Montag, 16. September 2019

Aktienfonds Die Formel

Eine Hand voll Fondsmanager setzt allein auf komplexe Computerprogramme und höhere Mathematik. Das Verblüffende: Sie sind extrem erfolgreich. manager magazin hat den Markt sondiert und jene Aktienfonds ausgewählt, die bereits seit Jahren überzeugen.

London City, Devonshire Square, im Zentrum des Finanzdistrikts der britischen Kapitale. Zwischen imposanten Glasfassaden hasten Männer in dunklen Dreiteilern und Frauen in eleganten Kostümen die Straßenschluchten entlang. Mit einem Pappbecher Kaffee in der Hand eilen sie von der U-Bahn in ihre Büros, hetzen von einer Besprechung zum nächsten Meeting, von der Analystenpräsentation zum Conference Call oder zum Geschäftsessen zwischendurch.

Formeln statt Bauchgefühl: Wie Fondsmanager mit höherer Mathematik hohe Renditen erzielen
[M] DPA / manager-magazin.de
Formeln statt Bauchgefühl: Wie Fondsmanager mit höherer Mathematik hohe Renditen erzielen
In diesem Gewimmel wirkt Agustin Sevilla oft wie ein Fremdkörper. Anzug und Krawatte trägt er nur zu Fototerminen und offiziellen Anlässen, ansonsten Polohemd und leger geschnittene Hosen. Dazu strahlt der gebürtige Mexikaner mit dem Groucho-Marx-Schnauzer eine schon provozierende Ruhe aus. Nichts deutet darauf hin, dass Sevilla 13 Milliarden Euro Kundengelder im Rücken hat.

Auch sonst gibt sich der Europa-Chefstratege der Fondsboutique Axa Rosenberg, einer Tochter des französischen Versicherungsriesen Axa, nicht den üblichen Branchenritualen hin. Keine langen Diskussionen mit Analysten, keine getriebenen Blicke zum Bildschirm, wo gerade Dax Börsen-Chart zeigen, FTSE 100 Börsen-Chart zeigen oder CAC 40 Börsen-Chart zeigen aufflackern, und keine Telefonate mit Brokern über die Stimmung im Markt.

Sevillas Arbeit wird von endlosen Zahlenkolonnen, hoch komplexen mathematischen Formeln sowie von Bits und Bytes bestimmt. Seit 1989 feilt der studierte Mathematiker mit einem Doktor in Operations Research an dem Computerprogramm, das Firmengründer Barr Rosenberg Mitte der 80er Jahre entwickelt hat. Bis heute meldet es Sevillas 14-köpfigem Team die attraktivsten Titel weltweit. Statt den neuesten Börsenmoden hinterherzurennen, verbringt Sevilla den Großteil seiner Zeit damit, die Formel weiterzuentwickeln, damit die Aktienauswahl, die der Rechner ausspuckt, noch ein bisschen feiner, noch ein wenig präziser wird.

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Mit großem Erfolg. Die 14 in Deutschland angebotenen Aktienfonds von Axa Rosenberg glänzten in den vergangenen Jahren mit Topergebnissen, lagen zumeist besser als der Durchschnitt der Konkurrenz. Der "Pan-European Equity Alpha" Börsen-Chart zeigen etwa verbuchte im letzten Jahr einen Wertzuwachs von 30,3 Prozent. Die Konkurrenz kam im Schnitt nur auf 25,3 Prozent.

Sevilla gehört in der Finanzindustrie zu einer kleinen oft als "Geeks" oder "Freaks" belächelten Randgruppe - Mathematiker, Physiker, Informatiker, in jedem Fall Typen mit einer ausgeprägten Neigung zu komplexen Modellen und Furcht einflößenden Formeln. Sie managen ihre Aktienbestände allein mit Hilfe des Computers, der in letzter Konsequenz die Entscheidung über Ein- oder Ausstieg bei jeder Aktie im Depot auf Grundlage rein quantitativer Analysen vorgibt. "Quants" heißen diese Fondsmanager daher in der Szene.

Ihre Ergebnisse sind vielfach beeindruckend. Den Besten gelingt es nicht nur, seit Jahren besser als die meisten Konkurrenten abzuschneiden, sie lassen auch regelmäßig die großen Börsenindizes hinter sich.

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