Montag, 22. Juli 2019

Aufstieg Die Erfolgsformel

3. Teil: Die Leichtigkeit der Wohlgeborenen

Dass die Herkunft ein sehr wirksamer Karrierekatalysator ist, dafür liefert der Soziologe Michael Hartmann weitere Belege. Der Eliteforscher hat herausgefunden, dass die Topetagen der 400 größten deutschen Firmen von den Söhnen des Bürgertums dominiert werden (siehe: "Netzwerke: 'Mut zu Bildung, Mut zum Risiko'").

Der Wohlgeborene: Karrierevorteil Herkunft. Der richtige Stallgeruch verschafft Managern eine deutliche Bevorzugung bei der Besetzung herausgehobener Führungspositionen. Der Vergleich der Aufstiegswege von 1000 Wirtschaftsakademikern in den vergangenen drei Jahrzehnten zeigt, dass durchweg jene Kandidaten die höchsten Posten besetzen, deren Familien aus dem gehobenen Bürgertum stammen. Die Wirtschaftselite reproduziert sich selbst, weil sie ihresgleichen von vornherein einen Vertrauensvorschuss einräumt.
Sabine Wilharm
Der Wohlgeborene: Karrierevorteil Herkunft. Der richtige Stallgeruch verschafft Managern eine deutliche Bevorzugung bei der Besetzung herausgehobener Führungspositionen.

Der Vergleich der Aufstiegswege von 1000 Wirtschaftsakademikern in den vergangenen drei Jahrzehnten zeigt, dass durchweg jene Kandidaten die höchsten Posten besetzen, deren Familien aus dem gehobenen Bürgertum stammen.

Die Wirtschaftselite reproduziert sich selbst, weil sie ihresgleichen von vornherein einen Vertrauensvorschuss einräumt.
Nahezu die Hälfte der Vorstandschefs der 100 größten Unternehmen stammt aus Familien von hohen Beamten, Führungskräften oder Unternehmern. "Der richtige Stallgeruch", so Hartmann, "gibt den Unternehmenslenkern das gute Gefühl, sich mit Leuten zu umgeben, denen sie vertrauen können."

Die vom sozialen Geruchssinn gesteuerte Bewerberauswahl orientiert sich an vier Persönlichkeitsmerkmalen:

  • Die intime Kenntnis von Dress- und Benimmcodes zeigt, ob der Bewerber die ungeschriebenen Regeln in den Chefetagen kennt.


  • Unternehmerisches Denken und die damit verknüpfte positive Lebenseinstellung gelten als Voraussetzung für visionäre Gestaltungskraft.


  • Souveränität im Auftreten und Verhalten sind entscheidende Kriterien für die Übernahme von Führungsaufgaben.


  • Eine breite Allgemeinbildung verschafft den berühmten Blick fürs große Ganze, den ein Chef haben muss.
Einige dieser Eigenschaften können sich Aufstiegswillige sicher aneignen. Was ihnen am Ende aber immer fehlen dürfte, ist die Leichtigkeit, mit der sich die Wohlgeborenen in der höheren Wirtschaftsgesellschaft bewegen. Eine größere Bremswirkung als die falsche Herkunft entfaltet nur noch die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht.

© manager magazin 5/2005
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