, ihr unternehmerisches Gesellinnenstück aber hat sie nicht abgeliefert.

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