Sonntag, 18. August 2019

Ökotechnik Das grüne Jahrhundert

6. Teil: Die Perspektive hoher Energiepreise 

Schon heute wachsen die deutschen Cleantech-Branchen zum Teil dreimal stärker als die Gesamtökonomie. Und es kann noch besser kommen: Im Weltmarkt für Windenergie, die deutschen Anlagenbauer sind hier führend, sagen die Branchenexperten zum Beispiel ein Wachstum um 80 Prozent bis zum Jahr 2012 voraus.

Schrott zu Geld machen: Werner Marnette, Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie, ließ in Nordrhein-Westfalen die modernste Anlage zur Aufbereitung von Computerschrott bauen. Heute ist die "Affi" Weltmarktführer für Kupferrecycling. Das purifizierte Metall erzielt Höchstpreise.
Norbert Enker
Schrott zu Geld machen: Werner Marnette, Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie, ließ in Nordrhein-Westfalen die modernste Anlage zur Aufbereitung von Computerschrott bauen. Heute ist die "Affi" Weltmarktführer für Kupferrecycling. Das purifizierte Metall erzielt Höchstpreise.
Eine reizvolle Perspektive - auch im Hinblick auf den Klimaschutz. Im Kioto-Protokoll haben sich weltweit 155 Nationen verpflichtet, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2012 um 5,2 Prozent zu senken - verglichen mit dem Niveau von 1990.

Mit spärlichem Erfolg, zumal Industrienationen wie Spanien, aber auch Schwellenländer wie China den Ausstoß weiter nach oben treiben. Die USA, weltweit der größte CO2-Emittent, weigern sich beharrlich, das Kioto-Protokoll zu ratifizieren.

Nun könnten die auf Dauer hohen Energiepreise auch den Klimaschutz voranbringen; der Marktmechanismus könnte besorgen, was die globale Umweltpolitik bislang nicht schaffte.

Die Nachfrage nach energiesparenden Produkten dürfte explodieren. Der Chemiegigant BASF Börsen-Chart zeigen setzt dabei auf Neopor. Dieser Baustoff, eine Weiterentwicklung des altbekannten Styropor, dämmt so gut Wärme, dass sich allein durch die Verwendung von Neopor-Mauerelementen die Heizkosten um bis zu 80 Prozent senken lassen.

Im Ludwigshafener Brunckviertel, in direkter Nachbarschaft zum Werksgelände der BASF, steht eine neue Musterhaussiedlung, gebaut aus Neopor-Elementen, mit Isolierglasfenstern und vielen anderen Energiesparmaßnahmen.

Deren Heizungen verbrauchen jährlich nur einen Liter Öl je Quadratmeter Wohnfläche. So kommt eine Familie mit 70 Euro Heizkosten pro Jahr aus - und das bei einem Ölpreis von 50 Cent je Liter.

Schlüsselfertig kosteten die Ludwigshafener Ein-Liter-Häuser kaum mehr als vergleichbare Reihenhäuser aus herkömmlichen Materialien. Bei BASF rechnet man deshalb in den nächsten Jahren mit kontinuierlich zweistelligen Wachstumsraten für die Neopor-Umsätze.

© manager magazin 2/2006
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