Dienstag, 15. Oktober 2019

Ökotechnik Das grüne Jahrhundert

2. Teil: Schmutzige Technologien sterben aus

Die Rahmenbedingungen haben sich radikal geändert. Der Ölpreis und die Preise für Industrierohstoffe sind nach oben geschossen. Die meisten Experten rechnen für die nächsten Jahrzehnte mit einem weiteren Anstieg. Eine Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts und der Berenberg Bank kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2030 sogar eine Verdreifachung des derzeit schon hohen Ölpreises möglich ist.

Weltmeister im Umweltschutz: Fortschritte in der Umwelttechnik bringen Deutschland auf Spitzenplätze in der Rangliste der G7-Staaten
Umwelt-
schutz Aus-
gaben1
Staats-
ausgaben für Umwelt-
schutz2
CO2-
Emission3
Schwefel-
oxid4
Stick-
stoff-
oxid4
Industrie-
abfälle3
Deutschland 2 2 5 1 2 1
Frankreich 1 3 1 3 4 5
Großbritannien 6 5 3 5 5 3
Italien 5 4 2 4 3 1
Japan 3 6 4 1 1 4
Kanada 4 1 6 7 7 k.A.
USA k.A. 7 7 6 6 k.A.
1) Ausgaben zur Verminderung und Kontrolle von Umweltverschmutzung in Prozent des BIP; 2) Anteil am Staatshaushalt; 3) Tonnen je US-Dollar BIP; 4) jährliche Emission in Kilogramm pro Kopf. Datenquelle:OECD

Die auf Dauer hohen Rohstoffpreise stoßen eine weltweite ökonomische Wende an. Ressourcensparen ist kein Luxus der reichen Gesellschaften mehr, sondern handfeste betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Schmutzige Technologien sind zum Aussterben verurteilt. "Cleantech", davon sind viele Experten überzeugt, gehört die Zukunft.

Auch die zunehmenden Umweltprobleme - von der Hurrikan-Katastrophe in New Orleans bis zum verseuchten Trinkwasser in China - erzwingen den verstärkten Einsatz grüner Technologien. Selbst Chinas Regierung reagiert inzwischen mit strengen Gesetzen auf die unübersehbaren Öko-Schäden.

Es sieht so aus, als würde das 21. Jahrhundert eine grüne Epoche.

Deutschlands Wirtschaft startet von einer Art Pole-Position in diese Ära. Ihren Vorsprung bei der Entwicklung ressourcenschonender Technologien und beim Vermarkten solcher Produkte verdanken hiesige Unternehmen der "ökoteutonischen" Mischung: einer umweltbewussten Öffentlichkeit plus strengen staatlichen Auflagen - und teils üppigen Subventionen.

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz fördert zum Beispiel Strom aus Windkraft so stark, dass die hiesigen Anlagenbauer zum Weltmarktführer aufstiegen. Das 100.000-Dächer-Programm der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung begünstigte den Absatz von Photovoltaik-Anlagen - und den Aufstieg von Solartechnik-Herstellern wie Conergy oder Q-Cells, die im vergangenen Jahr spektakuläre Börsengänge hinlegten.

© manager magazin 2/2006
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