Dienstag, 12. November 2019

Soziale Kompetenz Willkommen in der Wirklichkeit

Soziale Verantwortung wurde lange Jahre mit Spenden und Sponsoring gleichgesetzt. Nun engagieren sich immer mehr Führungskräfte persönlich mit ihrem Know-how und ihrer Arbeitskraft in Hilfsprojekten. manager magazin erklärt, wie sich Unternehmen sozial engagieren und warum deren Chefs anschließend besser führen.

Als Harald Kayser aus der Flughafenhalle in die schwüle Nacht von Delhi tritt, recken ihm hunderte Taxifahrer ihre Schilder entgegen. Unmöglich herauszufinden, wer ihn abholen soll. Kayser sucht trotzdem. Irgendwann ist es zwei Uhr nachts. Monsunzeit, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, 40 Grad Celsius.

Erweiterter Horizont:
PwC-Manager Harald Kayser (mit Brille) beim Besuch einer Schule in Indien
Kayser hat Durst, aber kein indisches Geld. Zuerst versucht er es in einer illegalen Wechselstube, dann geht er zur Polizei. Die Beamten finden schließlich sein Taxi. Es ist kurz nach vier Uhr morgens, als er endlich in seinem Appartement ankommt, Kayser schiebt das gebrauchte Bettlaken zur Seite und stellt fest, dass es gar nicht so einfach ist, Gutes zu tun.

In den nächsten zwei Monaten soll Kayser, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) als Global Relationship Partner den Großkunden Bosch betreut, zusammen mit zwei Kollegen im Rahmen eines Pro-Bono-Projekts einen Businessplan für die Hilfsorganisation World Links entwickeln. Der Spin-off der Weltbank will Schülern im ländlichen Indien IT-Kompetenz vermitteln. "Viele Schulen dort haben zwar Computer und Zugang zum Internet", sagt Kayser, "aber kaum jemand kann mit den Geräten umgehen."

Weil die Weltbank-Förderung demnächst ausläuft, braucht World Links frisches Geld. Diese Mittel bekommt die Organisation aber nur, wenn sie zuvor einen Businessplan und transparente Bücher vorweisen kann. Das ist der Job von Kayser und Kollegen. Im Juli und August 2004 besuchten sie deshalb einige Dutzend indischer Landschulen, sprachen mit Politikern und möglichen Geldgebern und präsentierten schließlich ihre Vorschläge.

Der 38 Jahre alte Kayser ist einer von bislang drei deutschen Teilnehmern des Projekts "Ulysses". Mit dem neuartigen Personalentwicklungsprogramm bereitet PwC eine handverlesene Gruppe junger Mitarbeiter auf internationale Führungsaufgaben vor. Dazu werden die Talente für zwei Monate buchstäblich in den Busch geschickt - sie unterstützen ein Anti-Landminen-Projekt in Eritrea, die Betreuung von Straßenkindern in Indien oder helfen im Kampf gegen Aids in Swasiland.

© manager magazin 8/2005
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