Donnerstag, 22. August 2019

Ökotechnik Das grüne Jahrhundert

5. Teil: Bioethanol in der deutschen Ölbranche

Und die Vertriebswege. Denn anders als etwa in Schweden, wo ein Gemisch (E85) aus Bioethanol und Benzin längst auf dem Markt etabliert ist, haben sich die deutschen Mineralölkonzerne und die Autofahrer noch nicht mit Bioethanol angefreundet. Erlaubt ist lediglich ein Zusatz von 5 Prozent zum handelsüblichen Benzin.

Billiger als der fossile Brennstoff ist das Biobenzin ab einem Rohölpreis von 70 Dollar je Fass. Im August vergangenen Jahres war die Ethanolfabrik somit kurz aus eigener Kraft wettbewerbsfähig. "Bei den zu erwartenden Preisentwicklungen auf dem Ölmarkt wird das schon bald dauerhaft so sein", sagt Guderjahn. Sein Mutterkonzern will deshalb schnellstmöglich ähnliche Anlagen wie in Zeitz errichten. Als Nächstes wird ein Standort in Belgien geprüft.

Langfristig könnte Südzucker so ein zweites Standbein außerhalb der Lebensmittelindustrie aufbauen - vielleicht sogar die rettende Strategie, wenn demnächst die Zuckermärkte globalisiert und die Protektion der heimischen Rübenverarbeitung beendet sein wird.

Ein ähnlicher Coup ist der Norddeutschen Affinerie (NA) Börsen-Chart zeigen bereits gelungen: Die Kupferhütte profitiert heute doppelt von ihrem Technologievorsprung. Denn seit in Europa immer strengere Regeln für die Entsorgung von Elektronikschrott gelten, hat sich das Unternehmen eingeklinkt in die aufwändige Logistik für das Sammeln und Aufbereiten der gigantischen Müllberge. Parallel dazu hat die Norddeutsche Affi im westfälischen Lünen ein Hüttenwerk für modernes Kupferrecycling renoviert.

Dort produziert die NA jährlich 200.000 Tonnen Kupfer - mehr als ein Drittel der deutschen Gesamtproduktion. Das Recycling wird somit "zur größten Kupfermine der Welt", wie es in der Branche heißt - und die NA ist mit ihrer Hütte in Lünen zum Weltmarktführer für die Wiedergewinnung des Metalls aufgestiegen.

"Ein doppeltes Geschäft", frohlockt der Vorstandsvorsitzende Werner Marnette, der sein hochreines Recyclingkupfer teuer verkaufen kann an Elektronikhersteller und andere industrielle Kunden. Kupfererz ist derzeit äußerst knapp auf dem Weltmarkt. Der Preis ist in den vergangenen drei Jahren um 160 Prozent gestiegen - durch Spekulationen auf den Warenterminmärkten und durch den Rohstoffhunger Chinas. Ein Wachstum, das viele Jahre anhalten dürfte: Die Elektrifizierung einer einspurigen Eisenbahnstrecke verschlingt pro Kilometer Oberleitung rund eine Tonne Kupferdraht.

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