Zukunftsstädte Pune in Indien

Die Weltwirtschaft verändert sich dramatisch. Als neue Schwergewichte treten Brasilien, China und Indien auf. manager magazin stellt drei noch weithin unbekannte Zukunftsstädte vor, die für Investoren interessant werden. Heute: Pune in Indien.

Bhagwan Shree Rajneesh verhieß vollkommene Erlösung dank Meditation und Gruppensex. Zivilisationsgeschädigte Intellektuelle und frustrierte Hippies folgten zu tausenden seinem Ruf.

Sie strömten ins indische Pune, das damals noch Poona hieß, hüllten sich in rote Roben, legten eine Art Hundehalsband um und opferten oftmals ihr gesamtes Vermögen für die Gnade, im Ashram des Bhagwans arbeiten und lieben zu dürfen.

Die Ergebenheit seiner Jünger zahlte sich für den "Erleuchteten" trefflich aus. Zu seinen Hoch-Zeiten verfügte Bhagwan über eine Flotte von 93 Rolls-Royce.

Vergangen und vorbei. Vom Vermächtnis des 1990 Verschiedenen kündet nur noch ein Meditationszentrum in einem Villenviertel Punes.

Die Stadt im Bundesstaat Maharashtra hat sich seit dem Abgang ihres berühmtberüchtigten Gurus in einen pulsierenden Wirtschaftsstandort verwandelt; die Einwohnerzahl ist von einer Million in den 70er Jahren auf rund fünf Millionen hochgeschnellt.

"Heute gehört Pune zu den wohlhabendsten und prosperierendsten Städten Indiens", sagt DaimlerChrysler-Statthalter Hans-Michael Huber. In seiner schneeweißen Fabrik am Rande von Pune montieren 350 Beschäftigte die E- und C-Klasse. Die 126 S-Klasse-Modelle, die Huber 2004 verkaufte, wurden als vorgefertigte Module aus Deutschland eingeführt.

DaimlerChrysler  arbeitet in Pune profitabel. Auch die beiden Autokonzerne Tata Motors  und Bajaj Tempo florieren. Die Fahrzeugindustrie, ihre Zulieferer und Bharat Forge, die größte Schmiedefabrik der Welt, bilden die industrielle Basis von Pune.

Das "indische Oxford"

Viele Akademiker: Mittlerweile siedeln sich auch Softwarehäuser und Pharmafirmen in den Industrieparks an. Sie profitieren besonders von den Unis und Fachschulen in Pune. Das "Oxford Indiens" versorgt die Wirtschaft mit gut ausgebildeten Ingenieuren oder Chemikern, die alle hervorragend Englisch sprechen, was wiederum die Ausländer schätzen, die in jüngster Zeit vermehrt in Pune investieren.

Zu den prominenten internationalen Investoren zählt der Allianz-Konzern , der im Jahr 2001 zusammen mit dem Fahrzeughersteller Bajaj Auto zwei Versicherungs-Joint-Ventures gegründet hat. 2005 will Bajaj Allianz die Mitarbeiterzahl auf 7000 verdoppeln.

Schnelle Verbindung: Noch kann Pune nicht mit der großen Hafenstadt Mumbai (früher Bombay) mithalten. Dort schlägt das industrielle Herz Indiens, dort wuchern Konzernzentralen, Bankentürme, Filmstudios und Fabriken. Doch gerade das explosive Wachstum Mumbais treibt Unternehmer ins südöstlich gelegene Pune. Gerade mal zwei Stunden dauert die Reise von Mumbai nach Pune auf der nagelneuen Autobahn.

Niedrige Immobilienpreise: Angekommen im staubigen und mit seinen vielen Slum-Bezirken auch recht schäbigen Pune, ist auf den ersten Blick sichtbar, wo die Chancen der Stadt liegen: Dort gibt es noch Platz für neue Industriebetriebe, folglich "betragen die Immobilienpreise nur etwa ein Siebtel dessen, was im überfüllten Mumbai zu zahlen ist", sagt Bernhard Steinrücke, Leiter der Deutsch - Indischen Handelskammer. Auch die Löhne in Pune liegen viel niedriger als in Mumbai.

Mit einer Fläche von zwei Millionen Quadratmetern bedeckt die Autofabrik des Mischkonzerns Tata  am Rande Punes das größte Areal. Die Fahrt von einer hellgrau gestrichenen Halle zur anderen will kein Ende nehmen. 14.000 Beschäftigte produzieren hier Personenwagen und Nutzfahrzeuge - sowohl für den inländischen Markt als auch für den Export.

Die schrittweise Öffnung

Es ist noch nicht lange her, da steckte Tata Motors in den roten Zahlen. Erst ein Kostensenkungsprogramm, das 5000 Beschäftigte den Arbeitsplatz kostete, brachte Tata wieder Gewinne. Restrukturiert hat auch der Fahrzeughersteller Bajaj Auto, der in seinen mittlerweile hochmodernen Werken in Pune Zwei- und Dreiräder produziert.

Was Tata und Bajaj schon hinter sich haben, steht vielen Unternehmen in ganz Indien noch bevor: Die schrittweise Öffnung Indiens seit Anfang der 90er Jahre setzt die heimische Industrie zunehmend der internationalen Konkurrenz aus.

Dem Druck müssen die Firmen mit Modernisierung begegnen - zu Lasten der Arbeitsplätze. Mithin wird es Jahre dauern, bis selbst eine aufstrebende Stadt wie Pune die hohe Erwerbslosigkeit reduzieren kann.

Zu tun gibt es noch jede Menge in Pune. Der Flughafen ist viel zu klein, die Straßen sind meist in katastrophalem Zustand. Die Abgase der Fahrzeuge und die Rauchschwaden der herunterbrennenden Müllberge verpesten die Luft.

Am ärgsten aber drängt das Energieproblem. Fast täglich bricht die Stromversorgung zusammen. Wer besonders viel Energie verbraucht, muss einmal pro Woche nach einem von der Behörde vorgegebenen Plan die Produktion einstellen.

Eugen Rapp, der im schwäbischen Weingarten die Maschinenbaufirma Tox Pressotechnik betreibt, schreckt dies alles nicht. Er hat Indien vor einigen Monaten zum ersten Mal besucht und spontan beschlossen: "Ich werde in Pune ein neues Werk errichten."

Globalisierung: Allianz der neuen Mächte Zukunftsstadt 1: Curitiba in Brasilien Zukunftsstadt 2: Chongqing in China

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