Vermögenssicherung Hüter des Schatzes

Renten- und Immobilienfonds bieten kaum noch Schutz vor Verlusten - doch es gibt Alternativen. manager magazin sagt, wie Sie Ihr Depot jetzt schützen.
Von Ulrich Buchholtz

Auf ein derartiges Ergebnis wären sogar Hedgefondsmanager stolz: 30 Monate in Folge, von April 2003 bis Ende September 2005, lag Jürgen Klaws mit seinem Fonds Nordconcept  im Plus.

Damit kommt der Investmentpool seit seinem Start im Sommer 2002 auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5,6 Prozent - mehr als so manches der in Deutschland üblichen Hedgefondszertifikate und ohne das sonst übliche nervenzerrende Auf und Ab der Börsen. Die Kursschwankungen liegen sogar noch unter denen eines risikoarmen Rentenfonds.

Doch anders als die eher exotischen Hedgefondskonstruktionen ist der Nordconcept ein ganz gewöhnliches Finanzprodukt nach deutschem Recht und bietet die üblichen Vorteile gängiger Investmentfonds: hohe Transparenz, strengen Anlegerschutz und eine vorteilhafte steuerliche Behandlung. Das Finanzamt ging bisher weitgehend leer aus, weil der Fonds seinen Wertzuwachs größtenteils durch steuerfreie Kursgewinne erzielte.

Der Nordconcept steht für eine neue Generation von Investmentprodukten. Sie sollen Renditen abseits der ausgetretenen Kapitalmarktpfade erzielen. Die Gelder der Nordconcept-Anleger werden deshalb nicht nur in konventionelle Genussscheine investiert, sondern auch in neuartige Zertifikate. Andere Fondsmanager legen das Kapital ihrer Kunden an den Rohstoffmärkten an, wagen sich auf die Terminmärkte oder spekulieren auf die Kursschwankungen.

Der Sinn all dieser neuartigen Konstruktionen ist stets derselbe: Die Depots der Anleger sollen sicherer werden. Der Bedarf ist da. Denn die beiden Fondstypen, die Vermögensverwalter und Bankberater in den vergangenen Jahren üblicherweise zur Streuung des Aktienrisikos im Depot empfahlen, haben sich in den vergangenen Jahren selbst zu Risikofaktoren entwickelt:

  • Offene Immobilienfonds leiden unter den Leerständen in deutschen Bürohäusern. Zudem haben sie das durch Immobilienskandale verlorene Vertrauen bisher ebenso wenig zurückgewinnen können, wie sie Zweifel über die Praxis der Bewertung ihrer Immobilien ausräumen konnten.


  • Auch die große Zeit der Rentenfonds neigt sich dem Ende zu. Die guten Ergebnisse der Sicherheitsklassiker kommen schon seit Monaten keineswegs durch hohe Zinszahlungen, sondern nur durch große Kursgewinne zu Stande. Ein Warnsignal. Denn wenn die Stimmung an den Anleihemärkten dreht und die Kurse wieder fallen, drohen den Rentenfonds drastische Kurseinbrüche.

Rückschlaggefahr bei Aktienfonds

Die Anleger stehen nun vor einem Dilemma: Aktienfonds bieten zwar auch nach den hohen Gewinnen seit dem Frühjahr 2003 noch immer gute Chancen, gleichzeitig ist die Gefahr eines Rückschlags nach der Verdoppelung der Kurse deutlich gestiegen.

Die Fondsbranche hat vor diesem Hintergrund eine Reihe neuer Anlagekonzepte entwickelt. manager magazin hat sich zusammen mit dem Bad Homburger Analysehaus Feri die Innovationen angeschaut und zeigt, mit welchen Fonds Anleger vernünftige Erträge zu erträglichen Risiken erwirtschaften können.

Zu den defensivsten Vertretern der neuen Fondsgeneration gehören die Investmentpools für inflationsgeschützte Anleihen. Die Fondsmanager kaufen Zinspapiere, deren Coupon und Rückzahlungssumme an die Preisentwicklung gekoppelt sind. Steigen die Zinsen, weil das Wirtschaftswachstum wieder anzieht und die Rohstoffpreise weiter haussieren, sorgt die Anpassungsklausel der Anleihen für einen Wertausgleich. Das schließt zwar kurzfristige Verluste nicht aus, bietet aber auf lange Sicht Schutz vor einer höheren Inflation.

Puffer gegen fallende Kurse

Reich werden können Anleger mit dieser Art Fonds allerdings nicht, wie Jörg Warncke, Manager des UniEuroRenta Real Zins , einräumt: "Die nominale Verzinsung der Anleihen im Fonds beträgt derzeit 3,3 Prozent. Nach Abzug der vom Markt erwarteten Geldentwertung von 2,2 Prozent verbleibt so eine Realrendite von 1,1 Prozent." Davon gehen noch die Fondskosten ab, die bei dem Produkt der genossenschaftlichen Union Investment bei 0,6 Prozent im Jahr liegen.

Immerhin stellt diese Konstruktion noch den realen Erhalt des Kapitals sicher, während die Zinsen am Geldmarkt und bei den kurzlaufenden Anleihen schon nicht mehr ausreichen, um die Geldentwertung wettzumachen.

Diese Rechnung geht allerdings nur für Anleger auf, die ihre Zinsfreibeträge (1421 Euro im Jahr/Ehepaare 2842 Euro) noch nicht ausgeschöpft haben und ihre Kapitaleinkünfte nicht zum Höchstsatz versteuern müssen. Spitzensteuersatz-Zahler werden den realen Kapitalerhalt mit inflationsgesicherten Anleihefonds nicht schaffen. Für diese Gruppe sind daher Fonds wie der Nordconcept mit ihrem hohen Anteil steuerfreier Erträge deutlich interessanter.

Die Mechanik hinter dieser Art Finanzprodukt ist einigermaßen komplex. So kauft Jürgen Klaws, der Berater des Nordconcept, derzeit so genannte Deep-Discount-Zertifikate auf den Dax  und den EuroStoxx 50 . Beim Kauf eines solchen Papiers erhält der Fonds einen Preisnachlass auf den aktuellen Indexstand. Dieser Discount wirkt wie eine Art Puffer gegen fallende Kurse. Im Gegenzug muss der Anleger die Verluste tragen, die entstehen, wenn der Index unter einen bestimmten Schwellenwert, den so genannten Cap, fällt.

"Wir legen diese Schwelle so fest, dass sie bei etwa 10 Prozent unterhalb des gegenwärtigen Indexstands liegt", erläutert Jürgen Klaws. Zum Beispiel kaufte er Mitte Oktober des vergangenen Jahres bei einem Dax-Stand von 4900 Punkten ein Deep-Discount-Papier mit einer Restlaufzeit von zwölf Monaten und einem Cap von 4400 Punkten. Für dieses Konstrukt musste er rund 6 Prozent weniger zahlen als für ein marktübliches Dax-Index-Papier.

Bewegt sich das Frankfurter Börsenbarometer nun seitwärts oder steigt der Wert des Dax, ist das Investment im Plus. Erst wenn sich der Dax dem Stand von 4400 Punkten nähert, entstehen Verluste. Dazu würde es Klaws allerdings nicht kommen lassen: "Ich würde das Zertifikat verkaufen, bevor der Index unter diese Schwelle fällt und es durch ein neues Discountpapier mit einem niedrigeren Cap ersetzen."

Das Beispiel zeigt: Für Privatanleger, die ihre Papiere kaufen und bis zum Ablauf halten wollen, taugen derartige Produkte in den meisten Fällen nicht. Nur die permanente Überwachung und das aktive Management eines Fonds können die Risiken solcher Finanzprodukte in einem vertretbaren Rahmen halten.

Erträge zwischen 7 und 10 Prozent

Einen Börsenunfall aber kann auch ein Profi wie Klaws nicht ganz ausschließen: "Wenn der Dax über Nacht um 10 Prozent fällt, können auch wir nicht mehr rechtzeitig reagieren." Durch die auf eine Vielzahl von Börsenbarometern verteilten Discount-Zertifikate und durch die Mischung mit Genussscheinen würden sich die Verluste allerdings in Grenzen halten.

Eine klarere Aussage zu möglichen Verlusten gibt es beim Lupus Alpha Dynamic Invest , einem anderen Vertreter der neuen Fondsgeneration. "Ein eventuelles Minus wird am Ende eines Kalenderjahres 5 Prozent nicht überschreiten", sagt Fondsmanager Ulf Becker. Der Dynamic Invest fokussiert sich ähnlich wie der Nordconcept auf die Risikoabfederung an den Aktienmärkten, geht dabei aber einen völlig anderen Weg.

"Wir stellen im ersten Schritt ein Aktienportfolio mit Titeln aus dem EuroStoxx 50 zusammen und verkaufen im zweiten Schritt Optionen auf diese Aktien an den Terminmärkten", erläutert Becker. Dadurch begrenzt er zwar mögliche Kursgewinne, gleichzeitig kassiert der Fonds aber Optionsprämien.

Ein Teil dieser Prämien fließt in ein weiteres Terminmarktgeschäft, das den Aktienbestand des Fonds gegen extreme Kursrückgänge absichern soll. Der Rest der Optionsprämie wird den Anlegern gutgeschrieben, die auf diese Art und Weise im langfristigen Durchschnitt Erträge zwischen 7 und 10 Prozent erwirtschaften sollen. Bisher schaffte Fondsmanager Becker seit dem Start im Mai 2003 im Schnitt 6,9 Prozent im Jahr.

Ganz ohne Risiko ist allerdings auch diese Konstruktion nicht zu haben. Wenn sich der Aktienbestand des Fonds wie im vergangenen Jahr in ganz und gar unterschiedliche Richtungen entwickelt, greifen die Sicherheitsmechanismen noch nicht, die Kursverluste einzelner Aktien belasten die Wertentwicklung, und die Erträge geraten unter Druck.

Rohstoffe nicht nur zur Absicherung

Becker verteidigt diese offene Flanke seines Fonds: "Wenn Anleger Renditen oberhalb des Festgeldniveaus erzielen wollen, müssen sie immer bewusst Risiken in Kauf nehmen", meint der Kapitalmarktexperte. "Wichtig ist dabei nur, dass sie sich die Risiken, auf die sie sich einlassen, gut bezahlen lassen und ihre Investments insgesamt sehr breit streuen. Internationale Aktien und Anleihen sollten sich ebenso im Depot finden wie derivative Strategien, Gold und Rohstoffe."

Dennoch: An Terminmärkte gekoppelte Produkte wie der Lupus Alpha Dynamic Invest liefern zwar ein genau definiertes Risikoprofil, ihre Erträge hängen aber letztlich noch immer von der Entwicklung an den Aktienmärkten ab.

Eine völlig andere Form der Risikoabsicherung bieten die Rohstoffmärkte, die sich in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend unabhängig von den übrigen Kapitalmärkten entwickelt haben. Der Kursverlauf des Goldman-Sachs-Rohstoff-Barometers GSCI etwa zeigt, dass in Phasen, in denen die Aktienkurse fielen, mit Bodenschätzen teilweise ordentlich Geld zu verdienen war. Eine Beimischung von Rohstoffen in einem Depot mit Aktien und Aktienfonds hätte daher zumindest zeitweise das Verlustrisiko an den Börsen deutlich gesenkt.

Noch wichtiger als der Absicherungsgedanke ist derzeit aber, dass sich die Rohstoffmärkte inmitten einer neuen Boomphase befinden. Die emporschnellende Nachfrage Chinas und die Engpässe bei der Ölversorgung sind nur die augenfälligsten Indizien für weiter steigende Preise.

Energie, Metall und Viehzucht

Privatanleger haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, an der Rohstoffhausse zu partizipieren:

  • Traditionelle Aktienfonds, die sich auf Minenaktien und Energieunternehmen spezialisiert haben und die in den vergangenen Jahren teilweise spektakuläre Kursgewinne verzeichnet haben. Die Klassiker weisen aber neben den Unwägbarkeiten der Rohstoffmärkte hohe Wechselwirkungen mit den Aktienmärkten auf und können, wenn das Management eines großen Depotwerts versagt, auch mitten in einer Phase steigender Rohstoffnotierungen Verluste aufweisen.


  • Indexfonds, die ein direktes und breit gestreutes Investment auf den verschiedensten Rohstoffmärkten ermöglichen. Diese neuartigen Konstruktionen bilden ähnlich wie börsengehandelte Indexfonds einen bestimmten Rohstoffindex nach und zeichnen sich durch vergleichsweise niedrige Kosten aus.

Das Angebot dieser relativ neuen Fondsgattung ist reichlich unübersichtlich, weil die Indexwelt der Rohstoffmärkte keineswegs so klar strukturiert ist wie ihre Gegenstücke auf den Aktien- und Rentenmärkten. Anleger, die sich solche Indexpapiere zulegen, kaufen unter Umständen völlig unterschiedliche Dinge.

So bezieht sich der börsennotierte Easy ETF GSCI Euro  des französischen Finanzriesen  etwa auf den Goldman-Sachs-Commodity-Index und spiegelt damit die Wertentwicklung von kurzlaufenden Terminkontrakten aus den Bereichen Energie, Metall, Landwirtschaft und Viehzucht wider. Weil er sich bei der Gewichtung der einzelnen Rohstoffe an dessen Anteil an der Weltproduktion orientiert, dominieren die Energiemärkte den Index: Sie bestimmen die Wertentwicklung des GSCI-Fonds zu drei Vierteln.

Rückbesinnung aufs Gold

Der Activest Commodities  hingegen, der die Wertentwicklung des Dow-Jones-AIG-Commodity-Index (DJ-AIGCI) wiedergibt, ist wesentlich ausgewogener zusammengesetzt. Der Anteil der Energiebranche - und damit die Abhängigkeit von der Entwicklung der Öl- und Gaspreise - ist hier auf ein Drittel beschränkt.

Außerdem sichert die Activest - anders als die Axa - die Währung ab. Die Entwicklung des Dollars, in dem die meisten Rohstoffe noch immer abgerechnet werden, spielt deshalb beim Activest Commodities keine Rolle.

Einen Schritt weiter geht die Deutsche-Bank-Tochter DB Platinum. Der größtenteils währungsgesicherte DB Platinum Commodity Euro  passt die Gewichte der unterschiedlichen Rohstoffe den Zyklen der einzelnen Märkte an.

Allerdings verwendet die Luxemburger Gesellschaft den hauseigenen Rohstoffindex FX Hedged Deutsche Bank Liquid Commodity Index-Mean Reversion, der nur sechs Rohstoffe umfasst: Rohöl, Heizöl, Aluminium, Gold, Weizen und Mais.

Die Renaissance der Bodenschätze hat noch ein ganz anderes Investment wieder in den Fokus der Anleger gerückt, von dem gut eineinhalb Jahrzehnte lang kaum jemand etwas wissen wollte: Gold. Der Luxemburger Fonds DWS Gold Plus etwa darf einen Teil seiner Gelder direkt in Edelmetallen anlegen. 37 Prozent der Mittel stecken derzeit in Goldbarren, 5 Prozent in Silber und 3 Prozent in Platin.

Der Rest ist über erstklassige kurzlaufende Euro-Anleihen gestreut. Dass der Fonds dennoch der Goldnotierung manchmal vorwegläuft und ihr ein anderes Mal hinterhinkt, liegt am Währungsmanagement der DWS, die einen Teil des Währungsrisikos (auch der Preis des gelben Metalls wird in Dollar notiert) absichert. Trotzdem ist der Fonds eine bequeme Möglichkeit, dem Depot Gold beizumischen - und das Edelmetall war schon immer eine gute Absicherung gegen Turbulenzen auf den Finanzmärkten.

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