Samstag, 20. April 2019

Karrierepaare Wohl und Ehe

Erfolg wirkt magnetisch, zumal auf die Erfolgreichen selbst. Eine Geschichte über starke Frauen und ihre starken Männer: wie sie leben, was sie bewegt und worüber sie reden, wenn sie abends nach Hause kommen.

Ein "Tatort" dauert fünf Wochen, und in vier Tagen ist Drehbeginn: Maria Furtwängler (39), Ärztin und Schauspielerin, hat nur noch den Sonnabend, den Sonntag und dazu den Montag, aber der Montag ist ja generell kein guter Tag, und sie hat jede Menge zu tun, und ihr Mann ist mal wieder unterwegs.

"Ich habe meine Frau beruflich nicht protegiert. Und ebenso wenig hätte ich zugelassen, dass eine Frau mich pusht oder coacht. Nein, nie und nimmer."
Hubert Burda und Maria Furtwängler
Bis Dienstag muss ihre Rolle als TV-Kommissarin Charlotte Lindholm sitzen - dann nimmt sie die Maschine nach Hamburg, quartiert sich im "Hyatt" ein, dreht in Ramelsloh, ein paar Kilometer südlich der Stadt, und wird bis Weihnachten nur noch an den Wochenenden zu Hause sein, in München-Bogenhausen oder auf Tanneck, dem Familiensitz am Tegernsee.

Ja, gut, abgesehen vom 1. Dezember, das ist ein Donnerstag: Da fliegt sie auf jeden Fall nach München. Ihr Mann, der Verleger Hubert Burda (65), verleiht den Bambi; sie selbst hält eine Lobrede auf den amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton, und sie steckt überhaupt in sehr drangvollen Umständen, aus denen mit Klirren und Klappern ununterbrochen neue Pflichten hervorwimmeln.

Den Januar immerhin verbringt Maria Furtwängler wieder daheim ... obwohl - dabei, fällt ihr ein, muss sie ja noch reiten lernen und sich auf ihre nächste Rolle besinnen ... von Februar bis Juni dreht sie "Flucht und Vertreibung", stimmt, ja ... man ist ganz in Gedanken ...

Im Garten liegt der erste Schnee, eine dünne, tauende Schicht; Jakob (15) und Elisabeth (13) sind in der Schule; ihr Mann ist seit zwei Tagen in Berlin, wo er dem Verband der Zeitschriftenverleger präsidiert. Die Familie erwartet ihn am frühen Abend zurück.

"Es ist eigentlich ganz angenehm, dass ich fast immer außerhalb von München drehe", sagt sie. "Ich bin unter der Woche zwar weg - was irgendwie auch ein bisschen blöd ist -, aber ich kann mich zu Hause einfach nicht so gut konzentrieren: Da klingelt das Telefon, da kommen alle zwei Minuten die Kinder 'rein. 'Ich verstehe das nicht in Mathe' und 'Mama, kannst du mich mal schnell zum Fußball fahren', oder es geht um den Weihnachtsschmuck und die Frage, ob wir die Wohnung schmücken sollen wie im letzten Jahr ... der ganze Quatsch halt. Man sitzt da über seinem Drehbuch und verzweifelt."

Ihr Leben, versichert sie rasch, sei aber "auf eine fast langweilige Weise normal. Ich glaube, es unterscheidet sich nur sehr wenig von dem, was man als ganz normales Leben versteht."

Es war nur eine beiläufige Bemerkung, tröstend gemeint, vielleicht gar ehrlich empfunden. Und doch kündete sie vor allem von der Sehnsucht, zwischen all dem Außerordentlichen, in dem ein Mensch befangen sein kann, das Alltägliche zu entdecken, und von der Erleichterung, wenn dies gelingt.

© manager magazin 1/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung