Goldman Sachs Der Geist des Hauses

Die US-Investmentbank Goldman Sachs gilt als eine der ersten Adressen für Topabsolventen. Die Möglichkeiten bei dem Nobelhaus sind enorm - die Anforderungen ebenfalls. Eine Inside-Reportage.

Am Mittwoch, dem 12. Januar 2005, nahm Christoph Stanger (39) für den Weg von seinem Haus in Kensington zum Büro in der Fleet Street ausnahmsweise ein Taxi.

Für jenen regnerischen Morgen nämlich plante Stanger, Experte für Finanzierungsfragen deutscher Unternehmen bei der Investmentbank Goldman Sachs , eine Aktion, die im Branchenjargon "das Feuerwerk abbrennen" heißt: Er wollte hunderte von Aktienverkäufern in Goldman-Büros in ganz Europa in Marsch setzen, um eine große Transaktion abzuwickeln - die Platzierung von rund einem Viertel des gesamten Aktienbestandes des Münchener Mischkonzerns MAN .

Um 6:30 Uhr lief die Ad-hoc-Meldung über die Ticker. Unmittelbar danach begannen die Verkäufer, potenzielle Investoren anzurufen.

Schon am späten Vormittag schloss Stanger die Bücher: Die Aktientranche im Wert von einer Milliarde Euro war zweimal überzeichnet, der MAN-Kurs lag nur 2 Prozent niedriger als am vorangegangenen Handelstag - und damit über dem Preis, den Goldman Sachs den verkaufswilligen Großaktionären Allianz , Münchener Rück  und Commerzbank  garantiert hatte. Das "Feuerwerk" war spektakulär abgebrannt.

Es gibt nicht viele Investmentbanken, die einen solchen Coup mit der nötigen Präzision ausführen können. Aber Christoph Stanger arbeitet ja nicht bei irgendeiner Investmentbank. Er arbeitet für Goldman Sachs.

Das vor 136 Jahren in New York gegründete Geldhaus, eine der Big-Five-Investmentbanken der Wall Street, ist berühmt dafür, smarte Ideen zu entwickeln, sie aggressiv zu vermarkten - und am Erfolg exzellent zu verdienen.

Goldman Sachs ist ein Mythos. Keine andere Firma der Branche kann ihren Mitarbeitern so viel Prestige bieten. Nirgendwo sonst wird ähnlich gefördert und gefordert. In Arbeitgeber-Rankings landet die Bank regelmäßig auf den vordersten Plätzen.

Ihren weltweiten Spitzenrang in der Beratung bei Übernahmen und Fusionen, im Handel mit Aktien, Anleihen und Derivaten, bei der Initiierung von Börsengängen und anderen Kapitalmarkttransaktionen verdankt Goldman Sachs vor allem einem Aktivposten: den Mitarbeitern. Ohne sie wäre der Konzern kaum bei fast jeder wichtigen Transaktion in Deutschland dabei.

Der Arbeitstag hat 24 Stunden

Rund 21.000 Menschen arbeiten bei Goldman Sachs. Ihre Intelligenz, ihre Detailversessenheit und ihr ausgeprägter Einsatz, um Projekte in die Tat umzusetzen, tragen den Investmentbankern Bewunderung ein - und ziehen hungrige und talentierte Hochschulabsolventen magisch an.

Doch was heißt es wirklich, zu Goldman Sachs zu gehören? Welche Chancen bietet die Bank jungen Talenten? Was muss einer mitbringen, der bei der ersten Adresse in der internationalen Hochfinanz groß herauskommen will?

Eine heiße Septembersonne taucht die Südspitze Manhattans in blasses Licht. Kurierfahrer hasten durch die schwülwarmen Straßenschluchten des Finanzdistrikts rund um die New Yorker Börse.

Im 22. Stock des Gebäudes 85 Broad Street, dem Hauptquartier von Goldman Sachs, summt leise eine Klimaanlage, während Anna-Lena Wetzel (29) von ihrem Arbeitsalltag erzählt.

Der begann heute früher als sonst: Schon um fünf Uhr am Morgen saß Wetzel an ihrem Küchentisch in SoHo und besprach mit zwei Kollegen in London via Konferenzschaltung die Details einer Anleihentransaktion, die der Konzern gerade für eine US-Firma abwickelt.

Seit sechs Jahren arbeitet Wetzel bei Goldman Sachs im Bereich Fusionen & Übernahmen/Unternehmensfinanzierung, zunächst als Analystin, dann als Associate. Heute leitet sie als "Vice President" ein kleines Team. Auf die fünf Jahre in Frankfurt folgte ein zwölfmonatiges Rotationsprogramm in New York. Demnächst geht es nach London.

Die Bankerin betreut in der Regel vier, fünf Transaktionen parallel, die Hälfte ihrer Zeit verbringt sie am Telefon. Zu ihrem Hobby, dem Cellospielen, kommt sie kaum noch, den geplanten Urlaub hat sie gerade verschoben.

Nervt das, stresst es? Natürlich ist der Job anstrengend, sagt Wetzel, sicher braucht hier jeder eine große Portion Pflichtbewusstsein: "Aber ich wäre nicht hier, wenn es mir keinen Spaß machen würde. Ich will es so."

So oder so ähnlich reden sie alle bei Goldman Sachs. Und irgendwas muss dran sein. Die Firma fordert extremen Einsatz. Ein Pensum, das keiner leistet, der es nicht wirklich will.

Investmentbanker kommen häufig auf 80 Stunden und mehr; sie werkeln oft monatelang an Deals, von denen die Mehrzahl nie realisiert wird, weil Hindernisse auftauchen. Und für die 320 Partner des Geldhauses gilt, dass der Arbeitstag 24 Stunden hat.

Auf der Jagd nach Informationen

Dass Zeit Geld ist, scheint in 85 Broad Street kein Mensch auch nur für eine Minute zu vergessen. Banker ziehen vor einem Gespräch das Jackett aus, als wollten sie sagen: "Kein langes Geplänkel hier, was gibt's zu tun?" Hinter dem lockeren Umgangston ist stets eine gewisse Grundanspannung zu spüren. Und jedermann ist immerzu auf dem Weg zum nächsten Termin.

Nur für Geld hält das wohl keiner lange aus. Ein ausgeprägter Corpsgeist und enormer Stolz auf die gemeinsame Leistung helfen beim täglichen Dauersprint - und das Gefühl, einer traditionsreichen Institution anzugehören.

In New York ist der Stolz auf legendäre Anführer stets gegenwärtig. Auf Marcus Goldman, den jüdischen Auswanderer aus Franken, und seinen Schwiegersohn Samuel Sachs, die zusammen im späten 19. Jahrhundert als Wertpapierhändler den Grundstein für den Erfolg legten. Und auf Sidney Weinberg, dessen Lebensgeschichte bis heute die frohe Botschaft nährt, in dieser Bank könne es jeder mit harter Arbeit und festem Willen von ganz unten nach ganz oben schaffen: Weinberg wurde 1907 als Helfer des Portiers eingestellt, arbeitete sich bis zum Vorstandschef hoch und führte Goldman Sachs 39 Jahre lang.

Was im hektischen Alltag fasziniert, darauf hat John Rogers (49), Leiter des Vorstandsbüros, eine so schlichte wie allumfassende Antwort: "Unsere Leute wollen Teil der Veränderungen sein, die diese Welt prägen."

Goldman Sachs ist ein globales Wissensnetzwerk, ständig auf der Jagd nach Informationen. Das zeigt sich schon bei der akademischen Vorbildung der Mitarbeiter: neben Kaufleuten, Natur- und Geisteswissenschaftlern aller Fakultäten arbeiten hier auch Mediziner wie Deutschland-Chef Alexander Dibelius.

Im Tagesgeschäft wird der Drang nach Einsicht geradezu kultiviert: Ein Research-Analyst für die Textilbranche muss jeden Schritt zur Einfärbung eines T-Shirts kennen. Die Glaubenssätze der Firma fordern, dieses Wissen zu teilen. "Braucht ein Mitarbeiter eine Auskunft, gibt es immer einen Kollegen, den er fragen kann", sagt Wolfgang Fink (39), Managing Director im Frankfurter Büro: "Hier ist niemand auf sich allein gestellt."

Die Kehrseite dieser Arbeitskultur: Selbst am Wochenende ist die Firma via Voicemail allgegenwärtig. Da wirkt es ganz erfrischend, wenn Fink offen zugibt, dass die Balance zwischen Arbeit und Leben etwas ist, das selbst die fixen Banker erst mühsam erlernen müssen: "Ruhephasen intensiv nutzen zu können, das kommt erst mit der Zeit."

Ehrgeiz und die Lust an Leistung

Es war sieben Uhr morgens, und Nikolaus Weinberger (31) lag noch im Bett, als das Telefon klingelte und jemand höflich fragte, ob er störe. Weinberger war sofort hellwach und beeilte sich, dem Anrufer das Gegenteil zu versichern. Und so erfuhr der angehende Diplomkaufmann von Goldmans damaligem Co-Deutschland-Chef Timothy Plaut persönlich, dass er im Praktikum einen positiven Eindruck hinterlassen habe - die Firma wolle ihn einstellen.

Der Anruf kam im Frühjahr 2000. Auch in diesem Jahr sollen gut 30 Leute für den deutschen und österreichischen Markt eingestellt werden, nachdem sie einen Ausleseprozess überstanden haben, der sich, so Weinberger freimütig, "vermutlich ein bisschen so anfühlt wie ein Besuch beim Psychiater".

Wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, gehört zum privilegierten Kreis derer, die sich nicht fragen müssen, ob sie einen Job finden. Eher schon, welchen sie haben wollen. Ein Topexamen und fließendes Englisch sind das Mindeste, was ein Kandidat mitbringen muss. Die Chancen auf eine Einstellung steigen, wenn man jenseits des Studiums gezeigt hat, dass man Lust an Leistung hat, etwa im Sport.

In den Interviews wird vor allem geprüft, ob ein Kandidat logisch denkt, ein Gefühl für Risiken mitbringt und unternehmerisches Handeln im Blut hat. In mehr als 15 Interviews will die Firma herausfinden, "ob der Job wirklich zu einem passt", sagt André Kelleners (30), Associate wie Weinberger.

Wenn er zu passen scheint, geht es schnell. Plötzlich wird der Kandidat gebeten, noch diesen und jenen zu treffen, und wird dafür notfalls auch an den Rand einer laufenden Transaktion verfrachtet: So kann es passieren, dass der Neuling auf einen übermüdeten Goldman-Partner trifft, der sich in der heißen Phase eines Deals seit Tagen kaum Schlaf gegönnt hat. Wem das verrückt vorkommt, der weiß dann eben, dass er doch nicht passt.

Das Resultat dieses Auswahlverfahrens sind Menschen, die in mancher Hinsicht extrem wirken: Spitzensportler wie Anouschka Kimpel (33), die unter ihrem Mädchennamen Popp zu den besten 150 der Tennis-Weltrangliste zählte und heute als Executive Director im Investmentmanagement arbeitet. Oder Mike Evans (48), einst Ruder-Olympiasieger und heute Co-Chef des globalen Aktiengeschäfts. Manche stammen aus hoch gebildeten Elternhäusern, andere haben als Erste in ihrer Familie ein Studium absolviert. Sie alle verbindet vor allem eines: Ehrgeiz und die Bereitschaft, stets ihr Bestes zu geben.

Karriere-Scorecard Goldman Sachs

"Im Grunde geht es mir bei Goldman Sachs wie zu College-Zeiten beim Sport", sagt George Walker (36), Partner und Absolvent der elitären Wharton Business School, der die Sparte "Alternative Investments" - das boomende Geschäft mit Hedgefonds und Private Equity - leitet: "Es ist dieselbe emotionale Herausforderung: Wir wollen gegen die Welt da draußen gewinnen."

Sich festzubeißen, immer noch eine Runde mehr zu drehen gilt als unverzichtbare Tugend im Goldman-Reich. "Nichts ist uns untereinander unangenehmer, als etwas nicht zu wissen, was man hätte wissen können", sagt Marcus Schenck, Partner im Frankfurter Büro. Chairman und CEO Henry "Hank" Paulson (59) ist dafür bekannt, dass er Sätze nicht akzeptiert, die mit "Ich nehme an" beginnen. "Never assume", triff niemals Annahmen, ist einer der Leitsätze, der allen Mitarbeitern mit auf den Weg gegeben wird.

Es ist wohl eine Art kollektive Paranoia, die Angst, dass die Konkurrenz vorbeiziehen könnte, die hier jeden dazu zwingt, in seiner Anstrengung nicht nachzulassen. "Investmentbanking ist wie Leistungssport", sagt Scott Kapnick (46), Co-Head des globalen Investmentbankings und Co-Europa-Chef: "Der Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren, zwischen der Nummer eins und den folgenden 99 beträgt höchstens 2 Prozent. Den Platz in der ersten Liga müssen wir uns täglich neu verdienen."

Noch heute begegnet man auf den Fluren der Firma bisweilen einem Mann - weiße Haare, dunkler Anzug und wie jeder hier eifrig telefonierend -, der bei Goldman Kultstatus genießt: John Whitehead (83), in den 70er und frühen 80er Jahren Co-Chairman, später stellvertretender Außenminister in der Reagan-Administration.

Ende der 70er Jahre, als die Firma stark expandierte, brachte Whitehead die "Business Principles" zu Papier, eine Art Grundgesetz der Bank. Dort geht es um Profitabilität, um Professionalität und Reputation. Vor allem aber geht es um Zusammenarbeit. Principle Nummer acht lautet: "Wir betonen Teamarbeit in allem, was wir tun."

Nur wenige schaffen den Sprung

Whiteheads Prinzipien muss jeder neue Mitarbeiter verinnerlichen. Vielleicht ist dies der größte Wert, den Goldman Sachs in seiner langen Geschichte geschaffen hat: dass ein Haufen ehrgeiziger und smarter Individualisten durch feste Werte auf Kundenorientierung und Teamwork getrimmt wird.

Der typische Goldman-Banker wirkt freundlich und gut erzogen. Wie weit er in der Firma gekommen ist, sieht man ihm nicht an. Sogar in Spitzenpositionen pflegen sie die Teamarbeit: Scott Kapnick teilt sich den Job des Europa-Chefs mit dem Briten Michael Sherwood.

Ein gutes Verhältnis zu den Kollegen ist extrem wichtig, wenn man in der Firma vorankommen will. Die Meinung des Umfeldes fließt in einen jährlichen Beurteilungsprozess ein, dem sich von der Sekretärin bis zum Vorstand jeder unterwerfen muss: Im 360-Grad-Feedback kommentieren 10 bis 15 Teammitglieder, Untergebene und Vorgesetzte Leistungen und Know-how, schlagen Entwicklungsschritte vor und kritisieren Fehler. "Die Leute sind total offen", sagt Asset-Managerin Kimpel. Am Ende teilt die Firma die Mitarbeiter in vier Gruppen ein; die schlechtesten 5 Prozent jedes Jahrgangs müssen gehen.

Alle anderen sind aufgefordert, sich weiterzuentwickeln. Denn die Beschwörung der Teamarbeit führt keineswegs dazu, dass alle ständig nett miteinander umgehen. Wer es warm und kuschelig mag, ist bei Goldman Sachs an der falschen Adresse. Altgediente wie die Frankfurter Partnerin Dorothee Blessing lassen keinen Zweifel daran, dass Goldman eine kommerzielle Veranstaltung ist: "Menschen, die nicht zum geschäftlichen Erfolg beitragen, haben hier einen schweren Stand."

Philip Holzer (39) arbeitet im Aktien- und Derivategeschäft von Goldman Sachs. Seit 1992 ist er an Bord, vergangenen Dezember wurde er zum Partner ernannt. Das klingt nach einer pfeilgeraden Karriere, war es aber nicht.

Als nach dem Platzen der Börsenblase die Bank im Jahr 2001 neu sortiert wurde, erlebte er eine bittere Zeit. Sein Geschäftsbereich litt unter dem schwierigen Marktumfeld - für Holzer der Beginn einer harten Bewährungsprobe. Heute ist er sich sicher, dass sein Stehvermögen die Ernennung zum Partner befördert hat: "Die Firma hat mich genau beobachtet, es war wie ein Test."

Alle zwei Jahre wählt Goldman Sachs neue Partner. Die Kandidaten wissen nichts von ihrer Nominierung. Wer etwas ahnt, hat Grund zum Zittern: Nur wenige schaffen den Sprung im ersten Anlauf.

Generationsvertrag in eigener Sache

Die elitäre Riege ist international besetzt. Im Management Committee finden sich zwei Briten, ein Italiener, ein Kanadier und ein Japaner. Nationalität spielt bei Goldman Sachs keine Rolle: Jan Hatzius etwa, der für die USA zuständige Chefvolkswirt, ist Deutscher.

Partner erhalten ein ansehnliches Aktienpaket sowie ein Basisgehalt von 600.000 Dollar im Jahr (in Europa 400.000 Euro). Obendrauf gibt es einen jährlichen Bonus aus Aktien und Bargeld, der sich an der persönlichen Leistung, am Ergebnis des Geschäftsbereichs sowie der gesamten Bank orientiert. Am Ende kommt leicht ein siebenstelliges Salär dabei heraus.

Trotz des vielen Geldes - ewig halten die wenigsten den Stress aus, permanent Höchstleistungen bringen zu müssen. Rund die Hälfte der Mannschaft ist weniger als fünf Jahre dabei. Nur ein Bruchteil schafft die zehn Jahre bis zur Partnerwahl. Die Partner steigen nach weiteren sechs bis acht Jahren, meist im Alter von Mitte 40, aus.

Es gehört dabei zur Philosophie des Hauses, dass die Partner sich selbst überflüssig machen. Zwei eiserne Regeln kennzeichnen die Personalpolitik:

  • ein ausgeklügeltes Mentoring; kein Mitarbeiter steigt auf, wenn er vorher nicht einen Nachfolger für die eigene Position aufgebaut hat;


  • ein Generationsvertrag in eigener Sache; der Comment der Firma verlangt, dass die Älteren ihre Plätze frei machen, wenn die Jüngeren so weit sind.
Viele Goldman-Veteranen starten dann eine zweite Karriere. Paul Achleitner (49), erster Deutschland-Chef von Goldman ohne amerikanischen Pass, sitzt heute im Vorstand der Allianz. Nachfolger Timothy Plaut (49) besann sich auf sein Kunstgeschichtsstudium und handelt in London mit Antiquitäten.

In den USA wechseln Ex-Manager in die Politik oder die Wissenschaft. Co-Seniorpartner Robert Rubin (67) diente als Finanzminister unter Bill Clinton. Ex-Seniorpartner John Thornton (51) ist heute Professor in Peking.

Ein kürzlich gegründetes internetbasiertes Alumni-Netzwerk lässt die Ex-Goldmänner Kontakt mit der Firma halten. Jedes Jahr wird zum festlichen Dinner geladen, zuletzt ins British Museum.

Christoph Stanger, der Finanzierungsexperte in London, hat noch keinen Gedanken an Ehemaligenfeiern verschwendet. Er hofft wie jedermann darauf, bei Goldman Sachs weiterzukommen: "Dafür ist man ja hier." Und verschwindet schleunigst zum nächsten Termin.

"Dieser Job verlangt höchsten Einsatz"

Helle Köpfe

Marcus Schenck, Managing Partner, über Talentförderung

mm: Welchen Typ Mitarbeiter sucht Goldman Sachs?

Schenck: Wir suchen Menschen mit großer intellektueller Neugier und hoher Integrität und Urteilsfähigkeit. Mitarbeiter, die genügend Biss haben, um das Beste für unsere Klienten zu erreichen. Sie brauchen ein gutes Gespür für Zahlen und die Fähigkeit, über Kontinente hinweg in internationalen Teams zu arbeiten.

mm: Wie erkennen Sie geeignete Kandidaten?

Schenck: Eine hervorragende akademische Ausbildung ist wichtig, doch darüber hinaus suchen wir nach Erfolgsmustern im Lebenslauf. Herausragende Leistungen im Sport zum Beispiel zeigen, dass jemand den unbedingten Willen zum Erfolg besitzt. Investmentbanking ist ja ein wenig wie Leistungssport. Da muss man immer sein Bestes bringen, sonst wird man vom Spitzenplatz verdrängt.

mm: Welche Perspektiven bietet Goldman Sachs neuen Mitarbeitern?

Schenck: Wir sind davon überzeugt, dass wir eines der weltbesten Talentförderprogramme vorweisen können. Wir tun enorm viel, um unsere Mitarbeiter von einer Leistungsstufe zur nächsten zu entwickeln.

Die Einsteiger erhalten spezielle Trainings, sie wechseln gezielt ihre Aufgaben und rotieren innerhalb der Organisation.

Viele Frankfurter gehen zum Beispiel eine Zeit lang nach London, New York oder Tokio. Wir geben den Mitarbeitern Zeit, unser Geschäft wirklich zu begreifen. Dabei erwarten wir jedoch ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Eigeninitiative.

mm: Wie halten Sie persönlich die große Arbeitsbelastung aus?

Schenck: Ich bemühe mich jeden Tag, die Balance zu halten. Dabei hilft mir meine Familie. Aber machen wir uns nichts vor: Dieser Job verlangt schon höchsten Einsatz.

Karriere-Check: Testen Sie Ihre Aufsteiger-Kompetenz!

Mehr lesen über