Vom Meister Ikone im Ruhestand

Was macht eine Manager-Ikone im Ruhestand, wenn Golfen wegen körperlicher Handikaps (Rückenproblemen) ausscheidet? Jawohl, Bücher schreiben. Jack Welch, Ex-Chef von General Electric, gibt seine sattsam bekannten Weisheiten noch einmal zum Besten.
Von Claus G. Schmalholz

Erkenntniswert:

Der "Manager des Jahrhunderts", wie Jack Welch wegen seines wertsteigernden Wirkens bei General Electric  genannt wurde, legt sein zweites Werk vor, ganz unbescheiden mit dem Untertitel: "Das ist Management". Den Anspruch, die ultimative Anleitung zu erfolgreicher Unternehmensführung zu liefern, kann er aber nicht einlösen - auch wenn Anlegerguru Warren Buffett meint, dass man nach "Winning" kein anderes Managementbuch mehr lesen müsse.

Hilfreich ist es jedenfalls, schon zuvor einige gute Bücher gelesen zu haben. Denn über lange Strecken bleibt Welch mit Erwägungen zu Werten und Führung oberflächlich.

Merkwürdig mutet die Passage an, in der er die Enron-Pleite lapidar als Folge falscher Werte im Unternehmen abhandelt. Hier hätte man gern konkret erfahren, wie Welch seine ehrgeizigen Ziele so setzte und kontrollierte, dass sie mit legalen Methoden erreicht wurden.

Handfester wird es in den Kapiteln, in denen er seine Erfahrungen im Kampf mit der Konkurrenz schildert. Anhand realer Beispiele aus seiner GE-Zeit erläutert Welch, wie er Managementaufgaben analysiert und gelöst hat. Wissbegierigen Führungskräften bieten sich hier Möglichkeiten, Welchs Wege nachzuvollziehen und für die eigene Situation zu interpretieren. Bei allen anderen stellt sich jedoch das schale Gefühl ein, längst bekannte Methoden noch einmal erklärt zu bekommen - nur diesmal vom Meister selbst.

Lesbarkeit: Welchs spätes Glück mit der Ex-Chefredakteurin der "Harvard Business Review" entfaltet seine anregende Wirkung auch beim Leser. Dank Co-Autorin Suzy Welch liest sich der 400-Seiten-Wälzer leicht; allerdings bewahrte sie Welch wohl davor, die Details manch eingeräumter Fehler allzu ausführlich auszubreiten. Hier hätte ein wenig mehr Selbstkritik geholfen, den Lerneffekt bei seinen Epigonen zu steigern.

Praxisnähe: Wer eine Anleitung erwartet, wie man zur Nummer eins seiner Branche oder seines Unternehmens aufsteigt, wird enttäuscht. Diesen Zweck können Welchs Ausführungen über Betriebsorganisation und Karrieregestaltung nicht erfüllen. Dafür sind sie zu allgemein gehalten. Ein Buch für Leute, denen es reicht, die Fortsetzungsgeschichte vom Mann, der immer gewann, nachzulesen.