Berufsreport Die Zukunft der Juristen

Massenhaft Absolventen, wenige Jobs, und die Anforderungen werden immer größer – manager magazin zeigt die besten Karrierewege für Juristen auf.

Drückend heiß senkt sich die Nacht über Mumbai. Mit müdem Blick schiebt der Barman des "Grand Hyatt"-Hotels seinen letzten Gästen zwei Gläser Black Label über den Tresen. Gern würde er die beiden Herren auf ihre Zimmer schicken, den Laden schließen und nach Hause gehen, doch die beiden Barbesucher vor ihm machen keine Anstalten zu gehen. Wolfgang Peters (41) und Jörg Podehl (41), Anwälte aus Düsseldorf, werden in dieser Nacht noch lange hier sitzen, schließlich feiern sie einen der schönsten Momente ihres Berufslebens.

Die Juristen sind in die indische Metropole (früher Bombay) geflogen, um einen kühnen Plan zu verwirklichen: Sie wollen in der brodelnden Wachstumsregion Mandanten akquirieren. Die beiden Partner der Kanzlei Peters Rechtsanwälte hatten via Internet der deutschindischen Handelskammer ein Seminar zum Thema "Doing Business in Germany" angeboten. Sie hofften auf 10, vielleicht 20 Interessenten.

Als Peters und Podehl den Seminarraum betreten, ist der Saal bis in den letzten Winkel besetzt. 60 Vertreter indischer Unternehmen wollen die Einführung in deutsches Wirtschaftsrecht hören. Die Deutschen tragen in zwei Runden vor und brauchen ihre Visitenkartenvorräte restlos auf.

Das indische Abenteuer hat sich ausgezahlt: Zwei neue Mandanten sind gefunden und eine renommierte indische Kanzlei, die mit den Rheinländern künftig eng zusammenarbeiten will. Mit ihrem Gespür fürs Unternehmerische haben Wolfgang Peters und Jörg Podehl geschafft, woran Jahr für Jahr tausende Rechtsgelehrte scheitern: Sie haben sich im chronisch überbesetzten deutschen Juristenmarkt ihre Nische erkämpft.

Die Perspektiven der Juristen - unter Arbeitsmarktexperten gibt es kaum ein traurigeres Thema. Die Arbeitslosenquote der Paragrafenkenner liegt inzwischen deutlich über dem Durchschnitt der übrigen Akademiker.

Nur ein Bruchteil der Absolventen findet in der Justiz oder der Verwaltung Unterschlupf. Vier Fünftel jedes Jahrgangs müssen ihr Auskommen in der Privatwirtschaft suchen. In einer Anwaltssozietät, einem Unternehmen oder als Selbstständige. Auch hier gibt es kaum neue Jobs. Die Unternehmen setzen in ihren Rechtsabteilungen den Rotstift an. Internationale Law Firms, kürzlich noch der Jobmotor schlechthin, stellen nur wenige junge "Associates" ein.

Sparringspartner der Topmanager

Und als Einzelkämpfer krebsen viele Junganwälte zu Hungerlöhnen herum. 130.000 Anwälte sind mittlerweile in Deutschland zugelassen - 1990 waren es erst 56.000. Jedes Jahr lassen sich fünf- bis sechstausend selbstständige Advokaten nieder. Besonders groß ist das Angebot in den Städten: In München etwa kommt ein Anwalt auf 127 Einwohner.

Die Abiturienten indes scheint die trübe Perspektive kaum zu stören: Jedes Jahr schreiben sich rund 17.000 Erstsemester an den juristischen Fakultäten ein, rund 10.000 Absolventen des zweiten Staatsexamens drängen Jahr für Jahr neu auf den Arbeitsmarkt - zwei Jahrgänge würden theoretisch ausreichen, um alle Richterstellen im Land neu zu besetzen. Juristen seien, unkte neulich der "Stern", auf Jahrzehnte hin die Hauptverlierer am Akademiker-Arbeitsmarkt; nur Architekten und Biologen geht es genauso schlecht.

Leugnen ist zwecklos: Die Lage ist ernst - aber nicht aussichtslos. Mit Fantasie, Einsatz und Kompetenz können Justitias Jünger auch heute noch ihr Glück machen.

Die wachsende Regulierung und Bürokratisierung aller Lebensbereiche lässt den Bedarf an kompetenter Beratung steigen. Rechtsschutzversicherungen stacheln die Klagefreudigkeit der Bürger an. Der Mittelstand expandiert ins Ausland und benötigt Rechtsrat.

Viele Möglichkeiten für Juristen also. Ohne klar durchdachte Karrierestrategie allerdings sind sowohl Einsteiger als auch Juristen mit ein paar Jahren Berufserfahrung aufgeschmissen. Studenten sollten per Praktikum klären, ob sie wirklich in eine Wirtschaftskanzlei oder in die Rechtsabteilung eines großen Konzerns passen. Berufserfahrene sollten sich fragen, welche Zusatzqualifikationen ihr Weiterkommen erleichtern und absichern könnten.

Drei Wege, auf denen Juristen heute Karriere machen können - ein Report.

Beleuchtete Fliesen aus milchigem Glas, die Wände gelackt in Leuchtendgrün und Quietschorange - das Foyer der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler im 8. Stock eines Hochhauses im Frankfurter Westend könnte auch zu einer Werbeagentur führen. Hier tragen Junganwälte Budapester Schuhe und edle Anzüge. Manch einer betont seine Individualität mit einer kunstvoll verzottelten Trendfrisur.

Das Linklaters-Foyer zeigt ein Selbstverständnis, das mit dem Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt hinterm staubigen Aktenturm nichts mehr gemein hat. Nicht nur bei Linklaters, in allen großen Wirtschaftskanzleien wollen Anwälte Sparringspartner der Topmanager sein, international versiert, schnell im Kopf, immer auf Zack. Eine glamouröse Spezies, irgendwo zwischen Investmentbanker und Strategieberater.

Klinken putzen inklusive

Die Edelkanzleien sind das Traumziel vieler Einsteiger: In einer Umfrage der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung träumt jeder dritte Bewerber vom Start in einer internationalen Großkanzlei.

Julia Winneke (31) hat den Einstieg geschafft. Die Prädikatsjuristin arbeitet seit eineinhalb Jahren bei Freshfields Bruckhaus Deringer in Hamburg.

Die Bedingungen sind luxuriös: Das Einstiegsgehalt liegt bei 75.000 Euro, Dienst-Handy und Blackberry gehören zur Grundausstattung. Winneke berät Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen. Das nötige Spezialwissen beschaffte sie sich in der täglichen Arbeit und in kanzleiinternen Fortbildungen; Rhetorik- und Präsentationskurse bietet Freshfields zusätzlich.

Schon jetzt arbeitet Winneke an größeren Deals mit. Beim Verkauf des Instituts Fresenius an die deutsche SGS Holding war sie dabei. Als die Private-Equity-Firma Apollo den Kabelnetzbetreiber Ish kaufte, beriet sie Apollo.

"Gute Examensnoten allein hätten mir den Weg nicht geebnet", sagt Winneke, die im Gesellschaftsrecht promoviert hat: "Wer in eine Wirtschaftskanzlei will, muss sich schon im Studium mit BWL und Steuerrecht beschäftigen."

Als Associate muss sich Winneke nun von der reinen Rechtsexpertin zur Unternehmerin entwickeln. Die Mandanten erwarten Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, sie wollen Problemlöser, keine Theoretiker, die in wohlgesetzten Worten rechtliche Hindernisse vor ihnen auftürmen. Aber auch das Kanzleimanagement setzt langfristig auf Winnekes Unternehmergeist. Das heißt vor allem: auf ihr Talent, Beratungsleistungen bei den Mandanten zu verkaufen.

Freshfields brauche begabte Juristen mit ausgeprägtem Kaufmannsdenken, sagt Partner Konstantin Mettenheimer. Selbst "Trendforscherqualitäten wären nicht schlecht", so Mettenheimer: Wo entwickeln sich neue Beratungsgebiete? Was ist das nächste große juristische Ding, das hohe Honorare verspricht?

Wie Freshfields denken alle großen Law Firms. "Anwalt zu sein bedeutet heute in hohem Maße Klinken putzen", sagt Stefan Kraus, Partner der mit Ernst & Young assoziierten Großkanzlei Luther Menold. Anwälte müssen Marketing in eigener Sache betreiben: Sie schreiben Artikel für Fachzeitschriften, halten Vorträge oder informieren auf der Cebit über IT-Recht. "Cross Selling" lautet die Zauberformel. Gemeint ist, einen Mandanten nicht nur auf einem Spezialgebiet zu beraten, sondern in möglichst vielen rechtlichen Fragen an die Kanzlei zu binden.

Kein Partnerstatus auf Lebenszeit

Bei Clifford Chance zum Beispiel informieren sich die Mitarbeiter einmal pro Woche gegenseitig über Akquisepläne. Wenn es irgendwie passt, sollen die Kollegen anderer Fachgebiete zum nächsten Mandantentermin gleich mitgenommen werden.

Das Gebagger muss sein. Der Markt für wirtschaftsberatende Kanzleien stagniert. Große Transaktionen wie die Fusion zwischen Daimler und Chrysler oder die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, die den um die Jahrtausendwende frisch fusionierten deutschbritischen Großkanzleien traumhafte Wachstumsraten bescherten, gehören bis auf Weiteres der Vergangenheit an.

Dichtes Gedränge: Absolventenzahl stagniert ...

Dichtes Gedränge: Absolventenzahl stagniert ...

Foto: manager magazin
... Stellenmarkt bricht ein ...

... Stellenmarkt bricht ein ...

Foto: manager magazin
... Gründungen boomen

... Gründungen boomen

Foto: manager magazin


Dichtes Gedränge: Absolventenzahl stagniert,
Stellenmarkt bricht ein, Gründungen boomen

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Ein Teil dieses verlorenen Geschäftsvolumens gleichen mittlerweile zwar Private-Equity-Investoren aus. Auch die juristische Betreuung von Banken bei der Entwicklung innovativer Finanzprodukte und die Mittelstandsberatung bringen neue Aufträge.

Doch um diese Klientel balgen sich nicht nur die etablierten deutsch-britischen Law Firms. Immer mehr Anwaltskonzerne aus den USA entdecken den deutschen Markt. Große Namen wie Jones Day, Milbank, McDermott, Morgan Lewis oder die angloamerikanische Kanzlei DLA starten hier zu Lande mit eigenen Dependancen.

Der brutale Wettbewerb setzt jeden einzelnen Anwalt unter Druck. Wer nicht genug Umsatz bringt, muss eher früher als später gehen.

Der Bannstrahl trifft selbst alteingesessene Partner. "Der Partnerstatus auf Lebenszeit gehört der Vergangenheit an", schrieb kürzlich das Branchenblatt "Juve". "Alle großen Sozietäten durchkämmen derzeit ihre Partnerriegen", bestätigt Michael Leistikow, Partner bei Lovells. Lovells kämmte besonders gründlich: Zehn Partner haben seit Ende 2003 die Kanzlei in Richtung anderer Sozietäten verlassen.

Den Druck spüren vor allem die Jungen. Ihre Chancen, in den Eigentümerkreis ihrer Sozietät aufzusteigen, haben sich massiv verschlechtert.

Noch immer ist der Aufstieg in die Partnerriege das Ziel aller Kanzleieinsteiger. Wer es bei einer der Topkanzleien zum Sozius bringt, hat ausgesorgt. 420.000 Euro Gewinnbeteiligung trugen etwa die Partner von Beiten Burkhardt 2004 im Schnitt nach Hause.

Up or out

Tolle Aussichten - doch für die meisten Einsteiger graue Theorie. Denn bei mageren Umsatzzuwächsen schmälert jeder Neuzugang die Gewinnchancen der Alten. Deshalb stellten die Kanzleien zwar gern billige junge Kräfte ein, sagt die Münchener Anwalts-Headhunterin Karin Berz: "Doch das Gros wird vor dem Eintritt in die Partnerschaft gestoppt - getreu dem berühmten Karriereprinzip: up or out."

Die Sozietäten machen daraus kein Geheimnis. "Die traditionelle deutsche Karriereperspektive - Partnerschaft nach fünf bis sieben Jahren - können wir heute nicht mehr jedem Associate bieten", gibt etwa Eberhard Meincke zu, Partner bei White & Case. "Hochintelligente Einzelgänger werden bei uns nicht Partner. Jeder muss einen Beitrag zum Geschäft leisten", ergänzt Jörg Soehring, Partner von Latham & Watkins. Pro Jahr stellt Latham rund 15 Junganwälte ein. Im Schnitt ein Drittel verlässt die Kanzlei vorzeitig. Andere Law Firms melden ähnliche Quoten.

Dem Aufstieg gehen immer härtere Auswahlrunden voraus. Bei Linklaters zum Beispiel dauert das Prozedere mehrere Monate, berichtet Partner Fabian Ehlers: "Ein Partnerwahl-Komitee reist rund um die Welt und führt dutzende Gespräche, um geeignete Kandidaten zu finden und in einem aufwändigen Verfahren zu bewerten."

Auch die Erfindung neuer Hierarchiestufen hält die Jungen oft von den oberen Rängen fern. Taylor Wessing zum Beispiel vergibt die Partnerschaft in zwei Stufen: Associates werden nach frühestens vier Jahren zunächst Fixed-Share-Partner. Sie verdienen zwar deutlich mehr als ein Senior Associate; doch der variable Gehaltsanteil ist noch recht gering und ihr Stimmrecht in einigen Punkten eingeschränkt. "Nach drei bis fünf weiteren Jahren kann dann die Ernennung zum Vollpartner folgen", sagt Partner Andreas Meissner.

Frauen mit Kindern trifft überdurchschnittlich oft das Los, ganz aus dem Partner-Track herauszufallen. Sie wechseln als so genannte Professional Support Lawyer oder Paralegal in den Innendienst und erhalten zum Beispiel die Aufgabe, Formularverträge auf den neuesten Stand zu bringen. Das ist juristisch hochanspruchsvoll, doch Mandantenkontakt oder gar Aufstieg - Fehlanzeige.

Die verschlechterten Karriereperspektiven sind kein Argument gegen den Einstieg bei einer Großkanzlei. Eine gute Schule sind Law Firms allemal. Nirgendwo sonst erhalten Einsteiger schneller Einblick in Aufsehen erregende Transaktionen, nirgendwo sonst können sie ihr Gespür für wirtschaftsrechtliche Beratungsqualität besser schulen.

Die Youngster sollten allerdings damit rechnen, irgendwann ausgebremst zu werden - und sich rechtzeitig nach einer Alternative umsehen.

Nach zwei, drei Jahren können Law Firms für Associates, die Zweifel an ihren Karrierechancen hegen, ein gutes Sprungbrett sein. Zum Beispiel für den Wechsel in ein Unternehmen.

Ein Weg voller Steine

Kirsten Brakhahn (38) ist einen ähnlichen Weg als Justiziarin beim Modemacher Tom Tailor gegangen. "Im Konzern ist unternehmerisches Denken mindestens ebenso wichtig wie in einer Wirtschaftskanzlei", sagt Brakhahn, die unmittelbar vor ihrem aktuellen Job in einer Hamburger Kanzlei gearbeitet hat: "Ich verstehe mich als eine Art Allgemeinmedizinerin, als Anlaufstelle für sämtliche juristischen Fragen."

Als sie vor zwei Jahren zu Tom Tailor kam, musste sie die Rechtsabteilung von null an aufbauen. Musterverträge erstellen, Abstimmungsprozesse etablieren, Allgemeine Geschäftsbedingungen mitformulieren. Vertriebsrecht, Markenrecht, Schutz vor Plagiaten, Beratung der Marketingleute und Designer - alles landet auf ihrem Schreibtisch.

Es gab keine Bürokratien, aber auch niemanden in der Firma, den sie fragen konnte. Die Verantwortung war deutlich größer als in einer Sozietät, wo vieles im Team geregelt wird und in den ersten Jahren immer noch jemand draufschaut.

Und: Viel Fingerspitzengefühl für die "Kunden" braucht es, in ihrem Fall für die Kollegen aus anderen Abteilungen. Zum Beispiel wenn die tollen Ideen der Kreativen zerpflückt werden müssen.

Neulich erst wollten die Designer eine geschmeidige schwarze Raubkatze auf ein T-Shirt malen und "Panther" drunterschreiben. Geht nicht, sagte Kirsten Brakhahn. "Panther" heißt auch ein Kleiderlabel; und so wie Tom Tailor will, dass seine Marken geschützt werden, will "Panther" das auch. Durch die tägliche Nähe zum operativen Geschäft bekommt sie die Konsequenzen ihrer juristischen Empfehlungen hautnah mit, "viel stärker als ein externer Berater".

Im Schnitt verbringt Brakhahn heute rund neun Stunden pro Tag im Büro, die Wochenenden sind frei. Dafür ist das Gehalt niedriger als in der Großkanzlei. Und ein Absolvent, der gleich nach dem Staatsexamen als Justiziar einsteigt, verdient gar nur rund 40.000 Euro.

Kanzlei oder Unternehmen - das ist auch eine ziemlich persönliche Frage. Die freie Entscheidung aber haben ohnehin nur Absolventen mit 1-a-Lebenslauf. Ein Prädikatsexamen sollte es schon sein, gern garniert mit einer Promotion oder einem Master of Laws.

Der Großteil der frisch Examinierten kann von dieser Wahlfreiheit nur träumen. Ihnen bleibt nur der Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Weg voller Steine, zugegeben. Doch der Versuch lohnt - besser als Taxifahren ist er allemal.

"Die Selbstständigen in spe müssen rasch ein Gespür dafür entwickeln, wie sie sich am Markt präsentieren können", sagt Martin Lang, Vorsitzender im Forum Junge Anwaltschaft des Deutschen Anwaltvereins: "Welches Beratungsprofil gebe ich meiner Kanzlei? Wie kalkuliere ich meine Kosten? Wie verschaffe ich mir Aufmerksamkeit?"

Justitia calculat

Mit guter Selbst-PR, so Lang, können sich Gründer rasch einen Startvorteil erarbeiten. Viele Start-up-Kanzleien vernachlässigen das Trommeln in eigener Sache sträflich. Während die Großen ganze PR-Stäbe beschäftigen, besitzen die Kleinen oft nicht mal eine Website. Von einem Marketingkonzept ganz zu schweigen.

Stefan Röhrborn hat mit der Selbstvermarktung kein Problem. Vor wenigen Wochen erst hat der Sozius der Düsseldorfer Kanzlei Färber Rechtsanwälte seine neue Kanzleibroschüre verschickt. Röhrborn und seine drei Kolleginnen und Kollegen sind Fachanwälte für Arbeitsrecht. Der Rheinländer berät Unternehmen, Topmanager und Ärzte in arbeitsrechtlichen Konflikten und hat sich umsatztechnisch inzwischen komfortabel eingerichtet.

Klappern gehört zum Handwerk. Röhrborns Credo: "Langfristig tragfähige Kundenbeziehungen funktionieren am besten über persönliche Sympathien." Da kann es helfen, im gleichen Alter zu sein wie der potenzielle Kunde. Oder ähnliche Interessen zu haben.

Mit Einfallsreichtum und ein bisschen Chuzpe lässt sich auch heute noch ein tragfähiges Mandantennetz aufbauen. Geduld braucht der Einsteiger allerdings reichlich - vor allem was die Einkommensentwicklung betrifft.

Auf rund 58.000 Euro im Jahr kommt der deutsche Durchschnittsanwalt. Für Berufseinsteiger ist dieser Verdienst utopisch. Wer als Einzelkämpfer loslegt, kann auf 1000 bis 1500 Euro netto pro Monat stolz sein.

Ob Law Firm, Konzern oder eigene Kanzlei - Jungjuristen müssen ihre Nische finden. Es gibt keinen Königsweg, alle drei Karrierealternativen bergen handfeste Risiken. Großkanzleien sieben unpassende Neulinge nach kurzer Zeit aus. Andererseits verschafft die so oft verlachte Feld-Wald-und-Wiesen-Kanzlei manchem Einsteiger ein gedeihliches Auskommen.

Wer überleben will, darf sich nicht auf sein Fachwissen verlassen. Um als Berater des Managements oder als selbstständiger Anwalt erfolgreich zu sein, müssen die Spielregeln Teil der eigenen DNA werden. Es braucht wirtschaftliches Verständnis, Akquisetalent und eine grenzenlose Bereitschaft zum Dienst am Kunden.

Die alte Weisheit "Justitia non calculat" - die Justiz rechnet nicht - hat so gesehen ausgedient. Rechnen muss sein. Sonst klappt es nicht mit der Karriere.

Beste Adressen für kluge Köpfe

Beste Adressen für kluge Köpfe - was die größten Wirtschaftskanzleien bieten










Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer CMS Hasche Sigle
Kontakt Dr. Nikolaus Schrader,
Alsterarkaden 27,
20354 Hamburg,
Telefon: 040/36906-275
Dr. Wolf-Georg von Rechenberg,
Markgrafenstraße 36,
10117 Berlin,
Telefon: 030/20360-186

Partner/
Associates in Deuschland; Anwälte im Ausland
156 Partner/394 Associates;
347 Partner/1277 Associates im Ausland
156 Partner/268 Associates in Deutschland;
keine im Ausland
Internationale Präsenz 6 Büros in Deutschland,
21 im Ausland
10 Büros in Deutschland,
5 Büros im Ausland
Beratungs-
schwerpunkte
Unternehmensrecht, Arbeitsrecht, Bank- und Finanzrecht, Gewerblicher Rechtsschutz/Informationstechnologie, Immobilienrecht, Kartellrecht, Öffentliches Wirtschaftsrecht, Prozesse/
Schiedsverfahren/Mediation, Steuerrecht
Gesellschaftsrecht, M, Bankrecht, Kartellrecht und Fusionskontrolle, Immobilien, Steuerrecht, Energie, Vergaberecht, Versicherungsrecht
Bedeutende Mandate Helaba, Eon, Siemens, Iesy Hessen, Permira, Strabag keine Angabe
Geplante Einstellungen von Junganwälten 2005 bis zu 100 30
Einstiegsgehalt/
Karriereverlauf
75.000 bis 80.000 Euro; Ernennung zum Full-Equity-Partner nach frühestens fünf Jahren Bis 75.000 Euro inklusive Bonus; Ernennung zum Equity-Partner in der Regel nach sieben Kalenderjahren
Kanzlei Clifford Chance Linklaters
Kontakt Wolf Kahles,
Postfach 11 14 42,
60049 Frankfurt/Main,
Telefon: 069/7199-4442
Sandra Bernaschek,
Mainzer Landstraße 16,
60325 Frankfurt/Main,
Telefon: 069/71003134

Partner/Associates in Deuschland; Anwälte im Ausland 100 Partner/250 Associates;
482 Partner/1868 Associates im Ausland
83 Partner/245 Associates;
416 Partner/1700 Associates im Ausland
Internationale Präsenz 3 Büros in Deutschland,
28 Büros im Ausland
4 Büros in Deutschland,
26 Büros im Ausland
Beratungs-
schwerpunkte
Gesellschaftsrecht, Bank- und Finanzrecht, Kartellrecht, Prozessführung und Schiedsverfahren, Immobilien, Steuerrecht Gesellschaftsrecht, M, Bank- und Kapitalmarktrecht, Immobilien, Medien und IT, Steuerrecht und Wirtschaftsprüfung, Arbeitsrecht
Bedeutende Mandate Bayer Health Care, Linde, Celanese, Permira, Uniqa Versicherungen, Citigroup, Morgan Stanley, Kohlberg Kravis Roberts, CVC Capital Partners Fortress, Sanofi-Synthélabo, Hewlett-Packard, Intermarché, Merrill Lynch, 1. FC Köln, Bundesverkehrsministerium, Viacom, Arcelor
Geplante Einstellungen von Junganwälten 2005 rund 60 50
Einstiegsgehalt/
Karriereverlauf
80.000 Euro; keine festen Regeln für die Aufnahme neuer Partner; Partnerstufen: Equity-Partner, Partner without Equity 75.000 bis 82.000 Euro; Ernennung zum Partner in der Regel nach sechs bis sieben Jahren; Equity-Partnerstatus als Regel, Non-Equity als Ausnahme
Kanzlei Lovells Luther Menold
Kontakt Thorsten Ashoff,
Kennedydamm 17,
40476 Düsseldorf,
Telefon: 0211/1368-0
Uwe Doenges,
Ludwigstraße 8,
50667 Köln,
Telefon: 0221/2779-25689

Partner/
Associates in Deuschland; Anwälte im Ausland
74 Partner/192 Associates;
247 Partner/708 Associates im Ausland
52 Partner/198 Associates;
keine Angaben für das Ausland
Internationale Präsenz 5 Büros in Deutschland,
21 Büros im Ausland
13 Büros in Deutschland, Mitglied im internationalen Netzwerk EY Law Europe, dadurch Partnerkanzleien in allen wichtigen europ. Ländern inklusive Osteuropa
Beratungs-
schwerpunkte
Arbeitsrecht, Bankrecht, M, Gewerblicher Rechtsschutz, Handels- und Vertriebsrecht, Immobilien, Internationale Schiedsgerichtsbarkeit, Kartellrecht Banken Finanzmärkte, Gesellschaftsrecht, Prozessrecht, M, Arbeitsrecht, Urheberrecht, IT-Recht, Handels- und Kartellrecht, Immobilien
Bedeutende Mandate Motorola, WestLB, RWE, Solutions, Hypo Real Estate, Patron Capital Partners, Terra Firma, Underberg Accor, Dresdner Bank, Helaba, KarstadtQuelle, Apollo Optik, Plus Warenhandelsgesellschaft, Rewe, Werbeagenturen, Öffentliche Hand
Geplante Einstellungen von Junganwälten 2005 rund 30 bis 40 keine Angaben
Einstiegsgehalt/
Karriereverlauf
keine Angaben zum Gehalt; Ernennung zum Partner nach fünf bis sieben Jahren; Partnerstufen: Equity, Non-Equity Circa 70.000 Euro inklusive Boni; Einstieg als Associate; nach drei Jahren Promotion zum Senior Associate möglich; nach weiteren drei Jahren Salary Partner möglich; Vollpartnerschaft nach nicht festgelegter Zeit

Beste Adressen für kluge Köpfe (II)

Beste Adressen für kluge Köpfe - was die größten Wirtschaftskanzleien bieten (Teil II)








Kanzlei Taylor Wessing White Case
Kontakt Dr. Walter Potthast,
Königsallee 92a,
40212 Düsseldorf,
Telefon: 0211/8387161
Kersten Wagner-Cardenal,
Jungfernstieg 51,
20354 Hamburg,
Telefon: 040/35005-291

Partner/
Associates in Deuschland; Anwälte im Ausland
122 Partner/108 Associates;
111 Partner/174 Associates im Ausland
47 Partner/162 Associates;
379 Partner/1487 Associates im Ausland
Internationale Präsenz 5 Büros in Deutschland,
6 Büros im Ausland
5 Büros in Deutschland,
38 Büros im Ausland
Beratungs-
schwerpunkte
Arbeitsrecht, Baurecht, Handel Vertrieb, Schiedsverfahren, Gesellschaftsrecht, M, Immobilien, Seerecht, Wettbewerbsrecht M, Gesellschaftsrecht, Bank- und Finanzrecht, Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht, Projektfinanzierung, Öffentliches Recht
Bedeutende Mandate Keine Angaben Deutsche Bank, Morgan Stanley, HSH Nordbank, Premiere, Deka Bank, Royal Bank of Scotland, Mobilcom, Bayerische Landesbank
Geplante Einstellungen von Junganwälten 2005 rund 20 22
Einstiegsgehalt/
Karriereverlauf
70.000 Euro plus Bonus; bei „erfolgreicher Zusammenarbeit“ Ernennung zum Fixed-Share-Partner nach circa vier Jahren, Equity-Partner nach weiteren drei bis fünf Jahren möglich 60.000 bis 75.000 Euro; drei Partnersufen: Equity, Contract, Local; Associates können nach vier Jahren zum Local-Partner ernannt werden
Kanzlei Beiten Burkhardt Hengeler Mueller
Kontakt Simone Lauerer,
Ganhoferstraße 33,
80339 München,
Telefon: 089/35065-00
Thomas Müller,
Bockenheimer
Landstraße 51,
60325 Frankfurt,
Telefon: 069/17095-332

Partner/
Associates in Deuschland; Anwälte im Ausland
93 Partner/98 Associates;
11 Partner/47 Associates im Ausland
73 Partner/107 Associates;
4 Partner/3 Associates im Ausland
Internationale Präsenz 7 Büros in Deutschland,
8 Büros im Ausland
3 Büros in Deutschland,
2 Büros im Ausland, Zusammenarbeit mit führenden europäischen und US-amerikanischen Anwaltssozietäten
Beratungs-
schwerpunkte
Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, IT-, Medien- und Telekommunikationsrecht, Arbeitsrecht, Öffentliches Recht, Immobilien M, Gesellschaftsrecht, Bank- und Finanzrecht, Kartellrecht, IT, Arbeitsrecht, Insolvenz und Sanierung, Immobilien, Prozesse, Schiedsverfahren
Bedeutende Mandate keine Angaben Allianz Capital Partners/Goldman Sachs, Blackstone, Cinven, CVC Capital Partners, MG Technologies, KKR, Merck KGaA, RAG/Rütgers
Geplante Einstellungen von Junganwälten 2005 20 bis 30 35 bis 40
Einstiegsgehalt/
Karriereverlauf
Circa 70.000 Euro; Sieben bis acht Jahre bis zum Equity-Partner; Drei Partnerstufen: Salary-Partner, Senior-Salary-Partner, Equity-Partner 75.000 bis 80.000 Euro; nach vier Jahren Vorentscheidung über die Assoziierung, nach fünf Jahren Entscheidung über die Aufnahme. Es gibt nur die volle Equity-Partnerschaft.
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