Spitzenhotels Luxus ohne Prunk

Über Holzkohle in der Küche, Flatscreens in Badezimmern und die Notwendigkeit eines Butlerservice sprach manager magazin mit Hyatt-Chef Bernd Chorengel.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

mm:

Herr Chorengel, wie schafft man es vom Koch der Bahnhofsgaststätte Bergedorf zum Chef eines der weltweit führenden Luxushotelkonzerne?

Chorengel: Da war Glück im Spiel. Ich bin mit 20 aus Deutschland weggegangen, zur See gefahren und Mitte der 60er Jahre in Thailand gestrandet. Zwei Jahrzehnte lang arbeitete ich in der Hotellerie in Hongkong, Singapur, überall in Asien. Mit 28 war ich Geschäftsführer des größten Hotels in Singapur. Danach habe ich Herbergen in ganz Asien aufgebaut.

mm: Und das ohne Hotellerieausbildung?

Chorengel: Nicht ganz, ich habe ein bisschen in der Hotelfachschule in Bad Wiessee aufgeschnappt, dann ein wenig in Westberliner Hotels dazugelernt. Ich wollte damals nicht zur Bundeswehr und Erbsensuppe für die Armee kochen.

mm: Die Hotelgruppe Hyatt International, die Sie seit 1984 leiten, definiert sich über eine neue Art Luxus. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Chorengel: Ich kenne sehr viele Kulturen und versuche, die Lebensweisen anderer Nationen und Menschen zu kombinieren, chinesischen und japanischen Luxus in unsere Hotels hineinzuziehen. Ob das nun der Service ist, das Essen oder die Innenausstattung. Daraus entsteht ein neuer internationaler Stil, der verschiedene Kulturen integriert.

center plain Mercedes GL: Über fünf Meter Länge laden zur Geländetour ein center plain Riese: Auf der Automesse in Detroit präsentierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche einen Mercedes GL 320 Bluetec center plain Geräumig: Der Mercedes GL bietet Platz für sieben Sitze

Mercedes GL: Europas Gelände ruft
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Innenhof: Das Hyatt Hotel in Hamburg ist in ein altes Kontorhaus eines Reeders von 1912 eingezogen

Innenhof: Das Hyatt Hotel in Hamburg ist in ein altes Kontorhaus eines Reeders von 1912 eingezogen

Foto: DDP
Atrium: Faszinierender Blick hoch zur Glaskuppel im Treppenhaus

Atrium: Faszinierender Blick hoch zur Glaskuppel im Treppenhaus

Foto: DDP
Lounge: Die Räume sind mit Fußböden und Wandpaneelen aus schönen Hölzern eingerichtet

Lounge: Die Räume sind mit Fußböden und Wandpaneelen aus schönen Hölzern eingerichtet

Foto: DDP
Pool-Bereich: Rettungsringe erinnern an den um die Ecke gelegenen Hafen

Pool-Bereich: Rettungsringe erinnern an den um die Ecke gelegenen Hafen

Foto: DDP


mm: Worin unterscheidet sich ein "Hyatt" von anderen Luxushotels?

Chorengel: "Hilton", "Interconti", "Sheraton" oder "Four Seasons" machen überall auf der Welt das Gleiche, das Zimmer in Hongkong sieht so aus wie das in Frankfurt. Der Gast aber möchte wissen, in welcher Stadt er ist, wenn er morgens aufwacht.

mm: Daran sollen ihn Architektur und Einrichtung der Häuser erinnern. Nach welchen Kriterien suchen Sie die aus?

Ein Koch auf der Theaterbühne

Chorengel: Die Gebäude sollen sich in die lokalen Gegebenheiten einpassen. In Hamburg zum Beispiel sind wir in das Kontorhaus eines Reeders von 1912 eingezogen. Und haben es wieder hergerichtet, mit Fußböden und Wandpaneelen aus schönen Hölzern. Dazu haben wir überall alte Truhen aufgestellt, die damals bei reichen Kaufleuten in den Schlafzimmern standen. Ähnlich verfahren wir in Peking oder Mumbai.
mm: Ihre Hotels sind sachlich und naturnah, kein Prunk, kein Protz. Warum so schlicht?

Chorengel: Junge Leute von 30 bis 35 Jahren sind die Gäste der Zukunft. Die haben andere Vorstellungen vom Lebensstil als meine Generation, die einen Hang zu Plüsch und Laura-Ashley-Dekoration pflegt. Wir setzen in unseren Häusern dagegen auf Eleganz und Modernität. So schätze ich edle alte Materialien wie Eiche, Kirsche, auch traditionelle Stoffe, die wir auf moderne Art präsentieren.

mm: In den "Park Hyatts" verfügen Sie auch über einen Butlerservice. Was dürfen wir von Ihren Kammerdienern erwarten?

Chorengel: Fleißige Helfer, die Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen. Wenn Sie ankommen: Darf ich den Koffer auspacken? Darf ich die Wäsche waschen? Darf ich sie bügeln? Möchten Sie Tee trinken? Was wünschen Sie am Morgen zum Frühstück?

Die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen im Überblick (gültige Stimmen in Prozent) *

    Wahl-betei-ligung CDU CSU** SPD FDP GRÜ PDS Sonst. Regierung nach der Wahl
Nordrhein-
Westfalen
14.05.00 56,7 37,0 42,8 9,8 7,1 - 3,3 SPD/GRÜ
Schleswig-
Holstein
27.02.00 69,5 35,2 43,1 7,6 6,2 - 7,9 SPD/GRÜ
Berlin 10.10.99 65,5 40,8 22,4 2,2 9,9 17,7 7 CDU/SPD
Sachsen 19.09.99 61,1 56,9 10,7 1,1 2,6 22,2 6,5 CDU
Thüringen 12.09.99 59,9 51,0 18,5 1,1 1,9 21,3 6,1 CDU
Brandenburg 05.09.99 54,3 26,5 39,3 1,9 1,9 23,3 7 SPD-Koalition
Saarland 05.09.99 68,7 45,5 44,4 2,6 3,2 - 4,3 CDU
Bremen 06.06.99 60,1 37,1 42,6 2,5 8,9 2,9 6,0 SPD/CDU
Hessen 07.02.99 66,4 43,4 39,4 5,1 7,2 - 4,9 CDU/FDP
Mecklenburg-
Vorpommern
27.09.98 79,4 30,2 34,3 1,6 2,7 24,4 6,8 SPD/PDS
Bayern 13.09.98 69,8 52,9 28,7 1,7 5,7 - 11,0 CSU
Sachsen-
Anhalt
26.04.98 71,5 22,0 35,9 4,2 3,2 19,6 15,0 SPD (PDS-toleriert)
Niedersachsen 01.03.98 73,8 35,9 47,9 4,86 7,0 - 4,3 SPD
Hamburg 21.09.97 68,7 30,7 36,2 3,5 13,9 0,7 15,0 SPD/GRÜ
Baden-
Württemberg
24.03.96 67,6 41,3 25,1 9,6 12,1 - 11,9 CDU/FDP
Rheinland-
Pfalz
24.03.96 70,8 38,7 39,8 8,9 6,9 - 5,7 SPD/FDP
*) Nur eine Stimme in Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein; in Bayern: Gesamtstimmen = Addition von Erst- und Zweitstimmen; übrige Länder: Zweitstimmen **) CSU nur in Bayern
Blick auf den Dom: Das Bett in der John F. Kennedy-Suite ist zwei mal zwei Meter groß

Blick auf den Dom: Das Bett in der John F. Kennedy-Suite ist zwei mal zwei Meter groß

Foto: DPA
Schlichte Fassade: Das am Rhein gelegene Hyatt Hotel ist für den Reisenden eine der ersten Kölner Adressen

Schlichte Fassade: Das am Rhein gelegene Hyatt Hotel ist für den Reisenden eine der ersten Kölner Adressen

Foto: DDP
Whirlpool: Großzügiges helles Bad im sechsten Stock läßt keine Wünsche offen

Whirlpool: Großzügiges helles Bad im sechsten Stock läßt keine Wünsche offen

Foto: DPA


mm: Wird dieser Service genutzt?

Chorengel: Nicht von jedem Gast. Asiaten und Südamerikaner lieben dieses Angebot, während die Deutschen lieber zufrieden gelassen werden und keinen sehen wollen.

mm: Sie legen in Ihren Häusern Wert auf Gourmetküche und gute Weine. Aber Michelin-Sterne versuchen Sie nicht zu erreichen. Warum nicht?

Chorengel: Wir haben viele junge Köche, die fantastisch kochen können, die sich aber nicht der französisch dominierten Michelin-Bewertung unterwerfen wollen.

mm: Sie haben dafür als Erster die Showküche eingeführt, in der das Essen vor den Augen der Gäste zubereitet wird.

Chorengel: Ich habe mich als Koch immer über zwei Dinge geärgert. Erstens darüber, dass den Kellnern immer gesagt wurde, das Essen sei gut, und die Kellner mir anschließend weismachen wollten, das Essens sei schlecht gewesen. Die Kellner kriegen das Trinkgeld, und der Koch muss malochen.

100 Millionen Chinesen auf Achse

Zweitens, dass der Koch immer hinten steht und gar nicht weiß, wer da vorn isst. Dann habe ich mir überlegt, dem Gast zu zeigen, wie gekocht wird. Unsere Küchen sind so konzipiert, dass der Gast hineingehen und in die Töpfe gucken kann. Als wir es dann ausprobiert haben, haben wir festgestellt, dass auch die Köche viel besser werden, weil sie plötzlich wie im Theater auf der Bühne stehen.
mm: Derzeit entwickeln Sie in Asien eine Reihe neuer Häuser, mit Schwerpunkt in China ...

Chorengel: ... 35 in China, 25 in Indien, 7 im Mittleren Osten und 5 in ehemaligen Sowjetrepubliken und noch ein paar in Südamerika.

mm: Was werden diese Häuser Neues bringen?

Chorengel: In Moskau machen wir in zwei Jahren ein neues Grandhotel auf, dort implantieren wir dann, was gerade in den Bars und Clubs von New York angesagt ist.

Oder aus Paris den jüngsten Küchentrend, offene Kochstellen mit Öfen, in denen auf Kohlen von verschiedenen Hölzern gekocht wird, damit die Speisen jeweils deren Aromen annehmen.

In den Zimmern wird es immer mehr Elektronik geben, Flatscreens auch in jedem Bad. Und Fernsehapparate als Entertainmentcenter, mit Musik, Computerspielen und Videos.

mm: Chinesische Gäste liegen Ihnen offenbar besonders am Herzen. Aus Neigung oder aus Geschäftssinn?

Chorengel: Vergangenes Jahr waren 20 Millionen Chinesen außerhalb Chinas unterwegs. Mehr und mehr Städte werden dort an das internationale Flugnetz angeschlossen, bald wird es 20 Städte geben, von wo aus Frankfurt direkt angeflogen wird. In sechs, sieben Jahren werden 100 Millionen Chinesen auf Achse sein. China wird zum größten Reiseland der Welt.

mm: Sind denn Chinesen bereit, Preise der Spitzenhotellerie zu bezahlen?

Chorengel: Die bezahlen mehr als andere. In unseren Hotels kostet die Tasse Kaffee sechs Dollar. Die Deutschen fragen: Wie bitte, sechs Dollar? Die Chinesen sagen: no problem.

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