Donnerstag, 19. September 2019

Altersvorsorge Das Gesetz der großen Zahl

2. Teil: Die falsche Erwartungshaltung

Dabei wird ohne diese vermaledeite Ziffernfolge jede Lebensplanung Makulatur. Wer nicht weiß, wie hoch sein Basiskapital für den Ruhestand sein muss, landet mit Mitte 60 unter Umständen bei der bitteren Erkenntnis, dass er sich ein paar lieb gewordene Gewohnheiten auf einmal nicht mehr leisten kann.

 "Wie willst du das schaffen?" Andrea Throm, Inhaberin einer kleinen Multimedia-Agentur, mit ihrem Mann
Lars Ternes

"Wie willst du das schaffen?"

Andrea Throm, Inhaberin einer kleinen Multimedia-Agentur, mit ihrem Mann

Andrea Throm also hat sich auf die Suche nach ihrer Zahl gemacht. Sie und ihr Mann sind einer von fünf Fällen, die im Auftrag des manager magazins von unabhängigen Finanzplanern analysiert wurden.

Die Kandidaten sind Selbstständige und Angestellte zwischen Mitte 20 und Ende 40 in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen. Sie alle haben für manager magazin ihre private und finanzielle Situation offen gelegt (siehe: "Altersvorsorge: Fünf Wege, wie Sie es schaffen können").

Die Ergebnisse sind keineswegs nur schockierend. Sie machen gleichzeitig auch Mut. Denn in allen Fällen ist finanzielle Unabhängigkeit im Alter trotz staatlicher Rentenmisere machbar - auch wenn bei vier von fünf Kandidaten die magische Zahl weit über einer Million Euro liegt.

Mit derartigen Summen hatte anfangs keiner der Kandidaten gerechnet. "Die meisten, die zu uns kommen, haben allenfalls eine vage Vorstellung davon, wie viel sie im Alter brauchen", bestätigt Jens Heinneccius (39), Vorstandschef der Sineus AG, eines der vier Finanzplanungsunternehmen, die für manager magazin gerechnet haben.

"Außerdem wissen viele nicht, wie viel sie aus dem, was sie bereits angespart haben, im Alter herausbekommen würden." Oft liegt die monatlich tatsächlich verfügbare Summe weit unter der Wunschrente.

Die überzogene Erwartungshaltung vieler Erwerbstätiger kommt nicht von ungefähr. "Die Menschen orientieren sich an dem hohen Wohlstandsniveau heutiger Rentner", hat die Hamburger Finanzplanerin Ellen Ehrich (52) beobachtet. Viele, die heute in den Ruhestand gehen, bekommen 70 Prozent ihres letzten Nettogehalts aus der Rentenkasse, oft noch eine kleine Betriebsrente dazu.

© manager magazin 5/2005
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