Dax Kursziel 6000 Punkte

Höhere Konzerngewinne, günstig bewertete Unternehmen und jede Menge Liquidität sorgen dafür, dass die Kurse deutscher Bluechips weiter steigen werden.

Es ist absurd: Die Börse boomt, aber Deutschlands Privatanleger trauen sich nicht. Während die Finanzprofis in Dax , MDax & Co. investieren, stecken Kleinsparer, traumatisiert von den Abstürzen der Jahrtausendwende, ihr Geld lieber in Renten- oder Geldmarktfonds. Risiko ist out.

Dabei wurde die 5000-Punkte-Marke unlängst passiert, und seit März 2003 hat sich der Wert des deutschen Bluechip-Index mehr als verdoppelt. Die Stimmung der Privataktionäre aber verharrt auf Depressionsniveau.

Und das, obwohl die deutschen Bluechips längst nicht ausgereizt sind. In den nächsten Monaten sollte der Dax , die 5500-Punkte-Hürde reißen - davon ist der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber fest überzeugt. Auf längere Sicht sieht es sogar noch besser aus: Wieland Staud, Chef der auf technische Analyse spezialisierten Staud Research, traut dem Dax in den kommenden zwölf Monaten den Sprung auf 6230 Punkte zu. "Ich kann mir aber vorstellen", so Staud, "dass wir da schon viel schneller hinkommen."

Die Kurse haben sich abgekoppelt von der wirtschaftlichen Befindlichkeit eines Landes, das sich mit fast fünf Millionen Arbeitslosen und 1,4 Billionen Euro Staatsschulden in einer der tiefsten Depressionen der Nachkriegszeit wähnt. Börsen-Hausse und wirtschaftspolitische Endzeitstimmung - wie kommt es zu dieser paradoxen Konstellation?

Deutschland zu Discountkonditionen

Bernd Meyer, Europa-Stratege der Deutschen Bank , spricht von einer Unabhängigkeitserklärung der deutschen Konzernelite gegenüber dem Standort D. Schwache Konjunktur, dürftige Binnennachfrage, ein unflexibler Arbeitsmarkt: Weil die Politik keine Lösungen bietet, haben die Konzerne ihr Schicksal selbst in die Hand genommen.
"Im Vergleich zum Rest Europas", sagt Shigeki Makino, Chief Investment Officer der US-Fondsgesellschaft Putnam, "hat Deutschland mehr Initiative bei der Restrukturierung gezeigt." Die Republik verfügt inzwischen über weitgehend gesunde Firmen - getrimmt auf globale Wettbewerbsfähigkeit.

Beispiel BASF : Der Chemiekonzern erzielt im Ausland mehr als 40 Prozent seines Gewinns. Ähnlich sieht es beim Softwarekonzern SAP  aus, 76 Prozent des Umsatzes werden außerhalb des Landes gemacht. Noch unabhängiger steht Adidas  da. Der deutsche Anteil am Gesamtumsatz: magere 7 Prozent.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Deutschland haben es die Konzerne geschafft, ihre Lohnstückkosten auf international wettbewerbsfähiges Niveau zu drücken. Im Grunde erleichterte die Misere es den Firmen, Unpopuläres wie Jobverlagerungen oder Mehrarbeit durchzusetzen. "Gerade weil unsere Wirtschaft so schwach ist", sagt Aktienstratege Meyer, "hat sich die Lage unserer Unternehmen verbessert."

Die Deutschen aber trauen der Erholung nicht. Vom derzeitigen Boom profitieren hauptsächlich ausländische Investoren. Vor allem angloamerikanische Hedgefonds und Private-Equity-Firmen, die sich nach Deutschland trauten, als die Kurse ganz unten waren. Die Aktienquoten der Lebensversicherer sind dagegen noch immer auf Niedrigniveau, und bis weit in den Frühsommer hinein verzeichneten die Aktienfonds deutscher Investmentfirmen milliardenschwere Abflüsse.

Die Folge: Bluechips wie ThyssenKrupp , Tui oder Münchener Rück  sind immer noch billig. Bei allen Bewertungskennziffern, ganz gleich ob Kurs-Gewinn-, Kurs-Umsatz- oder Preis-Buchwert-Verhältnis, liegen die Dax-Konzerne besser als der britische FTSE 100 , der Stoxx 600  oder der S&P 500 . US-Investoren haben längst erkannt, dass die Deutschland AG zu Discountkonditionen gehandelt wird. "Langfristig kann man gutes Geld mit deutschen Firmen machen", sagt Murdo Murchison, Manager des US-Fonds Templeton Growth.

Politik als Randerscheinung

Nun engagieren sich auch die Schwergewichte der Investmentbranche, US- Publikums- und Pensionsfonds, verstärkt außerhalb der Vereinigten Staaten - speziell in Europa und Deutschland. Schätzungen des US-Fondsanalysehauses Financial Research Corporation (FRC) zufolge legten Amerikaner bis Ende Juni etwa 76 Milliarden Dollar in international und global investierenden Fonds an, 25 Milliarden mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Dagegen haben US-Aktienfonds offenbar an Attraktivität verloren: Die Zuflüsse sanken von rund 108 Milliarden auf 36 Milliarden Dollar.

Beispiel "Top European Players", ein Fonds der Gesellschaft Pioneer Investments: Seit August 2004 hat sich der Kapitalanteil aus den USA von 100 Millionen auf 250 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Der Betrag macht momentan zwar nur knapp 7 Prozent des gesamten Fondsvolumens aus.

Doch bis Ende des Jahres erwartet Pioneer weitere Mandate institutioneller Anleger aus den Vereinigten Staaten - damit ist ein Anstieg der US-Beteiligungen an europäischen und vor allem deutschen Bluechips auf 15 bis 20 Prozent programmiert.

Wer nun auch immer in das Berliner Kanzleramt einziehen wird, scheint dabei völlig egal zu sein. "Wir suchen den Markt nicht nach politischen Gelegenheiten ab", sagt Vermögensverwalter Murchison. Und US-Fondsmanager Makino ist ohnehin skeptisch, ob eine wie auch immer aussehende neue Regierung wirklich zu Reformen führt: "Das weiß man bei Politikern nie."

Zehn günstige Dax-Unternehmen

Ausgesiebt

Um die günstigsten Dax-Aktien herauszufiltern, hat manager magazin für sämtliche Konzerne Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-, Kurs-Umsatz- und Preis-Buchwert-Verhältnis ausgewertet und gerankt. Damit sichergestellt ist, dass die Börse auf die niedrige Bewertung reagiert, wurde die prozentuale Kursentwicklung der vergangenen drei Monate als zusätzlicher Indikator berücksichtigt.

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