Donnerstag, 23. Mai 2019

Bertelsmann Stiftung Debakel in Gütersloh

3. Teil: Zweifel sind erlaubt

Für dieses Institut ist die Stiftung seit Jahren ein Quell der Freude und der Finanzmittel. Knapp 20 Prozent seines Haushalts bestreitet das Politcentrum mit Gütersloher Stiftungsaufträgen.

 Spesenritter Weidenfeld wurde gezügelt
Bertelsmann Stiftung
Spesenritter Weidenfeld wurde gezügelt
Um seinen umtriebigen Nebenmann unter Kontrolle zu bringen, legte ihm Meffert Anfang Dezember einen Beratervertrag vor. Weidenfeld reagierte pikiert und verlangte eine Aussprache. Am 20. Januar setzte er sich mit Meffert und Ernst Buschor, dem Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums, zusammen. Der Marketingpapst, der sich des Rückhalts der Mohns sicher wähnte, riskierte den Eklat.

Um Weidenfelds ebenso buntes wie teures Treiben einzudämmen, sollten seine Beraterleistungen laut Vertrag künftig "gesondert honoriert" und "inhaltlich fixiert" werden.

Meffert, der nicht nur päpstlich, sondern auch pingelig sein kann, wies darauf hin, dass es wie bisher nicht weitergehen könne, schon "aus steuerlichen Gründen". Auch ließ er seinen konsternierten Vorstand wissen, dass er nicht mehr als 100 Arbeitstage in Rechnung stellen dürfe.

Wörtlich heißt es in einem vertraulichen Aktenvermerk (ST-P/HM 31.1.05): "Ich stellte mit Herrn Buschor auch die Frage, ob die von Herrn Weidenfeld im Jahr 2004 aufgewandten 175 Arbeitstage in diesem Ausmaß als Nebentätigkeit genehmigt seien. Herr Weidenfeld wies darauf hin, dass eine entsprechende Genehmigung ... vom bayerischen Ministerium mit ihm vereinbart wäre."

Zweifel sind erlaubt: Für die Genehmigung seiner Nebentätigkeit ist kein Ministerium, sondern die Universität zuständig. Dort indes will man von einer Erlaubnis nichts wissen und teilt auf Anfrage mit, "dass ein Antrag auf Genehmigung einer Nebentätigkeit im Umfang von 175 Arbeitstagen nicht genehmigungsfähig" sei. Dies gelte auch für jene 100 Arbeitstage, die man Weidenfeld künftig zugesteht.

Über das Angebot, das er letztlich akzeptierte, zeigte sich Weidenfeld verbittert. Meffert schreibt: "Dies betreffe neben einer spürbaren Gehaltskürzung auch die Genehmigungsregelung bei den Reisespesen zum Wohnort."

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