Freitag, 18. Oktober 2019

Bertelsmann Stiftung Debakel in Gütersloh

2. Teil: "Personal- und Führungsprobleme"

Ein Vorstandskollektiv soll die Stiftung nun bis 2007 leiten: Liz Mohn, Gattin des Patriarchen Reinhard Mohn (84), ihre Tochter Brigitte (41) sowie Werner Weidenfeld (58), Politikprofessor aus München, und Finanzchef Johannes Meier (41). Für einen neuen Chef lohnt die Zeit nicht mehr.

Gelehrter Meffert geht stiften
Das Schicksal hatte seinen krummen Lauf im Oktober 2002 begonnen: Nach etlichen Führungswechseln zauberten die Mohns Heribert Meffert an die lädierte, etwas stumpfe Stiftungsspitze. Meffert war der vierte Amtsleiter in zwei Jahren und der erste Firmenfremde dazu. Die Zeiten waren sauer.

Die Stiftung, die sich aus den Erträgen der Bertelsmann AG finanziert (Budget 2004: 63 Millionen Euro; 310 Mitarbeiter)

musste Projekte streichen, Fachbereiche auflösen. Schon früh stieß Meffert auf Widerstände: Der "Anpassungsprozess erweist sich organisatorisch als schwierig", notierte er in einem internen Papier. Schlampereien ortete der Neue ausgerechnet in der Führung selbst.

In einer streng vertraulichen Notiz vom März 2003 ("Sicherung der Führungsfähigkeit") verlangte der Genervte von seinen Vorstandskollegen, einmalig in der Stiftungsgeschichte, eine "Verpflichtung auf Effizienzsteigerung und Commitment" und die "Lösung struktureller Personal- und Führungsprobleme".

Vor allem die ausschweifenden Operationen seines Professorenkollegen Weidenfeld, des einzigen ehrenamtlichen Vorstands, verdrossen Meffert. Mit dem Wissen der Mohns versuchte er, den Beamten zu zügeln.

So war Weidenfeld etwa wie alle Präsiden bis 2005 nicht nur Mitglied im Vorstand, sondern auch im Kuratorium der Stiftung, wo er gewissermaßen über sich selbst wachte und sich die eigenen Projekte genehmigen konnte. Stiftergattin Liz Mohn beansprucht dieses Privileg bis heute. Weidenfeld freilich bot die Doppelmitgliedschaft wohl weitere Vorteile.

Besonders brachte Meffert ein bizarres Phänomen auf, das er in einem Geheimdossier die "Verselbstständigung CAP" nannte. Staatsdiener Weidenfeld leitet an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP).

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