Samstag, 19. Oktober 2019

Ökotechnik Das grüne Jahrhundert

4. Teil: Wie Südzucker aus Korn Sprit herstellt

Bislang waren Sunfuels wegen der niedrigen Ölpreise nur konkurrenzfähig, wenn sie - wie in Deutschland - geringer besteuert wurden. Doch diese Verhältnisse ändern sich nun.

Sprit aus Korn: Lutz Guderjahn leitet die neue Bio-Ethanolanlage in Zeitz (Sachsen-Anhalt). Gemahlener Weizen wird vergoren, der daraus gewonnene Alkohol zu Treibstoff für Ottomotoren konzentriert. Die getrockneten Rückstände sind Proteinfutter für Rinder.
Martin Jehnichen
Sprit aus Korn:
Lutz Guderjahn leitet die neue Bio-Ethanolanlage in Zeitz (Sachsen-Anhalt). Gemahlener Weizen wird vergoren, der daraus gewonnene Alkohol zu Treibstoff für Ottomotoren konzentriert. Die getrockneten Rückstände sind Proteinfutter für Rinder.
Auch für "Synfuels". Diese Kraftstoffe gelten als besonders rein, weil sie in der Retorte synthetisiert werden, etwa aus Erdgas. Die weltweit größte Fabrik entsteht derzeit ausgerechnet im Ölscheichtum Katar am persischen Golf.

Den pfiffigsten Ansatz für alternative Treibstoffe verfolgt jedoch abermals ein deutsches Unternehmen, obendrein ein branchenfremdes: Im sachsen-anhaltinischen Zeitz betreibt die Südzucker AG Börsen-Chart zeigen seit vergangenem Frühjahr eine Anlage zur Herstellung von Bioethanol. Der Kraftstoff für Ottomotoren - Brasilien deckt mit Sprit aus Zuckerrohr rund 30 Prozent seines Benzinbedarfs - ist chemisch identisch mit dem Wirkstoff aus Bier, Rum, Whisky oder Brennspiritus.

Rund 200 Millionen Euro hat Südzucker investiert und damit zunächst Europas größte Kornmühle gebaut. Denn in Zeitz wird der Sprit aus Weizen vergoren. Dazu müssen jährlich 700.000 Tonnen Getreide zunächst geschrotet werden. Die Anlieferung besorgen ein riesiger Güterzug und ein paar Dutzend Lkw - werktags wie sonntags.

Über der Anlage liegt nicht etwa der Dunst einer Weißbierbrauerei oder gar einer Schnapsbrennerei, sondern ein zarter Duft wie von geröstetem Brot. Denn das Getreide enthält auch Proteine, die beim Vergärungsprozess im Korn bleiben. Die Rückstände werden in Form gepresst und als Proteinlieferant an Rinder verfüttert. Beim Trocknen der Pellets entsteht der Geruch.

Jährlich verlassen 200.000 Tonnen Treibstoff und 260.000 Tonnen Viehfutter die Großanlage. Aus ökologischer Sicht liegt der Clou darin, dass das Ethanolwerk keine schädlichen Rückstände in die Umwelt entlässt. Die Differenz von 240.000 Tonnen zwischen der angelieferten Rohstoffmenge und der Produktmasse entweicht als unschädlicher Wasserdampf und Kohlendioxid. "Völlig klimaneutral", betont Geschäftsführer Lutz Guderjahn. "Schließlich stammt das CO2 aus Biomasse."

Rund 20 Prozent des deutschen Benzinbedarfs ließen sich mit Bio-Ethanol decken, würden die Weizenüberproduktion vergoren und jene Flächen wieder mit Getreide bebaut, die derzeit brachliegen, weil die EU diesen Nutzungsverzicht als Naturschutz subventioniert. Freilich fehlten dann immer noch die entsprechenden Kapazitäten zur Ethanolproduktion.

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