Montag, 24. Juni 2019

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

3. Teil: Bad Homburger Notoperation

Der Fall Altana oder: Die Notoperation

Während Sabina, Sonja und Sven mit Varta eine renommierte Marke geerbt hatten, entfiel auf die Halbschwester Susanne (aus der dritten Ehe ihres Vaters) die damals völlig unbekannte Altana AG - und gerade dieses zusammengewürfelte Kunst-Werk sollte sich zunächst als Glücksfall erweisen.

Auslaufmodell: Altana-Chef Schweickart war lange Hauptratgeber von Aktionärin Susanne Klatten; nun emanzipiert sie sich
In die 1977 gegründete Firma hatte Herbert Quandt alles mögliche hineingepackt - Kindernahrung (Milupa), Parfüms (Mouson) und Medikamente. Ein eher dröger Verbund, der erst zu pulsieren begann, als Nikolaus Schweickart (62) 1990 den Vorstandsvorsitz übernahm. Er konzentrierte sich auf Pharma und Chemie, und er hatte riesigen Erfolg mit dem Magenmittel Pantoprazol (kurz: Panto).

1994 kam Panto auf den Markt, seither reiht sich ein Gewinn- und Umsatzrekord an den nächsten. Allein in den Jahren 2000 bis 2005 kassierte Susanne Klatten mehr als 330 Millionen Euro an Dividenden.

So schön die Zahlen sind, so schlecht ist der Konzern für die Zukunft gerüstet. Rund 40 Prozent der Erlöse von 3,3 Milliarden Euro macht Altana mit Panto, der Anteil am Jahresüberschuss liegt noch viel höher. Aber der Renditerausch wird nicht mehr lange anhalten. Die Panto-Patente laufen in Deutschland 2009 und in Amerika 2010 aus; dann brechen Umsatz und Gewinn brutal ein.

Vergänglicher Renditerausch: Altana konnte bis heute keinen Nachfolger für das erfolgreiche Magenmittel Pantoprazol entwickeln
Ein Nachfolgeprodukt gibt es nicht. Das Medikament Venticute blieb 2001 in der Entwicklung stecken. Das neue Asthmamittel Alvesco schaffte vergangenes Jahr gerade mal acht Millionen Euro Umsatz. Und das Atemwegspräparat Daxas erlitt einen schweren Rückschlag: Der US-Konzern Pfizer Börsen-Chart zeigen ließ im letzten Sommer die Entwicklungskooperation mit Altana platzen, Monate später musste Schweickart den europäischen Zulassungsantrag für Daxas zurückziehen.

Die Börsianer haben die Forschungskrankheit der Altana bitter bestraft. Der Aktienkurs sackte 2002 ab; nach dem Allzeithoch von 64,50 Euro dümpelt er jetzt bei nur noch 48 Euro. Schweickart indes beharrte auf der Selbstständigkeit der Altana. Während sich ringsum Pharmakolosse formierten, setzte er darauf, dass die kleine Altana (Pharmaerlös: 2,4 Milliarden Euro) die milliardenteure Forschung aus eigener Kraft stemmt.

Eine Fehleinschätzung, die Klatten nicht korrigierte. Wirkten die hohen Dividenden wie Baldrian? Oder fehlte es ihr an Durchsetzungskraft gegenüber dem selbstbewussten Schweickart?

© manager magazin 4/2006
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