Sonntag, 17. November 2019

IT-Industrie Der Softwarekrieg

6. Teil: Oracles harter Konter

Der notorische Großsprecher Ellison nimmt für sich in Anspruch, mit der Plattform 10g die einzig wirklich funktionierende Software für die neue Technik-Ära geschaffen zu haben. In gewohnt selbstbewusster Weise bürstet Oracle Börsen-Chart zeigen die Konkurrenzprodukte als untauglich ab: IBM - ein reiner Marketing-Gag. SAP - wichtige technische Fähigkeiten fehlen.

 Softwareplattform: 10g Funktionsweise: Oracle will seine Plattform auf eine spezielle Form der IT-Fabrik aufbauen. Darin besteht der Rechnerpool aus vielen kleinen, gegebenenfalls räumlich verteilten Standardservern, einem so genannten Grid. Diese sehr kostengünstige Struktur bedient 10g mit den üblichen Funktionen - von Integration der Anwendungen bis zum Management des Systems. Programmsprache: Java. Fertigstellung: Die 10g-Plattform ist seit 2004 erhältlich. Die 10g-Plattform ist seit 2004 erhältlich. Markt: Etwa 10 Prozent der Oracle-Kunden installieren 10g. Oracle muss mehr Softwarehersteller überzeugen.
Markus Spang
Softwareplattform: 10g

Funktionsweise: Oracle will seine Plattform auf eine spezielle Form der IT-Fabrik aufbauen. Darin besteht der Rechnerpool aus vielen kleinen, gegebenenfalls räumlich verteilten Standardservern, einem so genannten Grid. Diese sehr kostengünstige Struktur bedient 10g mit den üblichen Funktionen - von Integration der Anwendungen bis zum Management des Systems.

Programmsprache: Java.

Fertigstellung: Die 10g-Plattform ist seit 2004 erhältlich. Die 10g-Plattform ist seit 2004 erhältlich.

Markt: Etwa 10 Prozent der Oracle-Kunden installieren 10g. Oracle muss mehr Softwarehersteller überzeugen.
Der Amerikaner Ellison attackiert den Deutschen Kagermann besonders aggressiv. Ellison will SAP Marktanteile im Geschäft mit Unternehmenssoftware abnehmen. Seine klare Logik: Jedem Anwendungskunden kann ich auch meine Plattform verkaufen.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum Ellison im vergangenen Jahr so viel Energie in die Übernahme des Wettbewerbers Peoplesoft steckte. Und warum er unlängst für das Softwareunternehmen Retek mit seinen schlappen 174 Millionen Dollar Umsatz reichlich überteuerte 631 Millionen Dollar zahlte.

Die Kaufwut könnte Oracle allerdings auch zum Verhängnis werden. Viele Branchenkenner erwarten, dass die Oracle-Führungsmannschaft zumindest dieses Jahr all ihre Kraft in die Integration der Neuerwerbungen stecken muss; dadurch fehle dem Topteam die Power, sich auf dem zukunftsträchtigen Plattformschlachtfeld durchzusetzen.

Andere wiederum argumentieren, der für 10g zuständige Manager - und wahrscheinlichste Kandidat für die Ellison-Nachfolge - Thomas Kurian leiste exzellente Arbeit. Mit seiner technisch erstklassigen 10g-Plattform werde es ihm gelingen, schnell die hauseigene Business-Suite mit den Produkten von Peoplesoft und Retek zu vereinen. Durch diesen Coup könne der junge Inder dem Datenbankkonzern wieder zu alter Größe verhelfen.

Ganz ausgezählt ist King Larry also noch nicht. Ob der großmäulige Technologe allerdings gegen die drei Branchenriesen Microsoft, IBM und SAP punkten kann, ist zumindest fraglich. Die beste Software setzt sich in der Hightech-Branche jedenfalls selten durch.

© manager magazin 5/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung