Montag, 16. September 2019

Technologie Anlauf zum Durchbruch

Welche Technologien öffnen den Weg zu neuartigen Produkten, welche führen die Wirtschaft in neue Dimensionen? Von Pharma über Energie bis Speicherchips - Erfindungen, die neue Megamärkte schaffen.

Wer wissen will, welche Wege die medizinische Forschung bei ihrer Suche nach einer wirtschaftlich ertragreichen Zukunft geht, der stößt unweigerlich auf ein altertümliches Tier mit einem noch altertümlicheren Namen: Axolotl.

 Bio-Computing: DNA als Speichermaterial. Forschende Firmen: Infineon, Intel, IBM, AMD.
University of Rochester
Bio-Computing: DNA als Speichermaterial.

Forschende Firmen: Infineon, Intel, IBM, AMD.
Die Bezeichnung stammt aus dem Alt-Aztekischen. In der freien Wildbahn lebt das 25 Zentimeter große Amphibium nur in einigen Gebirgsseen nahe Mexiko-City, einst das Siedlungsgebiet der Azteken.

In den Labors moderner Lebenswissenschaftler genießt der Axolotl indes größte Popularität: Der Querzahnmolch aus der Ordnung der Schwanzlurche ist das Vorbild für die so genannte regenerative Medizin. Bei ihm können ganze Körperteile und alle lebenswichtigen Organe komplett nachwachsen.

Beißt etwa ein Raubfisch dem Urviech ein Bein ab, dann sprießt das Gliedmaß binnen einiger Wochen erneut hervor - originalgetreu, voll funktionsfähig und ohne Narben. Gleiches gilt für die Atmungsorgane (der Axolotl hat Außenkiemen wie eine junge Kaulquappe) oder - nur im Laborexperiment entfernbar - für Teile des Herzens.

Diese Fähigkeiten möchten die Forscher nun auf den Menschen übertragen. Sie suchen nach Substanzen, die etwa jene Teile des Herzmuskels nachwachsen lassen, die in der Folge eines Infarkts absterben. Oder nach einer Methode, Nervenzellen so umzuprogrammieren, dass sie Zellschädigungen im Gehirn von Parkinson- oder Alzheimer-Patienten beheben.

Die regenerative Medizin kann nicht nur die Heilkunst revolutionieren. Sie hat das Potenzial, die Pharmabranche in ein neues Zeitalter zu katapultieren und neue Megamärkte entstehen zu lassen. Etwa: die industrielle Zucht von individuellen Zellen, Geweben und Organen. Neue Geschäftsmodelle lassen sich erahnen - mit einem weltweiten Marktpotenzial von 160 Milliarden Euro im Jahr 2012, wie eine Studie der Unternehmensberatung Cap Gemini prophezeit.

© manager magazin 10/2005
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