Hotelbars Revolte am Tresen

Hotelbars sind nicht länger triste Abfüllstationen für einsame Business-Gäste, sondern strahlen vielerorts in frischem Charme und neuem Glamour. Von Berlin bis Zürich - manager magazin hat sich an den Hotspots umgesehen.
Von Klaus Ahrens, Rüdiger Albert und Hanno Pittner

Hier herrschte seit jeher der Friede des Herrn. Im Züricher Quartier zwischen Bahnhof- und Seestraße, im Schatten von Huldrych Zwinglis Großmünster, regierte die gediegene Langeweile von Banken, Kanzleien, Beratungsunternehmen und Parkhäusern. Hier fühlten sich die Abende leichenstarr an, eine Atmosphäre wie in einem Mausoleum.

Hotspot: Die "Onyx Bar" im Züricher "Hyatt"-Hotel setzt das ganze Viertel unter Strom

Hotspot: Die "Onyx Bar" im Züricher "Hyatt"-Hotel setzt das ganze Viertel unter Strom

Foto: Martin Stollenwerk
Nachtschwärmer: Zwischen 750 und 900 Gäste drängen sich jeden Abend in der "Onyx Bar"

Nachtschwärmer: Zwischen 750 und 900 Gäste drängen sich jeden Abend in der "Onyx Bar"

Foto: Martin Stollenwerk
Schmuckstück: Die Theke aus dem leuchtend hellen Glitzerstein ist Mittelpunkt der "Onyx Bar"

Schmuckstück: Die Theke aus dem leuchtend hellen Glitzerstein ist Mittelpunkt der "Onyx Bar"

Foto: Martin Stollenwerk


Glitzertheke:
Die "Onyx Bar" im Züricher "Hyatt"-Hotel

Bis die Jungs von "Hyatt" im fernen Chicago auf die Idee kamen, die Autodeponie an der Beethovenstraße durch einen glasglänzenden Hotelneubau zu ersetzen. Und ihm vor allem eine stattliche Bar beizugeben. Einen Tresen, nicht verborgen tief im Inneren der Herberge, sondern am Außeneck, der Stadt zugewandt, mit einem Eingang von der Straße und für neugierige Blicke weit geöffnet durch eine hohe Glasfront.

"Onyx Bar" heißt das Schmuckstück, so wie der Glitzerstein, aus dem die leuchtend helle Theke ist. Ein Renner, der seit der Eröffnung vor einem Jahr das ganze Viertel unter Strom setzt und Zürich zum Wallfahrtsort der Nachtschwärmer gemacht hat.

Zwischen 750 und 900 Gäste drängen sich jeden Abend zwischen Theke und Lounge. Türsteher mit kleinen Zählwerken in der Hand achten darauf, dass es nicht zu viele werden.

Die Hotelbar, einst plüschig gruftiger Abhängetreff für den einsamen Geschäftsreisenden, kann - wie das Beispiel Zürich zeigt - auch anders. Der Stilwechsel ist in vollem Gange und erfasst mit umstürzlerischem Furor auch alteingesessene Abfüllstationen.

DJ-Sound statt Klaviergeklimper

Eine Reihe neuer Etablissements von Berlin bis Zürich, von München bis Hamburg zeigt, wie es geht: Kühles Design statt Fin-de-Siècle-Samt, eine moderne, übersichtliche Karte mit kleinen Snacks (einschließlich des verachteten Hamburgers oder der Currywurst mit Blattgold), ein paar Martinis statt hunderter Malt-Whiskey-Sorten, DJ-Sound statt Klaviergeklimper - diese Mixtur bildet die Grundausstattung für die junge Hotelbar. Und selbstverständlich der freie Zugang von der Straße. Offenheit statt Bunkermentalität.

"Es gibt keinen Dresscode", heißt die Devise bei Barchef Domenico Di Cola in Zürich, "jeder ist willkommen." Ansonsten heißt der Mix für den Business-Ausspann: ein bisschen Glamour, ein bisschen Klasse, ein bisschen Stil, lässig vorexerziert, ohne die herkömmliche Steifheit.

Und so kommen die Leute zum Apéro, Promis von Film, Sport, Entertainment, Business-Volk aus Banken und Versicherungen - Namen verwahrt Di Cola tief in seiner Brust - zum Gesellschaftsspiel sehen und gesehen werden.

Und ziehen dann weiter durch das eidgenössische Nachtleben, ins "Palladio" gleich nebenan, das "Adagio" um die Ecke oder das "Rive Gauche", zum ebenso schicken Tresen des Traditionshotels "Baur au Lac", das gerade eben vom ehrwürdigen Trinktempel in einen neuzeitlich lichten Thekenraum verwandelt worden ist.

Der Zeitenwechsel ist jetzt fünf Monate her und hat der Bar einen sensationellen Publikumsschub gebracht: Wo vormals das Verhältnis von Hotelgästen zu auswärtigen Besuchern bei 60 zu 40 lag, liegt es heute bei 20 zu 80.

Viele junge Leute kommen, freut sich Barchef Christian Nebel, die sich vor allem donnerstags und freitags um die wenigen Stammgäste scharen, die seit 40 Jahren herkommen.

"Man muss halt einen guten Mix haben zwischen klassischer Barkultur und dem, was Trend ist", sagt Nebel und fügt in breitem Wienerisch hinzu: "Sonst hob' i entweder nur die Jungen oder nur die Oiten. Und do kann i a net ewig von leben."

Bar-Adressen von Berlin bis Zürich

Bar-Adressen

Berlin:

Vox Bar im "Grand Hyatt", Marlene-Dietrich-Platz 2, 10785 Berlin, Tel.: 0 30/25 53 12 34, ab 18 Uhr.

Q! The Bar im "Hotel Q!", Berlin, Knesebeckstraße 67, 10623 Berlin, Tel.: 0 30/81 00 66-0, von 18 bis 3 Uhr.


Frankfurt:

Bristol Bar im "Hotel Bristol", Ludwigstraße 15, 60327 Frankfurt, Tel.: 0 69/24 23 90, 24 Stunden geöffnet.


Hamburg:

Yakshi's Bar im "East", Simon-von-Utrecht-Straße 31, 20359 Hamburg, Tel.: 0 40/30 99 30, ab 8 Uhr.

Fusion im "Side", Drehbahn 49, 20354 Hamburg, Tel.: 0 40/30 99 90, ab 12 Uhr.

Le Ciel im "Le Royal Méridien", An der Alster 52-56, 20099 Hamburg, Tel.: 0 40/21 00-0, 6.30 bis 10.30 Uhr, 12 bis 14.30 Uhr, 18 bis 22.30 Uhr.

Tageswandel im "25hours Hotel", Paul-Dessau-Straße 2, 22761 Hamburg, Tel.: 0 40/8 55 07-0, 6.30 Uhr bis 15 Uhr; 17 Uhr bis 1 Uhr.

Riva die Bar im "Gastwerk Hotel", Beim Alten Gaswerk 3/Daimlerstraße, 22761 Hamburg, Tel.: 0 40/89 06 20, ab 17 Uhr.


Köln:

Harry's New-York Bar im "Intercontinental", Pipinstraße 1, 50667 Köln, Tel.: 02 21/28 06 12 10, ab 10 Uhr.

München:

Isarbar im "Dorint Sofitel Bayerpost", Bayerstraße 12, 80335 München, Tel.: 0 89/59 94 80, 8 bis 1 Uhr.

MaxPrivate Vinobar im "Hotel Vier Jahreszeiten", Maximilianstraße 17, 80539 München, Tel.: 0 89/21 25 22 27, Dienstag bis Samstag, 17 bis 1 Uhr.


Wien:

H12 - Wine & Bar im "Style Hotel" (Radisson), Herrengasse 12, 1010 Wien, Tel.: 00 43/1/22 78 00, ab 10 Uhr.

Shambala im "Le Méridien", Opern- ring 13, 1010 Wien, Tel.: 00 43/1/ 58 89 00, 12 bis 15 Uhr, 18 bis 24 Uhr.


Zürich:

Rive Gauche im "Baur au Lac", Talstraße 1, 8001 Zürich, Tel.: 00 41/44/2 20 50 20, ab 15 Uhr.

Onyx Bar im "Park Hyatt", Beethovenstraße 21, 8002 Zürich, Tel.: 00 41/43/8 83 12 34, ab 17 Uhr.

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